FIFA U-20-Weltmeisterschaft Neuseeland 2015

FIFA U-20-Weltmeisterschaft Neuseeland 2015

30 Mai - 20 Juni

FIFA U-20 Weltmeisterschaft 2015

Traoré: "Ich hätte diese Auszeichnung niemals erwartet"

Adama Traore of Mali celebrates after scoring a goal with Malick Toure of Mali
© Getty Images

Die FIFA U-20-Weltmeisterschaft wird oft als Sprungbrett auf dem Weg zum Spitzenfussball bezeichnet. Als regelmäßiger Stammspieler der Ligue 1 bei Lille OSC und A-Nationalspieler Malis seit einigen Monaten, war Adama Traoré zu Beginn des weltweiten Gipfeltreffens in dieser Alterskategorie am 30. Mai seiner Zeit bereits ein wenig voraus. Nach drei Wochen, in denen der Spieler der Dogues dem Wettbewerb seinen Stempel aufdrückte, gab dieser anlässlich des Spiels um Platz drei gegen Senegal (3:1) eine letzte Kostprobe dessen, was die knapp 500 Teilnehmer des Turniers auf dem Spitzenniveau erwarten könnte.

"Diese WM und dieses Spiel waren wirklich wichtige Begegnungen für mich", sagt Traoré im Anschluss an einen perfekten Auftritt gegen Senegal im Gespräch mit FIFA.com. "Ich konnte bei der CAF U-20-Afrikameisterschaft und damit auch im Halbfinale gegen Senegal, das wir dort verloren, nicht dabei sein. Mein Trainer in Lille hatte mich nicht freigegeben, weil ich in der Meisterschaft gebraucht wurde. Ich habe mir daraufhin vorgenommen, meinen Kameraden bei der WM so gut wie möglich zu helfen."

Schließlich wurde er als bester Spieler des Turniers mit dem Goldenen Ball von adidas ausgezeichnet. Eine große Ehre für Traoré, der in Neuseeland vollends überzeugen konnte.

Traoré war an sieben der elf Tore der jungen Adler beteiligt, erzielte vier selbst und bereitete drei vor. An diesem 20. Juni besorgte er gegen die Löwen zunächst mit einem herrlichen Freistoß den Ausgleich. Anschließend schloss er ein schwindelerregendes Dribbling mit einem satten Schuss zur Führung ab. Als krönenden Abschluss servierte er die Vorlage zum dritten Treffer - ein schlicht fabelhafter Auftritt. "Ich habe ein gutes Spiel gemacht", sagt der Held des Abends indes knapp. "Wir haben unser Bestes gegeben und wollten unbedingt diesen dritten Platz", räumt er ein. "Wir wussten, dass es kein leichtes Spiel werden würde. Es ist nie leicht, gegen ein anderes afrikanisches Land zu spielen. Senegal kennt uns gut."

Und hatte guten Grund, Mali und seinen Starspieler zu fürchten. Diese bittere Erfahrung machte vor allem der Torhüter des FC Lorient und der jungen Löwen, Ibrahima Sy: "Er spielt regelmäßig in der Ligue 1 und wird oft in die A-Nationalmannschaft Malis berufen - das ist kein Zufall! Adama Traoré ist ein sehr guter Spieler, den ich übrigens bei diesem Freistoß dummerweise auf die leichte Schulter genommen habe", betont er. "Ich wünsche ihm, dass er so weiter macht und nicht überheblich wird. Denn ich glaube, das ist das Geheimnis seines Erfolgs."

Tatsächlich legt der Spieler mit der Nummer 19 eine große Bescheidenheit an den Tag. Er entschuldigt sich geradezu dafür, Dreh- und Angelpunkt des Spiels der Adler gewesen zu sein: "Dass ich bei dieser WM mehr zu sehen war, lag einfach an meiner Position. Ich war hier häufiger am Ball, weil ich als Zehner gespielt habe, während ich im Verein mehr als Achter agiere", sagt er und lehnt es ab, zuzugestehen, dass sein Status als A-Nationalspieler seinen enormen Einfluss auf die jungen Adler erklärt: "Ich stehe erst ganz am Anfang meiner internationalen Karriere. In der Nationalmannschaft bin ich ein 'Kleiner'. Ich kann mir deshalb nicht anmaßen, mich in der U-20 für einen Großen zu halten."

Doch die Fakten sprechen für sich. Adama Traoré war bei dieser FIFA U-20-Weltmeisterschaft der herausragende Akteur Malis. Er führte ein Team, dem Wenige den Einzug ins Halbfinale zugetraut hätten, 16 Jahre nach der gleichen Leistung ihrer Vorgänger bis auf die dritte Stufe des Podiums in Neuseeland 2015. "Wir haben uns dieses Ergebnis verdient. Ich glaube, dass wir zu Recht darauf stolz sein können. Natürlich kann man es bedauern, dass wir nicht das Finale erreicht haben, doch ich ziehe es vor, die positive Seite zu sehen. Und diese Bronzemedaille ist eine schöne Belohnung für uns", sagt der große Bewunderer von Lionel Messi.

Ein Messi, der seinerseits bei der FIFA U-20-Weltmeisterschaft Niederlande 2005 sein großes Potenzial zeigte, bevor er die Karriere begann, für die er heute bekannt ist. Dies war auch bei Ronaldinho, Kaka, Andrés Iniesta, Davor Suker, Thierry Henry oder zuletzt Paul Pogba der Fall. Adama Traoré hat in jedem Fall einen glänzenden Start hingelegt, um diese Liste zu verlängern. "Ich wage es nicht, auf so etwas zu hoffen", sagt er zum Abschluss. "Das fussballerische Niveau bei der U-20-WM ist zwar sehr hoch, aber aus meiner eigenen bescheidenen Erfahrung weiß ich schon, dass die Unterschiede zur nächsthöheren Stufe enorm sind. Ich fürchte, dass das, was uns im taktischen, technischen und körperlichen Bereich erwartet, sehr viel schwerer ist!"

Doch wenn es eine Sache gibt, die Traoré niemals erwartet hätte, dann die, dass er den Goldenen Ball von adidas als bester Spieler der FIFA U-20-WM 2015 gewonnen hat. "Ich kann es einfach nicht glauben. Ich hätte niemals gedacht, dass ich diese Auszeichnung gewinnen könnte", so der sympathische und bodenständige Filigrantechniker mit der Trophäe im Arm und mit einem großen Lachen im Gesicht.

"Ich hätte wirklich erwartet, dieser Titel würde an einen Brasilianer oder einen Serben gehen. Aber nicht an mich! Wie auch immer, ich möchte mich bei meinen Mannschaftskollegen bedanken, ohne die ich diese Auszeichnung niemals gewonnen hätte. Und ich möchte mich auch bei meinen Freunden, meiner Familie und allen Menschen in Mali dafür bedanken, dass sie uns so konsequent unterstützt haben. Um ehrlich zu sein, habe ich keine Ahnung, ob ich mich mehr über die Bronzemedaille oder den Goldenen Ball freue. Alles was ich weiß, ist, dass ich sehr glücklich bin!"

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