FIFA U-20-Weltmeisterschaft Kanada 2007

FIFA U-20-Weltmeisterschaft Kanada 2007

30 Juni - 22 Juli

FIFA U-20 Weltmeisterschaft

Tomas Pekhart: Der sanfte Riese

Nach dem Erreichen des Finales scheinen sich die Tschechen selber noch zu fragen, ob das alles nur ein Traum ist. Tomas Pekhart, der groß gewachsene Stürmer der Tschechen, machte dabei im Interview mit FIFA.com einen völlig entspannten Eindruck.

Vielleicht ist er der auffälligste Spieler der tschechischen Mannschaft. Zunächst einmal ist er enorm groß gewachsen (1,95 m), wie der Großteil seiner Mitspieler (1,83 m im Durchschnitt). Zudem zeichnet ihn mit 18 Jahren seine große Gelassenheit aus. Tomas Pekhart ist der Jüngste in seinem Team und amüsiert sich prächtig. Natürlich steht noch das Finale auf dem Programm, aber Druck scheint für die Tschechen ein Fremdwort zu sein. Die Resonanz in den Medien ist in Tschechien relativ gering, da dort nur die A-Nationalmannschaft zählt.

Pekhart sieht das dagegen ganz anders und vergleicht den aktuellen Erfolg mit der UEFA EURO England 1996, als die A-Nationalmannschaft zur Überraschung aller bis ins Finale vorstieß. "Ich kann mich noch an das Finale von 1996 erinnern. Ich war sieben Jahre alt und verfolgte es im Fernsehen. Das war mit Sicherheit der größte Erfolg einer tschechischen Mannschaft in einem internationalen Wettbewerb. Und jetzt sind wir die zweiten auf dieser Liste." Im aktuellen Kader haben sie einen wichtigen Verbündeten, der sich an diese Zeit nur zu gut erinnert. "Unser Torwarttrainer, Petr Kouba, hat in diesem Finale gespielt. Er hat uns davon erzählt und seine Erfahrung ist sehr wertvoll für uns."

Tatsächlich hatte kaum jemand die Tschechen auf der Rechnung. Vielleicht nicht einmal sie selbst. Und das Geheimnis des Erfolgs ist ganz einfach: "Wir spielen als Mannschaft. Es gibt keine Stars oder große Namen bei uns, ganz anders als bei den Argentiniern. Unser Erfolg resultiert aus unserer Fähigkeit, zusammen zu spielen", erklärte der Stürmer von Tottenham.

Dem zweiten Spiel gegen die Argentinier blicken sie ganz entspannt entgegen. Dass es sich dabei um das Finale handelt, scheint kaum Bedeutung zu haben. "Wir haben unser erstes Spiel im Turnier gegen die Argentinier bestritten, und daher hat das Spiel schon etwas Besonderes. Sie sind natürlich die klaren Favoriten. Aber wie bereits im ersten Spiel, als wir ihnen beim 0:0 einen Punkt entführt haben, können wir sie überraschen."

Elfmeterschießen - Nein, danke
Die Ausgangsbedingungen sind jedoch anders. Mit zunehmender Turnierdauer haben beide Teams an Selbstvertrauen gewonnen, sind aber auch nicht mehr ganz so frisch. "Natürlich sind wir müde. Das ist unser siebtes Spiel und zudem ging es zwei Mal in die Verlängerung. Aber das ist das Finale. Es ist ein historisches Spiel für uns, das wichtigste in meiner bisherigen Karriere. Daher brauchen Sie sich über mangelnde Energie keine Sorgen zu machen. Das Adrenalin wird uns allen Kraft geben", versicherte Pekhart.

Zu Beginn hatten die Tschechen eine eindeutig defensive Taktik gewählt. Und wie sieht es diesmal aus? "Ich bin mir nicht sicher, mit welcher Taktik wir spielen werden. Da müssen Sie schon den Trainer fragen. Aber im ersten Spiel funktionierte es recht gut, sie kommen zu lassen und auf Konter zu lauern", fügte er mit einem Augenzwinkern hinzu. Auf jeden Fall wollen die Tschechen einem Elfmeterschießen aus dem Weg gehen. Es ist zwar richtig, dass die Osteuropäer bisher zwei Spiele im Elfmeterschießen für sich entscheiden konnten (erstmalig bei einer U-20-WM), aber Pekhart ist sich sicher, dass sie dieses Mal weniger Glück hätten: "Wir haben uns allen geschworen, dass wir nicht noch ein Elfmeterschießen wollen. Zwei Mal hatten wir Glück, aber ein drittes Mal würde das wohl nicht klappen."

Das Ganze sagt er mit einem breiten Grinsen, das verrät, dass die Tschechen die Dinge so nehmen werden, wie sie kommen. Anspannung scheint für die Spieler ein Fremdwort zu sein. "Vor dem Turnier haben wir uns versprochen, dass wir uns den Kopf kahl rasieren, wenn wir das Achtelfinale erreichen. Das war Martin Fenins Idee. Er ist der Clown der Mannschaft und immer für einen Spaß zu haben", erzählte Pekhart.

Diese Ablenkung hilft mit Sicherheit dabei, das Heimweh zu vergessen und nicht allzu oft an die Familie zu denken. Schließlich darf man nicht vergessen, dass die Spieler gerade einmal 18 oder 19 Jahre alt sind. "Es fällt mir schwer, über einen Monat nicht in der Heimat zu sein", gestand Pekhart. "Wir trösten uns damit, per Internet und Telefon in Kontakt zu bleiben. In Tschechien sind alle ganz aus dem Häuschen und freuen sich für uns. Nach dem Turnier werde ich eine Woche in Tschechien verbringen, um meiner Familie die Goldmedaille zu zeigen", erklärte er lachend. Abschließend fügte er hinzu: "Also, das mit der Goldmedaille war natürlich nur Spaß."

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