FIFA U-20-Weltmeisterschaft Türkei 2013

FIFA U-20-Weltmeisterschaft Türkei 2013

21 Juni - 13 Juli

FIFA U-20 Weltmeisterschaft 2013

Thauvin und Digne: Frankreichs Flügelflitzer

Florian Thauvin (L) and Lucas Digne of France
© Getty Images

Ein Spiel dauert 90 Minuten, manchmal ein wenig länger. Das ist nichts Neues. Doch andererseits gibt es sehr wenige Spieler, die tatsächlich 90 effektive Minuten bestreiten. Für Florian Thauvin und Lucas Digne aber ist der Startpfiff des Schiedsrichters der Beginn einer Kraftanstrengung, die von Anfang bis zum Ende andauert. Es fällt schwer zu glauben, dass auch diese beiden Akteure nur vier Lungen haben.

Diese ununterbrochenen Energieleistungen haben es Frankreich ermöglicht, bis ins Viertelfinale der FIFA U-20-Weltmeisterschaft 2013 vorzustoßen, in dem sie Usbekistan gegenüberstehen werden. Eine neue Etappe im Marathonlauf der "Bleuets".

Man muss dazusagen, dass Thauvin und Digne auf ihren Positionen als Flügelstürmer und linker Außenverteidiger ohnehin selten Gelegenheit haben, ein Päuschen einzulegen. "Das stimmt, wenn man auf der Außenbahn spielt, kann man sich nicht die geringste Nachlässigkeit erlauben und muss permanent arbeiten", sagte der Verteidiger von OSC Lille im Gespräch mit FIFA.com.

"Ich muss zuerst gut verteidigen, aber auch mein Bestes tun, um meinen Beitrag in der Offensive zu leisten. So ist die Arbeit eines modernen Außenverteidigers. Es gibt die Vorgaben des Trainers, doch zu wissen, wann man nach vorne gehen kann oder sich lieber zurückhalten soll, um das Team nicht aus dem Gleichgewicht zu bringen, ist auch ein wenig Intuition."

Dies gilt umgekehrt auch für den Angreifer, der wie auf dem Platz den Vorstoß seines Teamkameraden absichert: "Das stimmt, ein Torjäger bleibt vorne, ein Innenverteidiger muss seine Arbeit im Zentrum erledigen, doch wir, wir müssen die Beine in die Hand nehmen, um beides zu machen", ergänzte Thauvin, der ab der kommenden Saison ebenfalls in Lille spielen und die Gelegenheit haben wird, seine Automatismen mit Digne weiter zu perfektionieren.

"Die Vorgaben beim Umschalten in die Verteidigung sind sehr wichtig. Es beinhaltet eine gewisse Verantwortung. Um alle drei Tage in diesem Rhythmus zu spielen, ist die Regeneration natürlich sehr wichtig." Es erstaunt daher nicht, wenn Digne einräumt: "Nach einem Spiel schlafe ich im Allgemeinen super gut!"

Süße Träume

Man kann sich dabei gut die süßen Träume des Verteidigers vorstellen, die er nach dem brillanten Achtelfinalerfolg gegen die Türkei gehabt haben muss, obwohl man den "Bleuets" im Vorfeld angesichts der Leidenschaft der heimischen Fans einen Albtraum vorhergesagt hatte.

"Wir haben ein perfektes Spiel gemacht", urteilte Digne bezüglich des hohen 4:1-Siegs gegen die Gastgeber. "Auch wenn wir in der ersten Runde einige Probleme hatten, sind wir jetzt im Viertelfinale und können also zufrieden sein. Und ich habe das Gefühl, dass wir uns weiter steigern." Diese Steigerung hat die Türken offenbar verblüfft, die vielleicht noch unter dem Eindruck des etwas müden Unentschiedens der Franzosen gegen die USA (1:1) oder der Niederlage gegen Spanien (1:2) standen.

"Der Unterschied zwischen diesem und den vorhergehenden Spielen war, dass dieses ein entscheidendes Spiel war, in dem man sich keinen Fehler erlauben durfte", so der ehemalige Akteur von SC Bastia. "Es ist ein Spiel, das als Maßstab dient. Alles hat gut funktioniert, und wir haben aus vollem Herzen gekämpft, um die bestmögliche Leistung zu bringen." Und bei diesen zwei Teamkameraden ist es alles andere als eine Floskel, wenn sie davon sprechen, mit ganzem Herzen dabei gewesen zu sein. Jeder auf seine Weise wendet seine volle Energie auf, um auf dem Spielfeld Kilometer zu sammeln - und auch in der Karriere vorwärts zu kommen.

Die von Thauvin hätte aufgrund körperlicher Probleme beinahe niemals begonnen. "Ich erlitt eine schwere Rückenverletzung, als ich jünger war, und hätte fast aufhören müssen zu spielen", erinnerte er sich an seine Anfänge bei Grenoble Foot. Er versicherte, glücklicherweise keine Folgeschäden davongetragen zu haben. "Wenn man davon träumt, Profi zu werden, ist das ein schwerer Schlag. Doch ich habe nicht aufgegeben und weiter daran gearbeitet, Profi zu werden. Seitdem weiß ich, dass sich jederzeit alles ändern kann, und das gibt mir die Kraft, um jeden Ball zu kämpfen."

*Kopf und Beine *Digne hingegen ist von solchen Schicksalsschlägen verschont geblieben, zumindest er selbst. Seine Motivation zieht er aus dem Beispiel seines älteren Bruders, der ebenfalls bei Lille OSC spielte und dem er nacheiferte. Doch dieser musste seine Ambitionen nach einer schweren Verletzung aufgeben. "Er hatte sehr große Qualitäten, doch er verletzte sich und fand nie wieder zu seiner Bestform zurück und schaffte es nicht in die Profi-Mannschaft", bedauerte der jüngere Bruder. "Heute weiß ich, dass er seinen Traum durch mich lebt, und das gibt mir die Kraft, niemals aufzugeben."

Die beiden Linksfüßer werden sicherlich auch gegen Usbekistan keine Probleme haben, sich zu motivieren. Die Asiaten sind das nächste Hindernis auf dem Weg nach Istanbul, dem Schauplatz des Finales. Denn die beiden Flügelspieler haben kein anderes Ziel im Sinn als den Gewinn der Trophäe.

"Das Ziel ist von Anfang an klar. Wir wissen, dass wir über die Qualität verfügen, um zu gewinnen", kündigte Thauvin an, ein großer Bewunderer von Lionel Messi und Ronaldinho, der seine Spielweise aber eher mit Angel Di Maria vergleicht. "Frankreich hat dieses Turnier noch nie gewonnen, und wir sind uns dessen bewusst, dass wir dieses Jahr mehr als je zuvor die Mittel dazu haben."

Zumal die "Bleuets" in dieser Auflage 2013, bei der Argentinien, Brasilien und Deutschland fehlen und Kolumbien, Mexiko und Portugal bereits die Heimreise antreten mussten, neben Spanien der letzte verbliebene große Favorit sind. "Natürlich hat die Tatsache, dass einige große Nationen nicht dabei sind, das Turnier offener gemacht", bestätigte Digne, der seinerseits als Vorbild für die Position des Außenverteidigers keinen anderen neben Philipp Lahm duldet. "Doch wenn wir in einem Turnier angreifen, tun wir das in jedem Fall, um zu gewinnen. Egal, welche Gegner auf der Startlinie stehen."

Die Ziellinie wiederum erreichen meistens diejenigen zuerst, die die besten Beine haben. Das trifft sich gut, denn in dieser Hinsicht ist Frankreich mit Digne und Thauvin bestens aufgestellt. 

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