FIFA U-20-Weltmeisterschaft Türkei 2013

FIFA U-20-Weltmeisterschaft Türkei 2013

21 Juni - 13 Juli

FIFA U-20 Weltmeisterschaft 2013

Shakir: "Unsere Liebe für den Fussball"

Head coach Hakeem Al Azzawi (2nd R) of Iraq talks to his players.
© Getty Images

Eines ist schon jetzt klar: Auch wenn es für den ganz großen Coup nicht gereicht hat, schrieb Irak eines der erstaunlichsten Kapitel der diesjährigen Fussball-Geschichte. Der sensationelle Einzug der als klassischer Außenseiter gestarteten Schützlinge von Coach Hakeem Shakir unter die letzten Vier bei der FIFA U-20-WM 2013 muss als Überraschung angesehen werden. Und auch wenn das Ensemble aus Nahost letztlich auf dramatische Weise im Elfmeterschießen gegen Uruguay die Endspielteilnahme verpasste, sorgte es in allen Ecken des Globus für Aufsehen und brachte den Menschen in der Heimat große Freude. Nun soll dem vorübergehenden Frust ein kleines, aber bedeutsames Happy End folgen.

"Natürlich bin ich traurig, dass wir das Finale nicht erreicht haben. Aber ich bin auch sehr stolz", fasste Shakir seine Gefühlswelt nach der Niederlage gegen die Celeste am Mittwochabend in Trabzon auf FIFA.com-Nachfrage zusammen. Seine Talente ließen zwar die Köpfe hängen, manche waren den Tränen nahe, dennoch blieben sie auch tapfer. Schließlich wussten sie, dass dieser Sommer in der Türkei fussballerisch für immer als ein Historischer angesehen wird. Niemals zuvor hatte eine irakische Mannschaft das Halbfinale dieser Turnierserie erreicht. Erst einmal stand man überhaupt in der Runde der letzten Vier eines FIFA-Wettbewerbs (2004 beim Olympischen Fussballturnier der Männer). Und noch immer ist man bei dieser Endrunde in der regulären Spielzeit und der Verlängerung ungeschlagen.

Kaum ein Experte hätte damit gerechnet. Außer Shakir hielt vermutlich überhaupt niemand für möglich, dass dieses Ensemble um den bärenstarken Linksverteidiger Ali Adnan, den extrovertierten und manchmal unkonventionell haltenden, aber dennoch Sicherheit ausstrahlenden Keeper Mohammed Hameed oder den erst 17 Jahre alten und zum Shooting Star avancierten dreifachen Torschützen Farhan Shakor tatsächlich bis zum letzten Tag um einen Podestplatz spielen würde. Nur der Trainer zeigte sich von Anfang an überzeugt davon, dass diese Mannschaft das Zeug zu Großem hat. "Diese Generation ist eine besondere. Wir sind hierhergekommen, um das zu zeigen und unsere Liebe für den Fussball zu präsentieren. Von Spiel zu Spiel wurden unsere Ziele immer größer", so der 50-Jährige.

Ein Zeichen in Richtung Heimat senden
Der geradlinige, schnörkellose Tempofussball der Iraker beeindruckt. Technisch stark und äußerst effizient haben sie bislang nicht ein einziges Mal erlaubt, dass ein Gegner sie über eine längere Phase komplett dominiert. Um diesen Eindruck nachhaltig zu bestätigen, soll nun gegen Ghana im "kleinen Finale" am Samstag in Istanbul, seines Zeichens immerhin Titelträger von 2009, Platz drei her. Dabei soll, wie bereits während des gesamten Turniers, eine ganz besondere Portion Extra-Motivation helfen: "Mein Gefühl sagt mir, dass meine Spieler gute Dinge für die Leute zuhause getan haben. Dies ist auch für uns ein gutes Zeichen. Aber jetzt wollen wir zum Abschluss auch Dritter werden, um ein weiteres Zeichen in Richtung Heimat zu senden", gibt Shakir die Marschroute vor.

Doch worin liegt das Erfolgsgeheimnis dieser irakischen Ausnahmefussballer? Schon vor zwei Wochen verriet der Übungsleiter im FIFA.com-Interview: "Wir haben die Mannschaft wie eine Familie aufgebaut. Wenn diese Familie Erfolg hat, dann ist jeder glücklich. Hinter allem stehen natürlich auch Regeln und Disziplin wie in jeder guten Familie. Aber wir haben nun einmal gerne Spaß und wir sind spontane Menschen. Darum ist unsere Freude auf dem Platz so offensichtlich. Sie kommt ganz natürlich."

Dies wurde im wohl nervenaufreibendsten Moment der Iraker bei diesem gesamten Turnier ganz besonders deutlich, als Shakir kurz vor Beginn des Elfmeterschießens gegen Uruguay seine Spieler zu einem Kreis zusammenrief und sie, statt beruhigend einzuwirken, einfach nur fröhlich tanzen und singen ließ. Außergewöhnlich! Und schlichtweg bemerkenswert!

Für den stolzen Übungsleiter sind seine Schützlinge die goldene Zukunft des irakischen Fussballs. Voller Überzeugung sagt er: "Diese Generation ist vorbereitet auf die [FIFA] Fussball-Weltmeisterschaft 2018, um den Menschen zuhause noch mehr zu geben." Der mögliche Gewinn von Bronze am Samstag am Bosporus könnte diese These durchaus noch stärker stützen.

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