FIFA U-20-Weltmeisterschaft Neuseeland 2015

FIFA U-20-Weltmeisterschaft Neuseeland 2015

30 Mai - 20 Juni

FIFA U-20 Weltmeisterschaft 2015

Senegal und Mali: Freunde und Rivalen

Team captains Djigui Diarra (R) of Mali and Clifford Aboagye of Ghana
© Getty Images

Ein Volk, ein Ziel, ein Glaube: Senegal und Mali teilen denselben Wahlspruch. Grün, gelb und rot: Ihre Nationalflaggen wehen in den gleichen Farben. 21. Mai 1960: Beide Länder haben am selben Tag ihre Unabhängigkeit erklärt. Die zwei westafrikanischen Staaten verbinden viele Gemeinsamkeiten. Auch ihre Auftritte bei der FIFA U-20-Weltmeisterschaft Neuseeland 2015 weisen erstaunliche Parallelen auf, angefangen bei ihrem zur Schau getragenen Fussball bis hin zu ihrem Schicksal im Turnierverlauf. Beide Teams haben entgegen allen Erwartungen das Halbfinale erreicht, sind jedoch an der vorletzten Hürde gescheitert. Die befreundeten Länder treffen somit am 20. Juni 2015 in Auckland aufeinander und werden die gleiche Zielsetzung haben: ein Platz auf dem Podium.

"Wir sind mit einem einzigen Ziel in diesen Wettbewerb gegangen: das Finale zu erreichen. Gott hat anders entschieden. Es bleibt noch ein letztes Spiel, das in unseren Augen großen Wert hat. Wir werden unser Bestes geben, um gegen unsere Brüder zu gewinnen", sagt der senegalesische Nationalcoach Joseph Koto. Ähnlich klingen die Äußerungen seines Gegenübers auf der malischen Bank, Fanyeri Diarra: "Uns ist eine großartige Leistung gelungen. Es ist übrigens nicht das erste Mal, denn Mali hat 1999 das Halbfinale erreicht. Doch das Abenteuer ist noch nicht zu Ende. Wir wollen nun die Bronzemedaille holen. Ich finde es wunderbar, dass zwei afrikanische Länder darum kämpfen werden."

Es ist im Übrigen auch nicht das erste Mal, dass sich diese beiden Ex-Nationalspieler auf einem Fussballplatz gegenüberstehen. Zwischen den ehemaligen Verteidigern ist es in den 80er-Jahren, als die Adler und die Löwen von Teranga um die Vormachtstellung in Westafrika kämpften, zu mehreren Anlässen zu Zusammenstößen gekommen. In ihrer Rolle als Nationaltrainer sind sie sich ebenfalls häufiger begegnet, zuletzt im vergangenen März bei der CAF U-20-Afrikameisterschaft. Bei dieser Gelegenheit behielt Senegal die Oberhand. Es ist also eine Rivalität, in der sich zugleich eine große und lange Freundschaft zwischen den beiden Männern verbirgt, wie FIFA.com im Gespräch mit ihnen herausfand.

"Wir kennen uns schon sehr lange und es stimmt, dass unsere freundschaftliche Beziehung über das Spielfeld hinausreicht", bestätigt Diarra. Und Koto ergänzt: "Wir treffen uns seit vielen Jahren regelmäßig. Wir sind Freunde geworden, und ich möchte die Arbeit, die Fanyeri in Mali leistet, ausdrücklich loben. Sie ist beispielhaft, und der Beweis dafür ist dieses WM-Halbfinale. Doch heute geht es nicht mehr um uns, sondern um unsere Spieler. Unsere Zeit liegt hinter uns. Heute ist es unsere Aufgabe, unsere Jungs auf dem Weg zum Topniveau so gut wie möglich zu begleiten."

Brüder auf dem Mutterkontinent
Mission erfüllt: Beide Mannschaften konnten in Neuseeland auf sich aufmerksam machen. Akteure wie Sidy Sarr, Ibrahima Sy und Moussa Koné bei den Senegalesen sowie Adama Traoré, Dieudonné Gbaklé oder Djigui Diarra aufseiten der Malier gehören zu den großen Entdeckungen des Turniers. In kollektiver Hinsicht haben die beiden Teams gegen die großen Länder des Weltfussballs mehr als nur mithalten können. Die jungen Löwen warfen die Ukraine um den Top-Torjäger Viktor Kovalenko aus dem Wettbewerb, während Mali gegen Deutschland die Oberhand behielt, das bis dahin die beste Offensive in Neuseeland 2015 vorweisen konnte. "Für uns Afrikaner ist es sehr wichtig, mit solchen Mannschaften konkurrieren zu können. Diese Teams sind besser organisiert, haben andere Vorteile und auch andere Mittel. Doch wir konnten dagegenhalten", betont Koto.

"Dass zwei Mannschaften aus dem Mutterkontinent in dieser Wettbewerbsphase stehen, zeigt, dass der afrikanische Fussball auf einem guten Weg ist. Alles weist darauf hin, dass wir heute bessere Arbeit leisten", fährt er fort. "Früher waren die afrikanischen Mannschaften schlecht auf solche Wettbewerbe vorbereitet und fühlten sich minderwertig." Das ist heute nicht mehr der Fall. Der afrikanische Kontinent hat nunmehr seinen Platz auf der weltweiten Landkarte eingenommen. Nach Ghana und Ägypten in 2001 sowie Nigeria und Marokko in 2005 stoßen erst zum dritten Mal in der Geschichte des Wettbewerbs zwei afrikanische Teams bis ins Halbfinale vor.

Auch wenn Serbien und Brasilien den Maliern beziehungsweise den Senegalesen den Weg ins Finale versperrt haben, machen die beiden Repräsentanten der CAF keinen Hehl aus ihrer Freude, im Spiel um Platz drei aufeinanderzutreffen. Aus gutem Grund: "Zwischen Mali und Senegal gibt es viel mehr als eine historische Freundschaft: wir sind Brüder", betont Diarra am Vortag einer Partie, die dennoch nicht den Charakter eines Freundschaftsspiels haben wird. Und Koto ergänzt: "Wir waren in diesem Wettbewerb die größten Fans Malis. Wir haben davon geträumt, beide Mannschaften im Finale zu sehen. Letztlich ist es das Spiel um Platz drei, doch natürlich wollen wir trotzdem gewinnen. Die beiden Länder mögen sich brüderlich verbunden sein und es mag eine gesunde Rivalität geben - auf dem Fussballplatz zählt nur der Sieg!" 

Zwei Völker, ein Glaube und wie viele Tore in diesem "kleinen Finale"?

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