FIFA U-20-Weltmeisterschaft Kanada 2007

FIFA U-20-Weltmeisterschaft Kanada 2007

30 Juni - 22 Juli

FIFA U-20 Weltmeisterschaft

Sechster Titel: Argentinien bleibt spitze!

DER TAGESRÜCKBLICK: Argentiniens sechster Titel bei einer FIFA U-20-Weltmeisterschaft bedeutet Rekord, der dank der überfallartigen Vorstöße des südamerikanischen Gaucho-Nachwuchses um Sergio Agüero, Maxi Moralez und Co. auch noch souverän errungen ist. In einem Klassespiel meldete sich Chile zurück und sicherte sich den dritten Platz. Im Fokus standen aber nicht nur die Torschützen, auch die Torhüter prägten diesen 22. Juli in Toronto, verhinderten sie doch mit ihren Glanzparaden höhere und deutlichere Ergebnisse.

Die Paarung im Spiel um den dritten Platz hatte es zwar am 8. Juli in Gruppe A schon einmal gegeben, aber die Vorzeichen waren diesmal gänzlich andere. Bei drückender Hitze fanden die Chilenen schneller ins Spiel als die Österreicher. Arturo Vidal und Mathias Vidangossy sorgten dabei für die Glanzlichter und ließen immer wieder ihr technisches Können aufblitzen. Allerdings zeigten sie sich dabei auch oft zu ballverliebt und zu wenig mannschaftsdienlich, als dass Treffer dabei herausgesprungen wären. Doch darf man nicht vergessen, dass jugendliches Ungestüm am Werk war...

Österreichs Trainer Paul Gludovatz wollte auf das bewährte Mittel seines "Superjokers" zurückgreifen, doch die Karte Erwin "Jimmy" Hoffer stach diesmal nicht. Und so gelang es den Europäern auch nicht, die Führung durch Hans Martinez nach einer Stunde noch auszugleichen. Am mangelnden Willen freilich lag das nicht. Aber dieser Sonntag, 22. Juli 2007, dürfte eben auch als "Tag der Torhüter" in die Geschichte eingehen. Der chilenische Torhüter Cristopher Toselli hatte einen Glanztag erwischt.

Toselli hatte reichlich zu tun - und er hielt alles, was zu halten war. Als 20.000 Besucher einen Kracher schon im Netz sahen, holte der Mann von Universidad Catolica das Leder noch irgendwie von der Linie. Nicht ohne Grund hat Toselli im Verlauf des Turniers einen neuen Rekord an Minuten ohne Gegentor aufgestellt. 492 sind es geworden, und so schnell macht ihm diesen Rekord wohl auch niemand abspenstig. Wenn Toselli so weiter macht, kann er sich getrost auf eine ebenso große Karriere freuen, wie der frühere Rekordhalter - und das war kein Geringerer als der Brasilianer Claudio Taffarel.

Das Schönste an dieser Partie aber ist, dass beide Mannschaften Historisches geleistet haben: Die Österreicher, weil sie noch nie bei einem FIFA-Turnier so gut abgeschnitten haben, und die Chilenen, weil sie bei einer U-20-WM noch nie auf dem Treppchen gelandet sind. Vor allem aber sah man bei dieser Begegnung, im Gegensatz zum Halbfinale, wieder einmal die Hingabe der chilenischen Fans an ihre Rojita. Die "Chi-Chi-Chi, Le-Le-Le, Viva Chile!"-Sprechchöre hallten noch lange nach Spielschluss von den Tribünen des National Stadiums in Toronto.

Torhüter in Galaform
Fürs große Finale dann hatten sich die tschechischen Anhänger in die Trikots der erfolgsverwöhnten Eishockey-Idole Jaromir Jagr, Dominik Hasek und Co. gekleidet. Tatsächlich hatte die Anfangsphase dann auch viel Ähnlichkeit mit dem kanadischen Nationalsport und seinen Bodychecks. Resultat: Viele Fouls, Spielunterbrechungen und Verwarnungen. Zum Glück aber hatten beide Torhüter vor, diesem Spieltag ihren Stempel aufzudrücken. Radek Petr und Sergio Romero spielten sich Stück für Stück in den Vordergrund und zeigten dabei alle Tugenden eines guten Schlussmanns: Sagenhafte Reflexe, souveräne Strafraumbeherrschung und genaue Abschläge.

Die beiden ersten Tore waren das Resultat einer schönen Einzelleistung - der Drehschuss von Martin Fenin war unhaltbar - und eines Abwehrfehlers. Sergio Agüero hätte nie und nimmer so frei stehen dürfen. Das Siegtor von Mauro Zarate wiederum geht wenigstens zum Teil an Petr, der versäumt hatte, seinen ersten Pfosten abzudecken. Ansonsten aber kann man dem tschechischen Schlussmann nichts anlasten. Im Gegenteil: Er hat Ansprüche auf die legitime Nachfolge Petr Cechs angemeldet. Aber auch seine Kollegen Romero und Toselli haben bei diesem Turnier ihre Klasse bewiesen und gezeigt, dass ihnen die Zukunft gehört.

Mit diesem Sieg stoßen die Argentinier in neue Dimensionen vor: Als erstes Land holen sie sechs WM-Titel in der Altersklasse U-20. 17 Mal standen sie in Endspielen von FIFA-Turnieren (zehn Siege) und Sergio Agüero ist (nach João Pinto 1989 und 1991) erst der zweite Spieler, der zwei Mal in Folge in einem U-20-Endspiel stand und es auch noch gewinnen konnte. Agüero hat sich dabei auch gleich denn Goldenen Ball und den Goldenen Schuh gesichert - beide übrigens vor seinem Landsmann Maximiliano Moralez. Die Albicelestes scheinen Egoisten zu sein, die der Konkurrenz noch nicht mal einen Trostpreis übrig lassen...