FIFA U-20-Weltmeisterschaft Türkei 2013

FIFA U-20-Weltmeisterschaft Türkei 2013

21 Juni - 13 Juli

FIFA U-20 Weltmeisterschaft 2013

Sarr: Im (Vor-)Namen des Vaters

Mouhamadou Naby Sarr of France looks on during a French training session
© Getty Images

Es gibt eine Redewendung, die häufig zu hören ist, wenn es um die Söhne ehemaliger Fussballgrößen geht: "Ah, er wird es schwerhaben, sich einen Vornamen zu machen." Im Fall von Mouhamadou Naby Sarr stellt sich die Situation indes ein wenig anders dar.

Gewiss, sein Vater war ein ehemaliger Star bei Paris Saint-Germain und in der senegalesischen Nationalmannschaft. Doch als er in den 70er Jahren seine Karriere in Frankreich begann, verwechselten die Medien seine Vor- und Nachnamen, und er wurde zu Sarr Boubacar, genannt "Locotte". Sein Spitzname wiederum war eine Abwandlung des spanischen Worts "Loco" (Verrückter), den er von einem seiner Brüder erhielt.

Und als ob es Absicht wäre, hat auch sein Sohn ein etwas eigenartiges Verhältnis zu seinem Vornamen. "Mein offizieller Name ist Mouhamadou Naby Sarr, doch eigentlich nennt mich alle Welt Naby, und das ist mir lieber", erklärte er.

Trotz dieses Namens-Wirrwarrs stehen sich Naby und Boubacar offenbar sehr nahe. Sie telefonieren jeden Tag. Und sprechen dabei natürlich über Fussball. "Ich habe mit ihm über die Weltmeisterschaft gesprochen, bevor ich hierher kam. Er sagte mir, dass es eine einzigartige Veranstaltung sei, die auf der ganzen Welt verfolgt wird. Er sagte auch, dass man aus dieser Art Turniere nur Gutes ziehen kann, es ist eine weitere Erfahrung für meine Karriere."

Auf die berühmten Ratschläge von Papa würden viele lieber verzichten. Doch Naby hat größten Respekt vor der Karriere seines Vaters. "Er hat eine große Erfahrung als Spieler, er weiß, wovon er spricht. Das sind Dinge, die er schon erlebt hat, also höre ich zu, denn ich weiß, dass es gute Ratschläge sind", erklärte er.

Zur Erinnerung: bei besagten "Dingen" handelte es sich um den zweimaligen Gewinn des französischen Pokals, 40 Länderspiele für Senegal und rund 175 Tore in der französischen Meisterschaft zwischen 1973 und 1987.

"Ich habe ihm gesagt, dass er immer konzentriert bleiben muss. Es ist eine Weltmeisterschaft, das ist etwas anderes als Freundschaftsspiele. Die Ergebnisse müssen sofort stimmen, und man darf sich keine Fehler erlauben", erklärte der Papa aus Paris. "Er denkt wie ich, dass die ersten Spiele schwerfällig waren. Vielleicht ist die Hitze eine Erklärung dafür, dass wir nicht den Rhythmus der Vorbereitungsspiele fanden", ergänzte der Filius.

Kompromisslos, aber aufrichtig, analysierte "Bouba" auch die Erstrundenspiele seines Sohnes. "Seine Leistungen waren sehr korrekt. Er hat zweifellos noch nicht die Erfahrung eines Samuel Umtiti oder Kurt Zouma, die seit einiger Zeit in der Ligue 1 spielen. Doch er ist mutig, engagiert und weiß seine Chance zu nutzen. Ich wiederhole immer wieder, dass er demütig sein und die Regeln respektieren muss, und ich glaube, dass er das tut", sagte er mit ebenso großem Stolz wie Zurückhaltung.

Sarr ist mit seinen 1,95 Meter und 94 Kilogramm ein Innenverteidiger von imposanter Statur, doch sein Spiel ist elegant, und er liebt die Spieleröffnungen im Stile seines Vorbilds Thiago Silva. Als er jünger war, war seine Größe zweifellos hinderlich, was vielleicht zum Teil erklärt, warum er bei seinem alten Verein Paris Saint-Germain nicht zum Zuge kam. Man spürt eine gewisse Kränkung, doch Boubacar Sarr traf die richtige Entscheidung, als er seinen Sohn 2008 zu Olympique Lyon schickte, als er gerade 15 Jahre alt war.

"Sie waren bereit, geduldig zu sein, und ließen ihn an sich arbeiten. Er hat eine gute Spielübersicht und eine exzellente Technik für diese Position, sein erster Pass ist eine große Stärke. Sein Körpereinsatz muss sich noch verbessern, das ist wahr", analysierte sein Vater.

In Wahrheit war sein Umzug nach Lyon vor allem für seine Mutter und die drei großen Schwestern schwierig. "Ah, das kleine Nesthäkchen, wenn es geht, ist das hart. Ich musste ihnen erklären, dass es eine wirkliche Chance war", erinnerte sich Boubacar Sarr, der Naby sehr früh warnte, dass "es ein sehr schwieriger Beruf ist, der einem viele Opfer abverlangt."

Natürlich gab es "schwierige Momente, doch er hat durchgehalten. Und es macht Freude, zu sehen, wo er jetzt ist. Die ganze Familie ist stolz auf ihn", erzählte der Vater. Tatsächlich hat die Karriere des Sohnes in den letzten sechs Monaten richtig Fahrt aufgenommen: Das erste Spiel und das erste Tor im Europapokal mit Lyon im Dezember 2012, eine erste Nominierung in die Junioren-Nationalmannschaft und in der Folge seine Anwesenheit in der Türkei. Was könnte man mehr verlangen - ein Tor bei der WM?

Boubacar Sarr spielte als offensiver Mittelfeldspieler oder Stürmer und kennt sich damit aus, Tore zu schießen. Es ist indes nicht wirklich eine Spezialität Nabys, doch Ratschläge sind immer willkommen! "Er sagt zu mir, dass ich bei Eckstößen nicht systematisch zum ersten Pfosten gehen, sondern meine Laufwege ändern und mich variabler anbieten soll."

Doch die offensive Inspiration kommt vielleicht noch für Naby - aus den Tiefen seines Gedächtnisses. Es geschah im Jahr 2001, sein Vater war Assistent bei Paris Saint-Germain, und er war acht Jahre alt. "Er nahm mich ins Training mit, es müsste ein Mittwoch gewesen sein. Ronaldinho war gerade nach Paris gekommen und musste wieder in Form gebracht werden. Mein Vater hatte ihm für diesen Nachmittag ein Programm erstellt. Ich habe Zeit mit Ronnie verbracht, wir haben zusammen Ball gespielt. Das hat mich geprägt, ja", sagte er mit einer plötzlich fast kindlichen Stimme. "Er hatte glänzende Augen", bestätigte sein Vater.

Zweifellos wird die gesamte Familie Sarr - Boubacar, seine Frau und seine drei Töchter - glänzende Augen haben, wenn er am 14. Juli den WM-Pokal mit nach Hause bringt.

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