FIFA U-20-Weltmeisterschaft Republik Korea 2017

20. Mai - 11. Juni

FIFA U-20 Weltmeisterschaft 2015

Reid: Die Weltmeisterschaft "hat mein Leben verändert"

© Getty Images

'Botschafter' ist eine Rolle, die Winston Reid wie auf den Leib geschnitten scheint. Schon lange bevor man ihm diese Position für die FIFA U-20-Weltmeisterschaft in Neuseeland offiziell anbot, hatte sich der Stammspieler von West Ham United als vorbildlicher Vertreter sowohl seines Heimatlandes wie auch seiner Sportart erwiesen.

Mit seinen 26 Jahren ist Reid bereits Kapitän der neuseeländischen Nationalmannschaft und hat sich in der englischen Premier League als einer der zuverlässigsten Verteidiger etabliert. Nachdem unter anderem der FC Arsenal und Tottenham Hotspur großes Interesse an seiner Verpflichtung gezeigt hatten, gelang es West Ham United schließlich doch, den Abwehrspieler zu einer Vertragsverlängerung zu bewegen. Die Laufzeit des Vertrages – sechseinhalb Jahre – lässt erkennen, wie sehr Reid im Upton Park geschätzt wird.

"Ich hatte durchaus über einen Wechsel nachgedacht", sagte er, nachdem die Tinte auf dem neuen Vertrag getrocknet war. "Doch ich hatte auch das Gefühl, es sei wichtig, hier zu bleiben und dem Klub zu helfen, sich für die Zukunft zu rüsten."

"Dieses Turnier ist enorm wichtig für das Land"Auch wenn es um sein Heimatland geht, will Reid zur Entwicklung und Stärkung beitragen. Dabei ist ihm durchaus klar, dass Fussball, zumindest was die Zuschauerzahlen angeht, weiterhin abgeschlagen auf dem dritten Platz hinter den traditionellen neuseeländischen Sportarten  Rugby und Cricket liegt. Doch der Star von West Ham sieht die bevorstehende FIFA U-20-Weltmeisterschaft, die heute in zwei Monaten beginnt, als perfektes Instrument, um die jüngsten Fortschritte fortzusetzen und die Entwicklung weiter zu beschleunigen.

"Dieses Turnier ist enorm wichtig für das Land", sagt er. "Die U-20-WM ist eines der führenden Weltturniere. Die führenden Fussballnationen der Welt werden in Neuseeland um die Trophäe kämpfen. Das wird auch für die teilnehmenden Teams eine tolle Sache, denn das Land hat viel zu bieten. Wer Neuseeland besucht, kann eine fantastische Zeit erleben. Es ist unsere Aufgabe, als Gastgeber dafür zu sorgen, dass unsere Gäste am Ende mit unvergesslichen Erinnerungen abreisen. Das Turnier wird ganz bestimmt ein Riesenerfolg und ich hoffe sehr, dass der Funke überspringt. Der Fussball wächst in Neuseeland zwar, doch er ist noch längst nicht die Sportart Nummer eins. Hoffentlich trägt dieses Turnier dazu bei, dem Fussballsport noch mehr Aufmerksamkeit und Anerkennung zu verschaffen."

Reid ist dabei völlig klar, was für Auswirkungen eine Weltmeisterschaft haben kann. Bei der WM 2010 in Südafrika rückte er als noch relativ unbekannter 21-Jähriger plötzlich ins Rampenlicht, als er Neuseeland mit seinem Ausgleichstreffer gegen die Slowakei den ersten WM-Punkt aller Zeiten sicherte. Durch diesen Treffer wurde er zum neuen Nationalheld und begehrten Akteur und konnte nur wenige Monate später seinen Wechsel aus der eher beschaulichen dänischen Liga ins grelle Rampenlicht der englischen Premier League verkünden.

WM in Südafrika? Das Beste, was Reid je passiert ist"Das hat mein Leben verändert", sagt er. "Diese WM war so ziemlich das Beste, das mir je passiert ist. Es geht im Leben darum, seine Chancen zu nutzen, genau wie im Fussball. Wir haben unsere Chance in Südafrika genutzt und unsere Nation stolz gemacht. Die meisten Leute hatten doch erwartet, dass wir ein reiner Punktelieferant sein würden. Und dann blieben wir unbesiegt und haben dem Weltmeister ein Unentschieden abgerungen. Das war einfach fantastisch. Und es hat die Messlatte für die Zukunft höher gelegt."

Es liegt viel Symbolkraft darin, dass die zwei nationalen Botschafter für Neuseeland 2015 Reid und Wynton Rufer sind. Rufer ist Ozeaniens Spieler des Jahrhunderts und steht für die besten Seiten der neuseeländischen Fussballvergangenheit. Reid hingegen ist die Symbolfigur für die Gegenwart und die Zukunft. Und obgleich Rufer das Fussballspielen in der Hauptstadt Wellington erlernte, während Reid seine Ausbildung in Auckland erhielt, teilen beide die große Leidenschaft für ihren geliebten Fussballsport.

Reid erzählt: "Ich erinnere mich noch, wie ich ganz am Anfang einfach mit einem Ball im Hinterhof gekickt habe. Ich habe mit dem Fussball angefangen, als ich vier oder fünf war. Jeden Tag war ich draußen, immer barfuß, im Sommer wie im Winter, und hatte mit meinen Freunden Riesenspaß. Damals fand ich so ziemlich alle Sportarten toll, aber Fussball stand für mich immer an erster Stelle und ich habe mehr dafür als für die anderen Sportarten trainiert. Ich war oft mit meinem Vater draußen und er hat mir gezeigt, wie man den Ball am besten schießt. Ja, Fussball war der Sport, der mir am meisten Spaß gemacht hat."

Die idyllische Kindheit mit viel Fussball schien zu zerplatzen, als Reids Mutter und sein dänischer Stiefvater ihm im Alter von zehn Jahren eröffneten, dass sie nach Dänemark ziehen würden. "Das gefiel mir gar nicht", erinnert er sich. "Aber ich hatte ja keine Wahl. Wenn ich allerdings heute zurückblicke, war das vielleicht das Beste, das mir passieren konnte. Dänemark hat mir die Augen geöffnet. Der Fussball hatte mir ja schon immer Spaß gemacht. Aber in Dänemark ist Fussball eben auch mit Abstand die Sportart Nummer eins, das war der große Unterschied. Ich war neu im Land, wollte Freunde finden – und da war der Fussball natürlich die beste Methode, mich zu integrieren. Als ich 13 oder 14 war, wusste ich genau, dass ich Fussballer werden wollte. Ich spielte zuerst in regionalen Auswahlmannschaften und wurde dann mit 15 von Midtjylland entdeckt und unter Vertrag genommen. Als ich mit 16 in die Nachwuchsakademie des Klubs kam, war ich bereit, mich ganz darauf zu konzentrieren und zu sehen, wie weit ich es bringen würde."

Ziemlich schnell brachte er es bis in die erste Mannschaft von Midtjylland – und dann weiter in die finanzstärkste Liga der Welt und zum Kapitän seiner Nationalmannschaft. In seiner Teenagerzeit allerdings trug Reid, der 2006 die dänische Staatsangehörigkeit erhalten hatte, das rote Trikot seiner neuen Heimat, nicht das weiße seines Geburtslandes. Reid spielte für die dänische U-19- und U-21-Auswahl. Nachdem sich Neuseeland und Dänemark für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Südafrika 2010™ qualifiziert hatten, musste sich der Abwehrspieler allerdings endgültig für ein Land entscheiden.

Einmal "Kiwi", immer "Kiwi""Eigentlich hatte ich mich nicht allzu intensiv mit der Option beschäftigt, für Neuseeland zu spielen. Aber irgendwo in meinem Hinterkopf spukte dieser Gedanke eben doch herum. 2006 hatte ich einen Anruf von [Nationaltrainer] Ricki [Herbert] bekommen, der mich fragte, ob ich dabei sein wolle. Ich fühlte mich noch nicht bereit, eine so wichtige Entscheidung zu treffen, dachte aber bei mir, dass ich diesen Schritt vielleicht später einmal tun würde. Als dann vier Jahre später wieder ein Anruf kam, habe ich mit meinem früheren Jugendtrainer, meiner Familie und auch mit meinen Freunden darüber gesprochen und mich für diesen Schritt entschieden. Schließlich war ich eben doch ein Kiwi, in Neuseeland geboren, und so fiel mir die Entscheidung ziemlich leicht. Ich hätte mich auch anders entscheiden können – aber manchmal muss man eben einfach seinem Bauchgefühl folgen."

Die Fans von Neuseeland dürften sich sehr darüber freuen, dass Reid seinem Instinkt folgte, und auch er selbst bereut diesen Schritt nicht. Er ist nicht nur stolzer Kapitän, sondern auch stolzer Vertreter der Maori und zeigt beispielhaft, was im schönsten aller Spiele alles möglich ist. "Das war einer der wichtigsten Gründe für mich, für Neuseeland zu spielen", sagt er mit Blick auf diese Situation. "Meine Mutter und mein Vater sind Maori und dieses Erbe ist mir wichtig. Ich hoffe sehr, dass sich viel mehr Maori und andere ozeanische Kinder für den Fussball entscheiden, denn die genetischen Voraussetzungen sind ziemlich perfekt. Viele sind groß und kräftig gebaut – das sind gute Voraussetzungen für einen Fussballer. Wenn ich einige dieser Kids für den Fussball motivieren kann, wäre das einfach toll."

Und sollten diese Kids noch mehr Motivation brauchen, so wird die bevorstehende FIFA U-20-WM diese ganz sicher liefern, so Reids Überzeugung. "Jedes Spiel wird seinen ganz eigenen Reiz haben", sagt er. "Jedes Team bringt seine ganz eigene Philosophie und Spielweise ein. Und man weiß ja nie – vielleicht ist das die einzige WM dieser Größenordnung, die wir in Neuseeland je erleben werden. Natürlich hoffe ich, dass es anders kommt, aber die Leute sollten diese Veranstaltung trotzdem so intensiv wie möglich miterleben. Es ist auf jeden Fall eine gute Idee, den ovalen Ball mal ein paar Wochen beiseite zu lassen und sich die Spiele anzusehen."

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