FIFA U-20-Weltmeisterschaft Türkei 2013

FIFA U-20-Weltmeisterschaft Türkei 2013

21 Juni - 13 Juli

FIFA U-20 Weltmeisterschaft 2013

Pogba: "Ich kann es noch besser machen"

Paul Pogba of France wins the adidas Golden Ball award
© Getty Images

Er hatte große Erwartungen geweckt und konnte ihnen gerecht werden. Sein Trainer kritisierte, dass er nicht sein volles Potenzial nutze, und im Finale der FIFA U-20-Weltmeisterschaft lieferte er das perfekte Spiel ab. Paul Pogba gehört nicht zu den Menschen, die untertauchen, wenn der Druck zu groß wird. Im Gegenteil: er motiviert ihn, lässt ihn über sich hinauswachsen und über seine Grenzen gehen. Es bleibt abzuwarten, wo sich diese befinden...

Nach einem vorbildlichen Turnier mit der Kapitänsbinde hat der Mittelfeldspieler Frankreichs und von Juventus Turin im wichtigsten Spiel seiner noch jungen Karriere eine außergewöhnliche Leistung gezeigt. Lauter Gründe, die ihm die Auszeichnung mit dem goldenen Ball von adidas einbrachten.

FIFA.com sprach im Anschluss der Partie mit Pogba, die Trophäe fest unter den Arm geklemmt und mit einem seligen Lächeln auf den Lippen.

Paul, Sie sind Weltmeister. Und das auch noch nach Elfmeterschießen und all den Emotionen, die dies mit sich bringt. Wie fühlen Sie sich nach einer solchen Leistung?
Was soll ich sagen... dafür gibt es keine Worte, das ist nicht zu beschreiben. Es ist großartig, ich weiß gar nicht richtig, was ich sagen soll. Ich bin wirklich glücklich. Wir sind alle glücklich darüber, dass es auf diese Weise endet. Es ist außergewöhnlich.

Man konnte Sie in der Verlängerung und vor dem Elfmeterschießen mit jedem Ihrer Mitspieler reden sehen, mit einem nach dem anderen. Was haben Sie ihnen gesagt?
Ich habe allen gesagt, dass wir es bis ins Finale geschafft haben und dass dies jetzt nicht der Moment wäre, um aufzuhören. Wir haben noch nicht gewonnen, also dürfen wir nicht aufhören. Jetzt ist der Moment, um alles zu geben, jeder für seine Partner. Und es ist gut ausgegangen. Wir hatten alle eine gute Einstellung, und am Ende sind wir Weltmeister.

Haben Sie bei Ihrem Elfmeter mit Ihren kleinen Schritten den Weltrekord des langsamsten Anlaufs brechen wollen?
(lacht) Ach, das! Das ist meine persönliche Art, zu schießen. Ich habe das immer so trainiert. Bisher läuft es gut, ich habe noch keinen Elfmeter verschossen! Es hilft mir sehr. Es ist ein Duell zwischen dem Torhüter und mir. Ich schaue, ich schaue, ich warte... Ich weiß, dass ein Torhüter ungeduldig darauf wartet, sich in eine Ecke zu werfen, und wenn ich sehe, dass er sich zu bewegen beginnt, schieße ich in die andere. Ich habe schon immer so geschossen, sogar bei Juventus im Training benutze ich die gleiche Technik. Der Trainer hat immer Angst, wenn ich die Elfmeter schieße, doch er vertraut mir, denn ich habe noch nie verschossen.

Im Finale haben Sie ein außergewöhnliches Spiel gemacht, in dem Ihnen fast alles gelungen ist. Spürt man das schon bei der ersten Ballberührung, dass man einen großartigen Tag hat?
Ehrlich gesagt, habe ich nicht darüber nachgedacht, und das Wichtigste ist die Mannschaftsleistung. Wir haben alle ein gutes Spiel gemacht und wurden dafür belohnt.

Doch der goldene Ball von adidas wird nicht der ganzen Mannschaft verliehen. Nur Ihnen…Das stimmt! Ich war wirklich bei der Sache, ich war sehr konzentriert. Ein WM-Finale darf man schließlich nicht vermasseln. Vor allem, weil man dies von uns erwartete, und von mir persönlich vielleicht sogar noch mehr. Ich war von Anfang an entschlossen, und das hat man bei meinen ersten Ballkontakten gesehen. Ich wurde dafür mit dem Weltmeistertitel und dieser individuellen Auszeichnung belohnt.

Haben Sie während des Turniers einen besonderen Druck rund um Ihre Person gespürt?
Ehrlich gesagt ja. Selbst bei der Pressekonferenz vor dem Spiel gegen Uruguay sprach ihr Trainer von mir als... (er zögert) – ich würde das Wort "Star" nicht benutzen, doch in jedem Fall habe ich verstanden, dass ich ihr Ziel war. Doch es ist sehr gut gelaufen. Dennoch habe ich auch Fehler gemacht, wie etwa eine missglückte Eröffnung für Lucas Digne. Das Spiel war nicht perfekt, wir können alle noch mehr und es besser machen. Und ich hoffe, das in der Zukunft tun zu können.

Apropos: Im Gespräch mit FIFA.com sagte Ihr Trainer Pierre Mankowski, dass er noch mehr von Ihnen erwarte, dass Sie noch nicht alles eingebracht hätten, was Sie könnten und dass Sie manchmal zu umständlich spielten. Gab es vor dem Spiel ein persönliches Gespräch?Er erinnert mich immer daran! Doch das ist mein Charakter – ich versuche immer, es gut zu machen, es besser zu machen und manchmal mache ich zu viel. Doch das ist etwas, das mir eine Lehre sein wird: Man muss einfach spielen. Das kommt mit der Erfahrung. Je mehr Spiele man absolviert, umso mehr beginnt man, das Spiel zu verstehen und nur die nötigen Dinge zu tun. Daran erkennt man die großen Spieler, wie Xavi, Andrés Iniesta, Abou Diaby oder Yaya Touré. Ich weiß, dass noch viel Arbeit vor mir liegt. Doch im Moment bin ich einfach nur glücklich darüber, den goldenen Ball des Turniers gewonnen zu haben und Weltmeister zu sein.

Sie haben heute unter den Augen eines ehemaligen Spielers gespielt, der wie Sie Weltmeister war und bei Juventus aktiv war. Ein gewisser Didier Deschamps…
(lacht) Daran habe ich gar nicht gedacht! Und dann auch noch auf derselben Position und als Kapitän – das sind viele Gemeinsamkeiten! Das freut mich wirklich. Juve-Spieler und Weltmeister vor seinen Augen, das ist sehr schön. Er hat uns vor dem Spiel im Hotel besucht und einige Worte zu uns gesagt, um uns zu motivieren. Und es hat funktioniert...

Sie stammen aus einer Fussballer-Familie. Ihre beiden älteren Brüder sind ebenfalls Profis, selbst wenn sie momentan nicht ganz so viel Erfolg haben wie Sie. Ist dieser Weltmeistertitel auch für sie, die diesen Traum über Sie leben?
Ich habe mit meinen Brüdern schon telefoniert! Sie freuen sich wirklich sehr für mich, doch sie sind nicht überrascht. Sie haben zu mir gesagt, dass sie wussten, dass ich es schaffen würde, dass sie es an meiner Entschlossenheit gesehen hätten. Ohne sie, ohne meine Familie hätte ich das nie erreicht, und sie wissen das. Deshalb ist dieser Titel auch für sie. Es ist meine Art, mich bei ihnen und allen, die mir nahestehen und mich immer unterstützt haben, zu bedanken. Ohne sie wäre ich nicht hier, würde ich nicht weiterkommen und könnte auf dem Feld nicht derjenige sein, der ich bin. Und ich hätte nie eine Weltmeisterschaft gewinnen können...

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