FIFA U-20-Weltmeisterschaft Kolumbien 2011

FIFA U-20-Weltmeisterschaft Kolumbien 2011

29 Juli - 20 August

FIFA U-20 Weltmeisterschaft 2011

Ortega: Kolumbiens mexikanischer Spion

Michael Ortega of Colombia is tackled by Joel Campbell (#10), Pablo Martinez (#21) and Mynor Escoe (#7) of Costa Rica
© Getty Images

Die Szene in der kolumbianischen Kabine, nur Minuten nach dem dramatischen Sieg gegen Costa Rica, hätte Außenstehende überraschen können. Alle Spieler sangen und tanzten zum Rhythmus von Salsaklängen. Alle außer einem, denn Michael Ortega war in ein ernstes Gespräch mit Eduardo Lara vertieft. Gab es Probleme zwischen dem Mittelfeldspieler und dem Coach? Mitnichten. Der talentierte Kreativspieler der Kolumbianer, gegenwärtig in Mexiko bei Atlas unter Vertrag, nutzte die erste Gelegenheit, um seinem Trainer alles zu erzählen, was er über die mexikanische Auswahl weiß, den nächsten Gegner im Viertelfinale.

"Als feststand, dass wir uns qualifiziert hatten, bin ich sofort zum Trainer gegangen, weil ich ja alle Spieler dort kenne. Ich habe Mannschaftskameraden bei Atlas, die für die mexikanische Auswahl spielen. Andere kenne ich aus den Spielen in der ersten Liga", erzählt Ortega FIFA.com.

"Die Mexikaner laufen viel, geben alles und kämpfen. Sie geben nie ein Spiel verloren und sind sehr offensiv ausgerichtet, weswegen wir ihnen mit Kampfgeist und unserer typischen Spielweise begegnen müssen. Es wird ein schwieriges Spiel werden, auch wenn die Zuschauer hinter uns stehen werden", erzählt die Nummer acht. Ortega weiß in der Tat, wovon er spricht. Er ging aus dem Nachwuchs von Deportivo Cali hervor und debütierte dort bereits mit 16 Jahren. Seit der Saison 2010 steht er bei Atlas de Guadalajara unter Vertrag.

Das Duell am 13. August ist deswegen ein ganz besonderes Spiel für den Kolumbianer, der mit einigen Spieler in der mexikanischen Auswahl befreundet ist. "Mein bester Freund ist César Ibáñez, auch wenn ich mit ihm nicht sprechen wollte, seit ich hier bin. Ich möchte niemandem einen Vorteil verschaffen. Natürlich werden wir auf dem Platz reden, aber ich weiß, zu welcher Mannschaft ich gehöre und kann ihr alle Infos liefern, die sie braucht", bekräftigt er lächelnd.

Die Kunst des TorevorbereitersOrtega ist ein wichtiger Spieler der kolumbianischen Auswahl. Der vergnügte und umtriebige Spieler ist meistens dabei, wenn Mitspielern ein Streich gespielt wird. Außerdem ist er auch so etwas wie der DJ der Mannschaft. "Ich lege stets Salsa auf, um nicht immer die Heavy-Metal-Musik von Pedro (Franco) hören zu müssen", erzählt er uns.

Doch wenn er den Platz betritt, wird er - für alle sichtbar - zu einem Torvorbereiter mit der Präzision eines Chirurgen. "Mir macht es eben so viel Spaß, den entscheidenden Pass zu spielen als ein Tor zu schießen", erklärt er. "Auch wenn sich die Leute an den Torschützen und nicht an den Vorbereiter erinnern. Ich wünsche mir, dass dieser Aspekt mehr gewürdigt wird. Einige tun das nicht, und das ärgert mich schon gelegentlich."

Im bisherigen Turnier hat er bereits vier Treffer seiner Mannschaftskameraden vorbereitet: einmal für José Valencia und drei Mal für Luis Muriel, darunter ein herrlicher Hakentrick zum Auftakt gegen die Franzosen. "Ich möchte ihm helfen, Torschützenkönig zu werden. Er ist mir schon Einiges schuldig", erzählt er mit einem Augenzwinkern. Dann fügt er hinzu: "Das ist eine Mannschaft, eine Familie, und wenn wir gewinnen, sind wir alle glücklich. Deshalb werde ich weiterhin versuchen, so viele Tore wie möglich vorzubereiten."

*Mentale Schnelligkeit *Ganz früher hat Ortega als Angreifer gespielt, bis ihn einer seiner Trainer aufforderte, einige Meter weiter hinten zu stehen. "Er wollte, dass ich mehr Wert darauf lege, das Spiel zu lesen, außerdem war ich etwas langsamer geworden. Zum Glück bin ich hier oben noch schnell, was sehr wichtig ist", bekräftigt er und weist mit dem Zeigefinger auf seinen Kopf.

Wer ihn spielen sieht, wird ihm Recht geben. Kein Wunder, wenn man bedenkt, dass er ein großer Fan von Juan Román Riquelme ist. "Er steht über allen, dank ihm weiß man noch, dass es eine Nummer zehn gibt, dass sie noch nicht verschwunden ist", erklärt er. Und Carlos Valderrama? "Nun, … El Pibe, das ist eine andere Sache, eine ganz andere Liga. Wenn wir von ihm sprechen, dann wie von einem Gott. Er wird immer die Nummer zehn Kolumbiens sein."

Um sich seinen Idolen noch mehr anzunähern, will Ortega versuchen, seinen ersten Turniertreffer zu erzielen. Auch wenn dies gegen Mexiko wäre, das Land, in das er nach Abschluss der FIFA U-20-Weltmeisterschaft zurückkehren wird. "Wenn ich gegen sie treffe, werden sie mich umbringen wollen", ruft er lachend aus. "Aber sie wissen, dass es hier um die Ehre und das Glück des kolumbianischen Volkes geht. Das ist eine Weltmeisterschaft, und sie werden mir verzeihen. Hier wird mit dem Herzen gespielt", überlegt er. Mit dem Herzen… und mit dem Kopf, eine Kombination, die sich bislang als sehr wirkungsvoll im Hinblick auf sein großes Ziel erwiesen hat: "Ich will Weltmeister werden und Geschichte in diesem Trikot schreiben. Ich will, dass das kolumbianische Volk glücklich ist."

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