FIFA U-20-Weltmeisterschaft Kanada 2007

FIFA U-20-Weltmeisterschaft Kanada 2007

30 Juni - 22 Juli

FIFA U-20 Weltmeisterschaft

Martin Fenin: Der Spaßvogel im tschechischen Team

Wenn man nach der Trainingseinheit zwei Tage vor dem ersten WM-Finale der Tschechen gehen kann, dann macht das U-20-Team einen ausgesprochen ruhigen und selbstbewussten Eindruck. Obwohl die Osteuropäer am Sonntag im Finale gegen das mit Stars gespickte Team des fünfmaligen Titelgewinners Argentinien eindeutig als Außenseiter gelten, wirken sie munter und optimistisch.

"Wir machen viele Witze und verulken uns gegenseitig, das ist in unserer Mannschaft ganz normal", meint Stürmerstar Martin Fenin gegenüber FIFA.com nach einer Trainingseinheit, in der er seinen Mannschaftskameraden und dem Trainergespann einen gut vorbereiteten Streich gespielt hat. In einem lockeren Trainingsspiel täuschte der zweimalige Torschütze eine Kollision vor, fiel zu Boden und schien stark aus einer Kopfwunde zu bluten. Nachdem er von den eingeweihten Betreuern "behandelt" worden war, sprang er lachend auf und erntete bei Trainerstab und Mannschaftskameraden schallendes Gelächter.

"Im Training geht es immer hin und her, und wir machen gern unsere Scherze auf Kosten der anderen", so Fenin, der selbsternannte Superspaßvogel des Teams. "Besonders vor einem großen Spiel ist das wichtig. Da ist es gut, wenn alle locker bleiben, und genau das erreicht man damit."

"Ich sah, dass die Spieler bei dem vermeintlichen Zusammenstoß nicht wirklich gegeneinander prallten, also habe ich mir schon gedacht, dass man mir mal wieder einen Streich spielen will", meint Cheftrainer Miroslav Soukup. "Er macht immer solche Sachen... man muss ihn wirklich mit Adleraugen beobachten."

Auch der bei Tottenham unter Vertrag stehende Tomas Pekhart, der einzige Spieler, der nicht in Tschechien spielt, kennt Fenins Kapriolen abseits des Spielfelds nur zu gut. "Vor dem Turnier haben wir gemeinsam beschlossen, uns die Haare abzurasieren, wenn wir das Achtelfinale erreichen", sagt er. "Das war Fenins Idee. Mit ihm haben wir einen richtigen Spaßvogel im Team. Er lässt sich immer solche Scherze wie das falsche Blut heute im Training einfallen. Er wollte damit dem Trainer einen Schreck einjagen. Schließlich ist er ein wichtiger Spieler und Soukup wäre schon sehr entnervt gewesen, wenn er sich wirklich verletzt hätte."

Vor dem für die Tschechen definitiv wichtigsten Spiel aller Zeiten lässt die Mannschaft sich gern von Fenin inspirieren. Die Partie ist eine Neuauflage des Auftaktspiels gegen Argentinien, das ja bekanntlich mit einem 0:0-Unentschieden endete. In der nur 45-minütigen Trainingseinheit sah man keine ernsten Gesichter, und es wurden auch keine Befehle gebrüllt. Die Torhüter spielten sich den Ball per Kopf über ein Tor hinweg zu, die Feldspieler traten in Jonglierwettbewerben gegeneinander an, und alle Beteiligten schienen einfach eine Menge Spaß zu haben.

Laut Fenin ist das Patentrezept für die Gelassenheit der Tschechen eine ganz einfache Sache: mannschaftliche Geschlossenheit.

"Jeder weiß, dass wir nicht gerade viele Stars im Team haben, aber unsere Stärken sind Teamwork und mannschaftliche Geschlossenheit", meint er, "dadurch sind wir vielen anderen Mannschaften überlegen. Unser Teamgeist ist einfach einmalig. Wenn man die einzelnen Spieler betrachtet, sind wir den Argentiniern technisch wohl unterlegen, aber in punkto Mannschaftsgeist haben wir wahrscheinlich die Nase vorn."

Für Fenin und Co. geht es jedoch nicht nur um Ulk und Spaß. Als das Gespräch darauf kam, dass man gegen die hoch favorisierten Argentinier und Sergio Aguero ja eigentliche "nichts zu verlieren habe", wird der Stürmer plötzlich ernst und unterbricht höflich, aber bestimmt. "Da muss man doch sagen, dass wir eine Menge zu verlieren haben, schließlich sind wir bei diesem Finale keine Touristen. Wir haben am Sonntag eine Weltmeisterschaft zu verlieren und werden alles daran setzen, dass das nicht passiert. Argentinien hat das Spiel noch nicht gewonnen."

Und wen würde der tschechische Stürmerstar und Spaßvogel zuerst anrufen, wenn sein Team am Sonntag tatsächlich gewinnen sollte? "Oh, ganz sicher würde ich zuerst meine Mutter anrufen", sagt Fenin. "Ich habe schon eine Weile nicht mehr mit ihr gesprochen und würde gern den Stolz in ihrer Stimme hören."

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