FIFA U-20-Weltmeisterschaft Türkei 2013

FIFA U-20-Weltmeisterschaft Türkei 2013

21 Juni - 13 Juli

FIFA U-20 Weltmeisterschaft 2013

Jugoslawiens Triumphzug bei der FIFA U-20-WM 1987

Yugoslavia celebrate winning the FIFA World Youth Championship 1987
© FIFA.com

Es war im Oktober 1987. Zico hatte gerade Bebeto, seinem Teamkameraden bei Flamengo, eine Karriere als einer der größten Spieler in der Geschichte des brasilianischen Fussballs vorausgesagt. Enzo Francescoli hatte Uruguay zum zweiten Titel in Folge bei der Copa América verholfen. Diego Maradona war gerade dabei, mit seinem Fussballzauber dem SSC Neapel seinen ersten italienischen Meistertitel zu bescheren*. *Und Marco van Basten war gerade von Ajax Amsterdam zum AC Mailand gewechselt, um fortan in Italien mit seinen tödlichen Torschüssen Angst und Schrecken zu verbreiten.

Dies waren nur vier der Rohdiamanten, die bei früheren FIFA U-20-Weltmeisterschaften entdeckt worden waren und sich zu einigen der besten Spieler der Welt entwickelt hatten. Als in jenem Oktober die sechste Auflage des Wettkampfes in Chile ausgetragen wurde, war die Aufmerksamkeit der Fans in aller Welt entsprechend groß. Jeder wollte einen ersten Blick auf die zukünftigen Superstars werfen. Überall in den Medien war vom unerhörten Potenzial eines Bismarck, Matthias Sammer und Andreas Möller zu hören. Dies waren die jeweiligen Zehner Brasiliens, der DDR und der BRD. Beim vorherigen Turnier hatte der Bulgare Emil Kostadinov seine Spielkunst aufblitzen lassen.

Die Jugoslawen erwähnte niemand im selben Atemzug wie die zuvor genannten Talente – bis zum Anpfiff der ersten Partie. Gleich im Eröffnungsspiel des Turniers begeisterte Jugoslawien die Zuschauer mit einem 4:2-Sieg über den Gastgeber. Danach fegte das Team in Blau Australien und Togo mit jeweils 4:0 und 4:1 vom Platz. Am Ende der Gruppenphase gingen auf Davor Sukers Konto fünf Tore, während Predrag Mijatovic und Zvonimir Boban je zwei Treffer verbuchen durften. Robert Prosinecki hatte indes die Fans mit seiner Technik verzaubert: Er streichelte den Ball mit der Fußsohle und tunnelte die Gegner. Zudem zeigte er eine fast übersinnliche Spielübersicht sowie eine tödliche Passgenauigkeit.

Keine Probleme in der K.o.-Runde
Im Viertelfinale der FIFA U-20-Weltmeisterschaft lagen die Jugoslawen anfangs noch gegen die Brasilianer hinten, die damals ihren dritten Titel in Folge anstrebten. Dann nahm Prosinecki kurz vor dem Schlusspfiff bei einem exzellenten Freistoß Maß – und schenkte den Jugoslawen den unerwarteten und doch verdienten Sieg. Der Treffer wurde später als schönstes Tor des Turniers ausgezeichnet. Der elegante Verteidiger Igor Stimac brachte sein Team später im Halbfinale gegen die DDR in Führung. Nach dem Ausgleich durch Sammer besiegelte Suker mit seinem Treffer für die Jugoslawen einen weiteren 2:1-Sieg seines Teams. Dieser war allerdings teuer erkauft: Prosinecki und Mijatovic holten sich dabei jeweils die Gelbe und Rote Karte ab und waren damit fürs Endspiel gesperrt.

Wie schon bei der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 1962™ war das Estadio Nacional in Santiago Austragungsort eines Aufeinandertreffens zwischen einem Giganten des Weltfussballs und einem absoluten Außenseiter. Doch dieses Mal, am 25. Oktober 1987, triumphierte vor 65.000 Zuschauern David über Goliath – anders als noch beim vorherigen Finale zwischen der Tschechoslowakei und Brasilien.

In dieser Partie bestimmten die Jugoslawen das Spielgeschehen. Trotz des Drucks, den die Mannschaft gegen ihre berühmten Widersacher aufbaute, dauerte es allerdings bis zur 85. Minute, bis Boban den deutschen Abwehrriegel zum ersten Mal durchbrach. Viele andere Teams hätten zu diesem Zeitpunkt das Handtuch geworfen. Nicht aber die westdeutsche Elf, die schon so oft in der Geschichte eine aussichtslose Situation noch gedreht hatte. Die DFB-Auswahl erarbeitete sich kurz darauf einen Elfmeter, den Marcel Witeczek verwandelte. Das Spiel ging in die Verlängerung. Da hier kein weiteres Tor fiel, wurde zum ersten Mal in der FIFA-Geschichte ein Titel durch Elfmeterschießen entschieden.

Erster Streich gegen Deutschland sollte nicht der letzte bleiben
Witeczek trat voller Selbstvertrauen zu seinem zweiten Elfmeter an, den er aber diesmal völlig verzog. Das westdeutsche Team verschoss danach zwar keinen weiteren Strafstoß mehr. Doch konnten Dubravko Pavlicic, Branko Brnovic, Suker, Ranko Zirojevic und Boban alle fünf jugoslawischen Elfmeter verwerten, um allen Erwartungen zum Trotz Weltmeister zu werden.

Dieser Erfolg war so unerwartet, dass nur ein einziger jugoslawischer Journalist anwesend war, um darüber zu berichten. Dieser war in letzter Minute nach Chile geschickt worden, und auch nur, um über die vielen Jugoslawen zu berichten, die in Santiago lebten!

Der Reporter hieß Toma Mihajlovic. Er erklärte später: "Jeder war eigentlich davon ausgegangen, dass wir unsere drei Spiele absolvieren und dann wieder nach Hause fahren würden. Ich war eigentlich mit Berichten über die jugoslawische Bevölkerung in Chile beauftragt. Doch dann schlugen wir den Gastgeber und gewannen entgegen aller Prognosen Spiel um Spiel – und das auch noch mit schönem Fussball. Eigentlich hatte ich gehofft, mir ein wenig das Land anschauen zu können. Am Ende aber war ich rund um die Uhr im Arbeitseinsatz! Es war einfach verrückt!"

Das war allerdings nicht der letzte Streich von Robert Jarni, Boban, Suker und vor allem Prosinecki. Alle vier tauchten erneut in der kroatischen Mannschaft auf, die Deutschland im Viertelfinale der WM in Frankreich 1998 mit einem 3:0 in die Schockstarre versetzte. Danach schlugen sie noch die Niederlande und landeten am Ende auf Platz drei.

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