FIFA U-20-Weltmeisterschaft Polen 2019

23 Mai - 15 Juni

FIFA U-20 WM 2019

Helm: 5.500 Spiele und noch immer nicht müde

  • John Helm erlebte den Durchbruch von Stars wie Saviola, Messi und Pogba bei FIFA U-20-Weltmeisterschaften
  • Der legendäre englische Journalist hat von mehr als 5.500 Spielen berichtet
  • Er erläutert, warum er bei einer Reportage niemals das Wort 'Tragödie' benutzt

Der Fussballkommentator John Helm hat bei seiner Arbeit unzählige Tore, Siege und Niederlagen und überaus viel Dramatik miterlebt – und eine Tragödie, die ihn bis heute verfolgt. Nach mehr als 5.500 Spielen sprach der Kommentator mit FIFA.com über die FIFA U-20-Weltmeisterschaft 2019 in Polen und seine eigene Karriere.

"Im September sind es 60 Jahre, dass ich vom Fussball berichte. 1959 habe ich als Sportjournalist angefangen", so Helm gegenüber FIFA.com. "Und mein Enthusiasmus ist immer noch der gleiche wie zu Beginn. Wenn ich meinen ersten Arbeitstag mit heute vergleiche, ist das Gefühl der Zufriedenheit immer noch das gleiche", so Helm, der von zehn WM-Endrunden und zahllosen internationalen Turnieren berichtet hat, darunter auch viele und Frauen- und Nachwuchsturniere.

ZAHLEN UND FAKTEN ZU JOHN HELM

  • Geburtsdatum und -ort: 8. Juli 1942, Yorkshire, England
  • Sportjournalist seit 1959
  • Berichtete von zehn WM-Endrunden
  • Langjährige Karriere bei der BBC
  • Für die FIFA bei vielen großen Turnieren im Einsatz
  • Kommentiert bei FIFA U-20-Weltmeisterschaften seit 2001

"Ich freue mich sehr, dass ich die Möglichkeit habe, auch wieder von Polen 2019 zu berichten. Das fussballerische Niveau ist sehr hoch. Wir haben mehr starke Mannschaftsleistungen gesehen und nicht so viele individuell herausragende Akteure – einmal abgesehen von den neun Toren des Norwegers Haland gegen Honduras. Und es gab auch bereits mehrere Überraschungen. Das starke argentinische Team ist schon ausgeschieden und Frankreich ebenso. Mali und Senegal haben viel Potenzial gezeigt, das gilt auch für Neuseeland. Das ist durchaus wie ein frischer Wind, der durchs Turnier weht. Denn von Mannschaften wie Neuseeland hat man so etwas eher nicht erwartet. Ich habe viele, viele Erinnerungen an FIFA U-20-Weltmeisterschaften.

Erstmals habe ich 2001 von diesem Turnier berichtet. Damals in Argentinien stürmte ein gewisser Javier Saviola ins Rampenlicht und stellte einen Torrekord auf. Ich habe auch den Durchbruch von Lionel Messi bei der Turnierauflage 2005 in den Niederlanden erlebt, ebenso wie den Pogbas 2013."

Helm hat bei unzähligen Turnieren gearbeitet, nicht nur bei Nachwuchsturnieren. "Ich habe in meiner Karriere insgesamt von mehr als 5.500 Partien berichtet. Welche die beste war? Ich würde zwei Spiele nennen. Das eine war Brasilien gegen Italien bei der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 1982™. Was für ein Spiel! Rossi schaffte in diesem Spiel einen Hattrick und sorgte damit für den 3:2-Sieg Italiens.

An das andere Spiel erinnerte sich wahrscheinlich niemand, aber ich werde es niemals vergessen. Es war bei der FIFA U-17-Weltmeisterschaft 2003 in Finnland. Portugal spielte im letzten Gruppenspiel gegen Kamerun und benötigte nur ein Unentschieden zum Weiterkommen. Zwischenzeitlich lagen die Portugiesen mit 5:0 in Führung. Doch der Vorsprung schmolz immer weiter zusammen und in der Nachspielzeit gelang Kamerun tatsächlich noch der Ausgleich zum 5:5. Wäre nicht der Schlusspfiff gekommen, hätten die Kameruner sicher noch ein sechstes Tor geschafft. Ich übertreibe nicht! So etwas habe ich nie wieder erlebt."

In seinen langen Berufsjahren hat der Kommentator zahllose denkwürdige Ereignisse erlebt. Einige davon trieben ihm allerdings die Tränen in die Augen. 1985 kommentierte Helm ein Spiel von Bradford City, ein Klub, der ihm besonders am Herzen liegt, da er selbst aus dieser Gegend stammt. Während des Spiels brach ein Feuer aus und 56 Menschen verloren ihr Leben.

"Ich kannte viele der Opfer persönlich. Das war ein überaus traumatisches Erlebnis für mich. Selbst heute packt mich das Grauen, wenn ich davon spreche. Daher bezeichne ich in meinen Reportagen niemals einen Fehler des Torhüters oder eines Verteidigers oder auch einen verschossenen Elfmeter als Tragödie. Es ist eine Tragödie, wenn jemand sein Leben verliert und das habe ich mit eigenen Augen gesehen. Eine misslungene Aktion in einem Spiel ist keine Tragödie. Man muss die richtige Perspektive wahren. Ich würde auch niemals sagen, dass ein Team "brandheiß" ist, denn was damals in Bradford geschah, verfolgt mich bis heute", so der legendäre Kommentator.

John reist seit Jahrzehnten rund um die Welt und ist eigentlich nur selten zu Hause. Doch dies war nie ein Problem, da auch seine Frau beruflich stark eingebunden ist. Sie arbeitet für eine Wohltätigkeitsorganisation in Gambia. So konnte John die Leidenschaft für seine Arbeit und sein Familienleben immer unter einen Hut bringen.

© Getty Images

Auf die abschließende Frage nach dem besten Spieler, den er je gesagt hatte, gibt er eine etwas überraschende Antwort: "Ich gebe meist die gleiche Antwort auf diese Frage, und selbst Sir Alex Ferguson pflichtet mir bei. Der Waliser John Charles war einer der besten Spieler seiner Zeit, als er nach Italien wechselte. Die damalige Ablöse für seinen Wechsel zu Juventus Turin betrug GBP 65.000. Das war 1957 ein absoluter Rekordtransfer. Was für ein fantastischer Spieler er war! Leider konnte er beim Spiel zwischen Wales und Brasilien bei der FIFA Fussball-WM 1958 wegen einer Verletzung nicht mitspielen. Selbst Pelé sagte, wenn Charles gespielt hätte, dann wäre Wales Weltmeister geworden! Ich habe den Durchbruch zahlreicher späterer Superstars erlebt. Diego Maradona muss in jedem Fall genannt werden, ebenso wie Lionel Messi."

Der 76-jährige Helm wird auch vom Finale der FIFA U-20-WM 2019 in Lodz berichten und ist dabei immer noch voller Enthusiasmus und Leidenschaft. Und wahrscheinlich wird er dabei einige Mal den Namen eines künftigen Stars erwähnen, so wie es in der Vergangenheit bei zahlreichen Gelegenheiten bereits der Fall war.

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