FIFA U-20-Weltmeisterschaft Kolumbien 2011

FIFA U-20-Weltmeisterschaft Kolumbien 2011

29 Juli - 20 August

FIFA U-20 Weltmeisterschaft 2011

Grenier, Geheimwaffe der Bleus

France's Clement Grenier (L) and Ecuador's Fernando Gaibor (R)
© AFP

Der bescheidene und zurückhaltende Clément Grenier wäre um ein Haar auf der Bank der französischen U‑20‑Auswahl versauert. Der Spieler, der in den ersten drei Begegnungen der Franzosen lediglich als Ersatzspieler vorgesehen war, musste die bittere 1:4-Niederlage gegen Kolumbien sowie die Siege gegen Korea Republik (3:1) und Mali (2:0) zum großen Teil von der Bank aus verfolgen.

In den beiden siegreichen Partien hat der französische Nachwuchs die Entscheidung jeweils erst in der Schlussphase herbeigeführt – genauer gesagt, nachdem der offensive Mittelfeldspieler eingewechselt wurde. Hinzu kommt, dass bei der klaren Niederlage zum Auftakt die Franzosen dem munteren Torschießen erst nach dem vierten Gegentreffer Einhalt gebieten konnten – just zu dem Zeitpunkt, als Grenier das Feld betrat. Dass all dies Zufall ist, mag man kaum glauben…

Grenier kann auf dem Platz sowohl in die Rolle des Antreibers schlüpfen als auch dem Spiel die nötige Ruhe verleihen. Wichtiger noch: Er weiß die nötigen Impulse zu setzen. Es sind dies die Gründe, die Trainer Francis Smerecki dazu bewogen haben, Grenier in der Achtelfinalbegegnung gegen Ecuador von Beginn an spielen zu lassen. "Ich wusste, dass ich erst mal Ersatz sein würde, habe aber während der Vorbereitung sehr hart gearbeitet und mich auch hier reingekniet, um einen Platz in der Startformation zu ergattern", so Grenier gegenüber FIFA.com, nachdem Frankreich den Achtelfinaleinzug perfekt gemacht hatte. "Mein Ziel ist es aber nicht, gerade so in die Mannschaft zu rutschen, sondern auch drin zu bleiben, gute Spiele als Stammkraft zu zeigen und der Mannschaft so gut ich kann zu helfen."

Spielen ist wichtiger als Tore erzielen
In dieser Hinsicht hat der Spieler aus Lyon sein Wort gehalten. Er hat eine erstaunliche Laufleistung an den Tag gelegt, in der Abwehr ausgeholfen, im Mittelfeld Bälle erobert, das Spiel auf die Außenbahnen verlagert, den Angreifern präzise Pässe zugespielt und bei einigen Gelegenheiten auch mal selbst auf das gegnerische Gehäuse geschossen. "Ich versuche immer, noch besser zu werden und noch mehr auf dem Platz zu machen", bestätigt er. "Wenn ich den entscheidenden Pass spielen oder hinten aushelfen kann, ist das umso schöner. Ich muss nicht unbedingt ein Tor erzielen. Ich bin schließlich kein richtiger Angreifer. Ich schätze es vielmehr, meine Mitspieler in Position zu bringen, Bälle zu erobern und diese so gut es geht weiterzuleiten." Dann fügt er hinzu: "Ich habe nur noch nicht getroffen. Das ist das einzige, was mir noch fehlt. Mir hat das nötige Glück oder die Gelassenheit vor dem Tor gefehlt. Ich hoffe aber, dass es im nächsten Spiel soweit ist."

Der nächste Gegner der Franzosen ist Nigeria, das bislang alle vier WM-Begegnungen gewinnen konnte, darunter das Achtelfinale gegen England. "Es ist eine robuste Mannschaft, die sowohl physisch als auch technisch stark ist", urteilt der offensive Mittelfeldakteur, der ein großer Fan von Barcelonas Xavi, Andrés Iniesta und Sergi Busquets ist und zugibt, von der Leistung Bastian Schweinsteigers im Testspiel am vergangenen Mittwoch gegen Brasilien beeindruckt gewesen zu sein. "Nigeria hat gerade England aus dem Turnier geworfen, das nicht gerade ein Fussballzwerg ist. Wir wissen also, dass es nicht einfach werden wird. Für den Gegner aber auch nicht unbedingt…"

Das Positive sehen
Das junge französische Talent hat allen Grund zuversichtlich zu sein, schließlich schaffte er den Sprung von der Bank auf eine wichtige Position im Mittelfeld und spielt in einer Mannschaft, die nach dem verpatzten Turnierbeginn gegen Kolumbien wieder in die Spur zurückgefunden hat. "Man kann dieser Niederlage vielleicht auch etwas Positives abgewinnen", so Grenier, der bereits zwölf Mal für die erste Mannschaft von Olympique Lyon aufgelaufen ist. "Wir hatten schon seit Langem nicht mehr verloren, und diese Niederlage hat uns gezeigt, dass die geringste Nachlässigkeit die Bemühungen der letzten zwei Jahre zunichte machen kann. Wir haben daraufhin noch härter an uns gearbeitet, sind gestärkt aus der Sache hervorgegangen und haben drei Spiele in Folge gewonnen. Wir haben das Vertrauen zurückgewonnen und das hat uns vielleicht unsere Stärke zurückgegeben. Es ist besser, wenn so etwas zu Beginn des Turniers passiert und nicht in der jetzigen Phase!"

Fast unbemerkt haben sich die Franzosen ins Viertelfinale gespielt und haben nun die historische Chance auf den ersten Halbfinaleinzug. "Jetzt, wo es so richtig rund läuft, wollen wir unsere Reise noch fortsetzen", kündigt die französische Mittelfeldhoffnung an. "Es sind noch drei Spiele und wir können Großes leisten, wenn wir an unserem Ideal festhalten, gemeinsam für das gleiche Ziel zu kämpfen.

Wenn ich auf die Bank zurück muss, ist das nicht schlimm. Ich wäre jederzeit bereit, alles zu geben, um der Mannschaft zu helfen."

Von der Bank aus wird Grenier seine Qualitäten indes kaum ausspielen können. Francis Smerecki weiß aber nur zu genau, dass man eine siegreiche Mannschaft nicht verändert. Und wenn Grenier auf dem Platz steht, verliert seine Mannschaft nicht…

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