FIFA U-20-Weltmeisterschaft Kolumbien 2011

FIFA U-20-Weltmeisterschaft Kolumbien 2011

29 Juli - 20 August

FIFA U-20 Weltmeisterschaft 2011

Franzose "Kolo" ist nicht zu stoppen

 Kalidou Koulibaly (R) and Timothee Kolodziejcak (C) of France run for the ball with Yun Il Lok of Korea Rupublic
© Getty Images

"Kolo? Wer ist das?", werden sich die meisten unserer User fragen. Timothée Kolodziejczak, so der vollständige und nicht ganz leicht auszusprechende Name des Nachwuchsspielers, wird Ihnen sicher nicht viel sagen. Doch es geht hier um eines der größten Talente im französischen Fussball.

Er ist weder Torjäger noch offensiver Mittelfeldspieler, sondern auf der linken Außenbahn zu Hause. Früher hätte man ihn als linken Außenverteidiger bezeichnet, Doch im modernen Fussball gehen die Außenverteidiger häufig auch mit nach vorn, um die Offensive ihrer Mannschaft zu unterstützen. Für diese Aufgabe ist ein lauffreudiger und schier unermüdlicher Spieler natürlich am besten geeignet.

Fehlstart und WiedergutmachungIn der Partie gegen die Republik Korea war "Kolo" übrigens einer der auffälligsten Akteure im französischen U-20-Team. Im Vergleich zu seinem ersten Auftritt im Spiel gegen Kolumbien, in dem von ihm wie auch von der gesamten Mannschaft kaum etwas zu sehen war, bot "Kolo" dabei eine Glanzvorstellung.

"Wir haben uns von den Kolumbianern von der ersten bis zur letzten Minute in die Zange nehmen lassen. Derart eiskalt erwischt zu werden, tut schon ein bisschen weh. Aber wir haben uns zusammengerauft und uns ganz einfach gesagt, dass es besser sei, eine solche Niederlage lieber jetzt als im Achtel- bzw. Viertelfinale oder auch im letzten Gruppenspiel zu kassieren. Also haben wir uns wieder aufgerafft und uns fest vorgenommen, gegen die Republik Korea umso stärker zu zurückzukommen", so "Kolo" im Gespräch mit FIFA.com.

Eine deutliche SteigerungIm Spiel gegen die Südkoreaner ergriff er dann auch sofort die Initiative. Gleich in der ersten Spielminute flankte er den Ball gefühlvoll in die Mitte auf Cédric Bakambu, der beinahe per Kopf getroffen hätte. "Im Vergleich zum Auftaktspiel habe ich mich deutlich steigern können, gar keine Frage. Sowohl in physischer wie auch in taktischer Hinsicht habe ich viel besser gespielt", so sein eher bescheidener Kommentar dazu.

Denn der persönliche Anteil des Nachwuchstalents von Olympique Lyon war in dieser Partie weitaus größer. Schließlich war er es, der das Leder im gegnerischen Strafraum per Kopf an Gilles Sunu weiterleitete, der daraufhin den Führungstreffer für Frankreich erzielte. "Bei Eckbällen gehe ich nicht immer mit nach vorn, sondern wechsele mich mit Koulibaly ab. In diesem Fall war ich an der Reihe. Man hatte mir gesagt, dass ich mich zunächst am Elfmeterpunkt positionieren und von dort auf den langen Pfosten zubewegen solle, denn dort sollte der Ball hinkommen. Das habe ich dann auch getan. Plötzlich bekam ich den Ball und habe ihn sofort weitergeleitet. Und Gilles Sunu hat das Ganze dann perfekt abgeschlossen", so "Kolo", dessen Vater aus Polen stammt, während seine Mutter aus Martinique nach Frankreich kam.

Frankreich 1998 als Wendepunkt
"Kolo" - so der Spitzname, den ihm seine französischen Freunde verpassten, hatte sich zunächst der Leichtathletik verschrieben. Für den Fussball interessierte er sich damals kaum. Die entscheidende Wende brachte der Sommer 1998. Als er sieben Jahre alt war, gewannen die Bleus vor heimischem Publikum bei der WM-Endrunde im eigenen Land ihren ersten Titel. Unmittelbar nach jenem 12. Juli meldeten ihn seine Eltern im Fussball-Klub an. Von da an ging seine sportliche Entwicklung in eine neue Richtung.

Bliebe noch anzumerken, dass ihm die Leichtathletik zu einer enormen Ausdauer und einer beachtlichen Grundschnelligkeit verholfen hat. Sein Abwehrkollege und Mannschaftskamerad in der französischen U-20-Auswahl und bei Olympique Lyon, Sébastien Faure, schrieb neulich auf Francefootball.fr, dass Timothée "gern weite Wege geht und auf dem Platz ständig unterwegs ist. Häufig wird er bereits als der Junge mit den vier Lungen bezeichnet, weil man ihn permanent laufen sieht!"

"Ich könnte stundenlang rennen"Als wir ihm von der Meinung seines Mitspielers erzählt hatten, brach Tim in schallendes Gelächter aus. "Ist das wahr, hat er das wirklich gesagt? Doch es stimmt schon, diese Eigenschaft wurde mir faktisch mit in die Wiege gelegt. Ich muss mich nicht einmal besonders anstrengen. Das ist gewissermaßen eine natürliche Begabung. Ich könnte stundenlang rennen! Es ist mein größter Trumpf, daher profitiere ich so viel wie möglich davon." Als außenstehender spürt man förmlich, wie gut die beiden Spieler miteinander harmonieren. "Mit Sébastien verstehe ich mich sehr gut, denn wir kennen uns schon lange. Das ist ein großer Vorteil. Der Grund hierfür liegt auf der Hand, zumal wir uns gegenseitig immer die Meinung sagen, selbst dann, wenn es um unangenehme Dinge geht."

Dem U-20-Team der Bleus gehören sieben Spieler von Olympique Lyon an, wobei nur zwei von ihnen zur Stammformation zählen. Trotzdem verkörpert der Lyoner Block in den Augen von Kolo für das Nationalteam einen nicht zu unterschätzenden Faktor. "Es ist eine Tatsache, dass dadurch Automatismen entstehen. Clément Grenier, Enzo Reale und Alexandre Lacazette spielen bereits seit mehr als zwölf Jahren zusammen, sie kennen sich also bestens. Allein das gemeinsame Training mit ihnen ist für uns alle ein Pluspunkt."

Mannschaftliche Geschlossenheit
Über den Zusammenhalt unter den Akteuren von Olympique Lyon hinaus wurde in den ersten beiden Gruppenspielen auch die Solidarität innerhalb des französischen Teams deutlich. Genau die wird auch in der Partie gegen Mali gefragt sein, wie uns Timothée versicherte. "Von Berechnung und auf Unentschieden spielen kann keine Rede sein, denn wir wollen die sechs Punkte haben, um sicher die nächste Runde zu erreichen. Dennoch werden wir vorsichtig sein, denn Mali ist trotz der beiden Niederlagen eine gute Mannschaft, die Kolumbien eine Stunde lang Paroli geboten und sich etliche Torchancen erarbeitet hat."

Das erklärte Ziel der jungen Franzosen ist das Erreichen des Halbfinales. Doch so weit möchte der frühere Verteidiger des RC Lens noch gar nicht denken. Für ihn steht erst einmal das abschließende Gruppenspiel gegen Mali an. Und das wird sicher kein Spaziergang. "Für uns Abwehrspieler wird es ein hartes Stück Arbeit, den die Afrikaner bevorzugen lange Bälle. Außerdem sind sie physisch sehr stark. Demnach müssen wir von Beginn an die Kontrolle übernehmen und den Ball möglichst lange in den eigenen Reihen halten, damit sie den Bällen hinterherlaufen müssen." Und was das Laufen angeht, weiß der "Mann mit den vier Lungen" wohl besser als jeder andere, wovon er spricht.

Mehr zu diesem Thema erfahren

Empfohlene Artikel

FIFA U-20-WM: Frankreich - Republik Korea

FIFA U-20 Weltmeisterschaft 2011

FIFA U-20-WM: Frankreich - Republik Korea

03 Aug 2011

FIFA U-20-WM: Kolumbien - Frankreich

FIFA U-20 Weltmeisterschaft 2011

FIFA U-20-WM: Kolumbien - Frankreich

31 Jul 2011

Luis Muriel of Colombia celebrates scoring his side's second goal

FIFA U-20 Weltmeisterschaft 2011

Kolumbien gegen Frankreich nicht zu bremsen

31 Jul 2011

The official Matchball is seen before the FIFA U-20 World Cup 2011 group E match between Austria and Panama

FIFA U-20 Weltmeisterschaft 2011

Von der Gruppenphase in die K.o.-Runde

04 Aug 2011

Mario Rui of Portugal battles with Franck Ohandza of Cameroon

FIFA U-20 Weltmeisterschaft 2011

Ohandza: Ein Thai unter den Löwen

05 Aug 2011

Jose Valencia of Colombia celebrates scoring

FIFA U-20 Weltmeisterschaft 2011

Valencia: Auf den Spuren des Vaters

04 Aug 2011

FIFA U-20 Weltmeisterschaft 2011

Die vielen Gesichter von Kapitän Polenta

04 Aug 2011

Argentina?s goalkeeper Esteban Andrada stops the ball against Brazil

FIFA U-20 Weltmeisterschaft 2011

Andrada: "Garantie für Zuverlässigkeit"

03 Aug 2011

Philippe Coutinho (front) of Brazil celebrates his team's second goal against Austria

FIFA U-20 Weltmeisterschaft 2011

Coutinho sinnt auf große Revanche

03 Aug 2011