FIFA U-20-Weltmeisterschaft Kolumbien 2011

FIFA U-20-Weltmeisterschaft Kolumbien 2011

29 Juli - 20 August

FIFA U-20 Weltmeisterschaft 2011

Fofana gibt die Marschroute vor

Gueida Fofana (C) of France celebrates scoring his sides second goal with teammate Francis Coquelin
© Getty Images

"Enorm, enorm, enorm!" So beschrieb der französische Trainer Francis Smerecki die Bedeutung der Rolle von Gueida Fofana beim Sieg über Nigeria im Viertelfinale der FIFA U-20-WM 2011 in Kolumbien. "Gueida ist sehr wichtig. Im umkämpftesten Abschnitt der Partie wusste er, ein Zeichen zu setzen, zu motivieren und die Moral seiner Mitspieler zu stärken. Er ist ein echter Führungsspieler", fuhr Smerecki fort.

Neben seiner guten Darbietung im defensiven Mittelfeld erhielt der Mann mit der Rückennummer acht gerade aufgrund seiner außerordentlichen Qualitäten als Kapitän einer Mannschaft zusätzliches Lob, die sich vom schweren Rückschlag in der 93. Minute nicht hatte erschüttern lassen. Da hatten die Afrikaner noch den Ausgleich erzielen können und die Verlängerung erzwungen. Fofana redete zunächst auf seine Mannschaftskameraden ein und ging dann selbst mit gutem Beispiel voran. Gegen Nigerias Torhüter Dami Paul offenbarte er technische Raffinesse und überwand ihn mit einem gefühlvollen Abschluss aus der Distanz.

"Nicht meine oberste Priorität"Ein Tor, das nicht nur Frankreich in Front brachte, sondern darüber hinaus den Nigerianern ein für alle Mal den Wind aus den Segeln nahm. "Ich hatte kaum genügend Zeit, um zu schauen, wo der Torwart steht. Ich sah, dass er recht weit herausgekommen war und habe einen Heber riskiert. Und es hat geklappt", erinnert sich Fofana gegenüber FIFA.com.

Die Selbstverständlichkeit, mit der er sein Tor beschreibt, lässt vermuten, dass der Kapitän es gewohnt sei, Tore zu erzielen. Doch weit gefehlt. Die Bestätigung hierfür kam noch während des Interviews, als einige seiner Teamkollegen auf dem Weg zum Mannschaftsbus ihm "Torjäger" zuriefen, was den Mittelfeldspieler etwas in Verlegenheit brachte. "Das ist nicht ganz so. Natürlich bin ich sehr glücklich, aber das ist nicht meine oberste Priorität. Ich bin froh, denn das Tor war wichtig für unser Weiterkommen. Was unter dem Strich zählt, ist dass wir gewonnen haben."

Den Weg weisenWie Smerecki bereits gesagt hatte, fühlt sich Fofana in der Rolle des Leitwolfs des Teams überaus wohl. Genau dort, im Mittelfeld, mit der Kapitänsbinde am Arm, setzt er sich gegen seine Gegner durch, leitet er Angriffe ein, beobachtet, lenkt. "Es ist eine Rolle, die mir liegt, denn sie ist Teil meiner Persönlichkeit. Ich bin schon seit meiner Kindheit so. Ich mag es, zu führen, zu ermutigen und Ratschläge zu erteilen. Genau das habe ich versucht, als die Nigerianer kurz vor Schluss den Ausgleich gemacht haben."

Ein Anführer auf dem Platz, aber ein besonnener Beobachter abseits des Spielfelds. Mit diesen Tugenden war es nicht überraschend, dass sich der 20-Jährige in allen Juniorenteams der Franzosen etabliert hat, seitdem er 15 war, und auf dem langen Weg vom U-19-EM-Titel bis hin zum Halbfinale in Kolumbien zu einer Art rechtem Arm des Trainers wurde. Dieser Triumphzug erlitt zwar durch die Auftaktschlappe gegen die Gastgeber einen Dämpfer, doch dieser erwies sich im Nachhinein als eine Art Neubeginn für eine Mannschaft, die nun vom Titel träumt.

Mit großer Charakterstärke"Es ist schön zu sehen, dass wir uns nach diesem misslungenen Start gesteigert haben. Es war ein Schuss vor den Bug. Er hat uns aufgeweckt und uns dazu gebracht, zu zeigen, dass mehr in uns steckt als das, was wir in diesem Spiel geboten haben", so Fofana. "Wir haben einen starken Teamgeist, spielen sehr kompakt und wollen noch mehr erreichen. Wir haben noch Steigerungspotenzial und ich weiß, dass wir diese Weltmeisterschaft mit dem Titel krönen können."

Mit derselben Kaltschnäuzigkeit und eben jenem Charakter, mit der er die Situationen im Spiel analysiert, geht der Mittelfeldmann auch seine persönlichen Entscheidungen an. Wie etwa jene, bei Le Havre in der zweiten französischen Liga zu verweilen, obwohl er eingehend von Klubs wie Aston Villa und sogar Real Madrid beobachtet wird. "Ich glaube, für einen Wechsel wäre es noch zu früh. Es ist meine Heimatstadt. Ich bin dort aufgewachsen, habe dort meine Familie, und vor kurzem habe ich geheiratet. Ich bin dort sehr glücklich", erklärt er. "Das zahlt sich auch in meiner Karriere aus. Ich habe bereits mit 18 Jahren eine komplette Zweitligasaison durchgespielt und habe eine gute Formkurve. Sollte ich demnächst wechseln, dann bin ich mir sicher, dass all diese Erfahrungen mir dabei helfen werden, ein noch höheres Niveau zu erreichen.

"Es wäre ein wichtiger Titel"Auch am Mittwoch will er auf höchstem technischen und mentalen Niveau spielen, wenn Frankreich in Medellín auf Portugal trifft. "Es wird ein sehr schweres Spiel werden. Die Portugiesen haben Argentinien besiegt, noch kein Gegentor zugelassen und verfügen über eine äußerst solide Abwehr", betont er. Doch ein Sieg würde nicht nur das Weiterkommen bedeuten. Es wäre für Fofana und seine Teamkollegen viel mehr als das. "Wir wollen beweisen, dass wir eine der besten Generationen weltweit sind, und dass die A-Nationalmannschaft in Zukunft auf uns zählen kann. Es wäre ein wichtiger Titel für unser Land."

Auch wenn der Pokal noch weit entfernt ist, so können die Franzosen bereits jetzt einen Gewinn verzeichnen - nämlich, dass diese Generation bei ihrem Anführer auf dem Platz in guten Händen ist. Und Smerecki weiß dies am besten. "Der Weg war lang, doch wir werden weiter arbeiten, denn wir wollen noch mehr. Aber eines muss klargestellt werden: Ohne einen Spieler wie Fofana wären wir nicht bis hierher gekommen."

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