FIFA U-20-Weltmeisterschaft Kolumbien 2011

FIFA U-20-Weltmeisterschaft Kolumbien 2011

29 Juli - 20 August

FIFA U-20 Weltmeisterschaft 2011

Ein Rekordhalter und seine weiße Weste

Goalkeeper Mika of Portugal shouts
© Getty Images

Ein Held. Auch wenn er fast schon eine Aversion gegen das Wort hat. Im Viertelfinale der FIFA U-20-WM 2011 gegen Argentinien war Mika ein Held.

Portugals Keeper hielt zwei Elfmeter und sicherte seinem Team damit das Weiterkommen bei der Endrunde in Kolumbien. In der Runde der letzten Vier gegen Frankreich war seine Leistung zwar weniger spielentscheidend, aber genauso prägend. An dem Tag, an dem sein Team eine 20-jährige Durststrecke beenden konnte und wieder in ein WM-Finale in dieser Altersklasse einzog, tat auch der portugiesische Schlussmann einen großen Schritt und schrieb sich als Rekordhalter in die Geschichte ein.

Wir haben Träume, und wir werden es uns bewusst machen, dass es möglich ist, das Finale zu gewinnen. Auch wenn unser Gegner über eine hohe Qualität verfügt.

Auch der exakte Augenblick, in dem er diese Ehre erreichte, war bemerkenswert. Nach einem feinen Freistoß von Clement Grenier flog Mika, streckte sich so weit er nur konnte und klärte zur Ecke. Zu diesem Zeitpunkt waren 13 Minuten gespielt. Exakt die Zeit, die er noch benötigt hatte, um die Bestmarke des Chilenen Cristopher Toselli von 2007 zu überbieten und auf 493 Minuten ohne Gegentreffer bei der WM zu kommen. Am Ende des Spiels, das 2:0 ausging, hatte er gar unglaubliche 570 Minuten erreicht und regiert fortan allein unter den Keepern seiner Alterskategorie.

Im Mittelpunkt zu stehen ist der zurückhaltende Torhüter von Benfica Lissabon nicht gewohnt. Auch während des Gesprächs mit FIFA.comam Ausgang des Anastasio-Girardot-Stadions in Medellin bleibt er äußerst besonnen. Erst als das Gespräch auf den so besonderen Abend kommt, den er gerade erlebt hatte, kann er ein Lächeln nicht verbergen. "Ja, das war etwas Historisches. Es war eines meiner persönlichen Ziele", erläutert er. "Ohne Gegentor ins Finale einzuziehen hat eine große Bedeutung. Es gibt mir noch mehr Selbstvertrauen. Ich hoffe, dass ich das fortsetzen kann."

"Ich habe meine Chance genutzt"Wer sich an den Anblick von Mikas großartigen Paraden gewöhnt hat, der in Kolumbien bereits sechs verschiedenen Sturmreihen trotzte, dem mag es seltsam anmuten, zu erfahren, dass er noch vor einem Jahr in den Plänen von Trainer Ilidio Vale keine Rolle spielte. Doch in der Tat erhielt der Torhüter erst Ende 2010 nach der U-19-Europameisterschaft die ersten Gelegenheiten, sich auszuzeichnen. Nach soliden Leistungen im Training und bei Testspielen erhielt er schließlich das Trikot mit der Nummer eins und stellte sich seiner ersten großen Bewährungsprobe beim Nachwuchsturnier in Toulon im Juni. Dort ließ er in drei Partien nur zwei Gegentreffer zu.

"Das Vertrauen, das der Trainer in mich gesetzt hat, war sehr wichtig. Ich bin erst seit kurzem die Nummer eins. Er hat mich aufgestellt, ich habe meine Chance genutzt, und ich glaube, dass ich meine Sache gut mache. Ich versuche immer, mein Bestes für die Mannschaft zu geben", merkt er an. Und eben weil er erst seit relativ kurzer Zeit dabei ist, zieht Mika es vor, seine persönlichen Erfolge mit einem Team zu teilen, das schon seit längerer Zeit zusammen spielt. Auf diese Weise kann sich Mika bei seinen Mannschaftskollegen bedanken - und zugleich natürlich das Rampenlicht vermeiden.

"Wir haben unsere Sache sowohl im Angriff wie auch in der Abwehr gut gemacht. Wir waren in allen Mannschaftsteilen effizient. Das war grundlegend dafür, dass wir keine Gegentreffer kassiert haben. Ich bin sehr glücklich, dass ich den Rekord gebrochen habe, aber er ist das Verdienst der gesamten Mannschaft", hebt er hervor. "Wenn wir eine gute Defensive haben, dann weil wir einen starken Teamgeist haben. Wir sind Freunde abseits des Platzes, und das spiegelt sich im Spiel wider. Jeder ist für den anderen da."

Der große TraumAufgrund seiner schweizerischen Herkunft - in dem Land wurde er geboren und hat dort bis zum Alter von acht Jahren gelebt - legt er eine kühle Präzision an den Tag, wenn es um die Definition von Zielen geht. Er sagt nicht zuviel und zeigt auch seine Emotionen nicht. Aber natürlich erwägt er die Möglichkeit, am kommenden Samstag gegen Brasilien den dritten WM-Titel für Portugal zu erringen und in die Fußstapfen jener goldenen Generation zu treten, die vor 20 Jahren mit Luís Figo, Rui Costa und João Pinto die Trophäe im eigenen Land gegen denselben Gegner gewann.

"Wir haben Träume, und wir werden es uns bewusst machen, dass es möglich ist, das Finale zu gewinnen. Auch wenn unser Gegner über eine hohe Qualität verfügt", sagt er. "Bisher haben wir nicht vom Titel gesprochen. Aber natürlich sind wir sehr stolz, bis hierher gekommen zu sein. Wir werden bescheiden und ruhig weiter arbeiten, um, wenn möglich, auch diesen letzten Schritt zu gehen."

Und auch wenn er sich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen möchte, so ist sich der Schlussmann der Selecção das Quinas durchaus der Bedeutung bewusst, die die Vorstellung der Mannschaft in Kolumbien für ihr Land haben kann. "Ein Titel wäre überaus wichtig für unser Volk und für den portugiesischen Fussball. Er würde unserer Generation und den zukünftigen mehr Aufmerksamkeit und Wertschätzung verleihen", ist er sicher. "Wir haben sehr viel Talent, und wir müssen es vielleicht nur einen Tick besser nutzen." Als Held und Rekordhalter möchte Mika noch weiter gehen und endgültig in die Geschichtsbücher einer Nation eingehen, die geduldig auf ihre Rückkehr an die Weltspitze wartet.

Mehr zu diesem Thema erfahren

Empfohlene Artikel

Mika (Portugal)

FIFA U-20 Weltmeisterschaft 2011

Mika (Portugal)

18 Aug 2011

Players of Portugal celebrate

FIFA U-20 Weltmeisterschaft 2011

Portugal zieht ins Finale ein

18 Aug 2011

Danilo (R) of Portugal is challenged by Gerson Lima of Guatemala

FIFA U-20 Weltmeisterschaft 2011

Danilo: Wachhund vor der Abwehr

12 Aug 2011

FIFA U-20 Weltmeisterschaft 2011

Portugals Hoffnungen ruhen auf Oliveira

01 Aug 2011