FIFA U-20-Weltmeisterschaft Kanada 2007

FIFA U-20-Weltmeisterschaft Kanada 2007

30 Juni - 22 Juli

FIFA U-20 Weltmeisterschaft

Die Trainer haben das "Finale" Wort

Wenige Stunden vor dem großen Finale zwischen der Tschechischen Republik und Argentinien haben sich Miroslav Soukup und Hugo Tocalli Zeit genommen, um über die bevorstehende Entscheidung im Titelkampf in Toronto zu sprechen. Exklusiv auf FIFA.com sprechen sie darüber, was der Schlüssel zum Spiel sein wird, wie die Voraussetzungen sind wie sie im Falle des Sieges feiern werden.

Beide Mannschaften sind sich bereits in ihrem Auftaktmatch in der Gruppe E begegnet. Was hat sich seitdem geändert?

Miroslav Soukup: Für uns war das erste Spiel ganz wichtig. Argentinien ist mehrfacher Weltmeister, und wir wussten, dass ein guter Start ins Turnier uns den Weg ebnen könnte, beispielsweise ins Finale. Für uns war das Unentschieden zum Auftakt ein goldener Punkt und vielleicht wird ja auch das letzte Spiel gegen Argentinien vergoldet.

Hugo Tocalli: Es hat sich ein ebenso wichtiger wie simpler Umstand geändert: seit diesem Unentschieden haben wir fünf Matches mehr gespielt. Daher kann ich sicherlich sagen, dass wir endgültig im Wettbewerb drin sind, und beide Trainerstäbe werden erfolgreich viele Details korrigiert haben, an denen noch gefeilt werden musste.

*Welches sind Ihrer Meinung nach die Stärken und Schwächen der Tschechischen Republik? * MS: Wenn das Team gut funktioniert, dann reißt es auch jeden einzelnen Spieler mit. Andersherum geht es nicht. Der Ball heißt "Teamgeist" - und genau das ist auch unser Motto.

HT: Ich sehe keine wirklichen Schwächen. Es ist eine sehr kompakt spielende Mannschaft, die sehr konterstark ist und in der viele Spieler Tore schießen können. Sie sind sehr stark in der Verteidigung. Wenn sie den Ball verlieren, formieren sie sich schnell und bilden eine dicht gestaffelte Einheit. Es ist wahr, dass sie nicht sehr viele Tore geschossen haben, aber sie sind dennoch eine sehr gefährliche Mannschaft.

*Und welches sind die Stärken und Schwächen Argentiniens? * MS: Argentinien ist einfach ein Top-Team. Sie haben herausragende Einzelspieler und einen viel größeren Kader als wir. Bei uns spielen 30 Spieler, davon sind 21 hier in Kanada. Argentinien hat 20 Mal mehr gute Spieler. Selbst das Reserveteam von Argentinien ist eine super Mannschaft. Argentinien ist eines der besten Teams der Welt, und sie sind der große Favorit. Wir müssen kämpfen wie schon im ersten Spiel. Wenn wir ein bisschen Glück haben und Argentinien einen schwachen Tag, dann haben wir eine Chance.

HT: Zweifellos ist es eine technisch sehr starke Mannschaft, die gut mit dem Ball umgehen kann und jederzeit torgefährlich ist. Mir hat die Leistung in den letzten drei Spielen sehr gefallen, die Mannschaft hat gut gespielt, stand dicht gestaffelt und hat die richtigen Entscheidungen getroffen. Wir hoffen diese Leistung am Sonntag wiederholen zu können.

*Was bedeutet es für Sie in diesem Finale zu stehen? * MS: Für mich persönlich ist es das größte, in einem Finale einer Weltmeisterschaft zu stehen. Als ich 18 Jahre alt war, war ich ein großer Fan von Mario Kempes und wollte gegen Argentinien spielen. Jetzt stehe ich im Finale gegen Argentinien - das ist ein Wahnsinn.

HT: Das Finale eines Turniers zu erreichen ist für jeden Trainer etwas sehr Schönes. Es ist eine enorme Befriedigung, denn es ist der Höhepunkt einer zwei Jahre dauernden Arbeit mit denselben Spielern. Ich hatte das Glück, dies bereits vier Mal an der Seite von José (Pekerman) zu erleben. Ich erlebe es auf dieselbe Art und Weise, denn ich hatte damals letztlich die gleichen Aufgaben wie jetzt, mit dem Unterschied, dass damals er mit den Journalisten sprach.

*Wo liegt der Schlüssel für das Spiel am Sonntag? * MS: Der Schlüssel liegt irgendwo hier auf dem Platz (zeigt auf das Spielfeld im Stadion von Toronto). Den müssen wir finden. Jetzt steht es 0:0, und wenn es auch nach 90 Minuten noch 0:0 steht, dann haben wir vielleicht eine Chance im Elfmeterschießen.

HT: Zweifellos wird der Schlüssel zum Sieg darin liegen, das Spiel zu öffnen. Wenn es Argentinien gelingt, ein Tor zu schießen, müssen sie etwas aus ihrer Verteidigung herauskommen und mehr aufmachen. Wenn das eintrifft, wird das ausschlaggebend für die spätere Entwicklung sein.

*Kann die mangelnde Erfahrung Ausschlag gebend sein? * MS: Argentinien ist ganz klar der Favorit. Unser Vorteil ist, dass wir schon eine Medaille sicher haben, nämlich die Silbermedaille. Die kann uns keiner mehr nehmen. Jetzt stehen wir im Finale und können im Prinzip befreit aufspielen.

HT: Wenn ich ehrlich bin, ich glaube nicht. Wir stehen im Finale einer Weltmeisterschaft, die Erfahrung wird nicht so wichtig sein. Es wird die Mannschaft gewinnen, die selbstbewusster auftritt und härter arbeitet. Ich persönlich denke, dass es wichtig sein wird, nicht ungeduldig zu werden, wenn wir kein Tor schießen. Das Tor kommt irgendwann von alleine, als Folge des guten Spiels der Mannschaft, und nicht umgekehrt.

*Tschechien hat zweimal im Elfmeterschießen gestanden und gewonnen. Argentinien musste noch nicht in die Verlängerung bei dieser WM. Ist das eher Vorteil oder Nachteil? * MS: Jedes Spiel, das in die Verlängerung geht, kostet viel Kraft. Wir haben also mehr Kraft aufgebracht als Argentinien, da wir zwei Mal 30 Minuten länger spielten. Aber für ein Elfmeterschießen ist es sicher ein mentaler Vorteil, denn meine Spieler wissen bereits, wie es in entscheidenden Momenten ist, Elfmeter zu schießen.

HT: Ich denke nicht, dass wir irgendeinen Vorteil haben, und zwar aus mehreren Gründen: Erstens aufgrund ihrer Spielweise, die Tschechen verausgaben sich physisch nicht so sehr. Außerdem muss man sehen, dass sie inzwischen sicher gut regeneriert haben. In einem Weltmeisterschaftsfinale gibt es keine Müdigkeit, die Spieler werden sie erst danach spüren. Während des Spiels wird das keinen Unterschied machen.

*Was machen Sie am Sonntag spontan, wenn sie das Spiel gewinnen? * MS: Das kann ich noch nicht sagen. Wir müssen erstmal nach Hause kommen und dann in Ruhe darüber nachdenken, was in Kanada alles passiert ist. Man begreift das eh erst nach 4-5 Jahren.

HT: Als erstes werde ich mit meiner Familie sprechen. Der zweite, den ich anrufen werde, ist zweifellos José (Pekerman). Er hat mit all dem hier sehr viel zu tun.

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