FIFA U-20-Weltmeisterschaft Polen 2019

FIFA U-20-Weltmeisterschaft Polen 2019

23 Mai - 15 Juni

FIFA U-20-Weltmeisterschaft

Die Geburtsstunde der Goldenen Generation

  • Heute vor 31 Jahren gewann zum ersten Mal eine portugiesische Auswahl den Weltmeister-Titel
  • In Saudiarabien reckte Mannschaftskapitän Tozé die U-20-Trophäe in die Höhe
  • "Das war wirklich ein goldenes Zeitalter"

Rund 30 Jahre später gibt es nur wenige Portugiesen, die sich nicht an jenen 3. März 1989 erinnern, und das hat seinen Grund. Die von Carlos Queiroz trainierte U-20-Auswahl holte nämlich in Riad den ersten Weltmeister-Titel für das Land, und als Kapitän Tozé den Pokal in die Höhe reckte, war dies nicht nur der Abschluss eines denkwürdigen Turniers in Saudiarabien. Es war der Beginn einer neuen Ära des portugiesischen Fussballs.

Portugals U-20-Auswahl war ohne viel Brimborium zur FIFA U-20-Weltmeisterschaft 1989 aufgebrochen, die Rückkehr des Teams war allerdings umso spektakulärer. Portugal war nach einer beachtlichen Turnierleistung zum ersten Mal Weltmeister und hatte auf dem Weg zum Titelgewinn große Favoriten hinter sich gelassen, unter anderem Nigeria gleich zwei Mal (einmal davon im Finale) und Brasilien im Halbfinale. Dabei mussten die Portugiesen in sechs Spielen lediglich drei Gegentreffer hinnehmen.

Eine neue Identität

Trainer Queiroz gilt nicht umsonst als Vater der "Goldenen Generation" des portugiesischen Fussballs, der unter anderem Stars wie João Vieira Pinto, Paulo Sousa, Rui Costa und Luís Figo angehörten. Schließlich war es der aktuelle Nationaltrainer Kolumbiens, der die beiden Weltmeister-Titel mit der U-20-Auswahl holte.

"Das war wirklich ein goldenes Zeitalter. Da wurde etwas aufgebaut, das den größten Nachhall später hatte, als die meisten dieser Spieler sich im internationalen Fussball durchsetzen konnten", meint der Trainer rückblickend im Interview mit FIFA.com.

"Durch die Arbeit, die der portugiesische Fussballverband in dieser Zeit geleistet hat, wurde eine Teamkultur für die portugiesische Nationalmannschaft geschaffen, die absolut prägend war. Diese Identität ist noch heute in der A-Nationalmannschaft und den anderen Altersklassen spürbar", hebt Queiroz außerdem hervor. Und wenn auch nicht alle Spieler, die in Riad die Trophäe holten, später zu großen Stars des Weltfussballs avancierten, so trugen doch alle ihren Namen mit goldenen Lettern ins Geschichtsbuch des Fussballs ein.

"Komisches, aber gutes Gefühl…"

Das war beispielsweise bei Tozé der Fall. Der Kapitän der Weltmeister-Auswahl von 1989 spielt noch immer Fussball, und zwar bei Al-Nasr Sports Club in der ersten Liga der Vereinigten Arabischen Emirate. Aber wenn er es im Laufe seiner Karriere auch nicht zu Weltruhm gebracht hat, gibt es doch etwas, das ihm niemand mehr nehmen kann.

"Das ist ein Erfolg für die Ewigkeit. Es ist noch immer schwer zu beschreiben, was wir damals gefühlt haben. Ich erinnere mich noch daran, als sei es heute gewesen. Ich glaube für die Spieler, die es wie ich im Fussball nie bis ganz nach oben geschafft haben, ist diese Errungenschaft sogar noch wichtiger. Wir werden durch einen Weltmeister-Titel immer in Erinnerung bleiben", so der Mittelfeldspieler, dem die Ehre zuteil wurde, den Pokal aus den Händen des saudischen Königs entgegenzunehmen.

"Ehrlich gesagt erinnere ich mich nicht daran, was ich in diesem Augenblick gefühlt habe. Ich wusste, dass ich etwas ganz Besonderes erreicht hatte, einen Erfolg, den nicht jeder erreichen kann. Wir waren nicht daran gewöhnt, zu siegen. Es war ein komisches Gefühl, aber ein sehr gutes", meint Tozé.

Aber es gab auch spannende Geschichten abseits des Spielfelds bei diesem WM-Abenteuer der Portugiesen in Saudiarabien, von denen eine die einzige Niederlage der Portugiesen im Turnier nach sich zog: ein 0:3 im letzten Gruppenspiel gegen den Gastgeber Saudiarabien.

Der "andere" Portugiese"

"Wir hatten vor diesem Spiel nur einen Tag Pause gehabt. Als wir aufwachten, sahen wir eine Wolke in der Luft. Das war ein Sandsturm, und ich glaube, der hat uns auf dem Spielfeld etwas die Sicht genommen. So lässt sich diese Niederlage gut rechtfertigen", meint der Mittelfeldspieler lächelnd. Anschließend fällt ihm noch jemand ein, der bei dieser Geschichte eine Nebenrolle spielte, und doch nie vergessen werden wird.

"Unser Betreuer vor Ort war einzigartig. Er hat uns an einem freien Tag bei einem Problem mit der Polizei geholfen, als wir vor einem religiösen Monument Fotos machten und nicht wussten, dass das verboten war. Außerdem hat er uns bis Turnierende begleitet", berichtet er.

"Als ich dann mit der Trophäe in der Hand von der Tribüne hinunter aufs Spielfeld kam, war er da und feierte mit uns, als sei er selbst Portugiese. Er lief mit uns die Ehrenrunde im Stadion, hob den Pokal in die Höhe und zog sogar sein Trikot aus. Und das kam nicht von Ungefähr. Er gehörte einfach zu unserem Team. Er war einer von uns", so Tozé abschließend.

Wo dieser Betreuer der portugiesischen Auswahl in Saudiarabien heute auch immer sein mag, er gehört sicherlich auch zu denen, die den 3. März 1989 nie vergessen werden. Gemeinsam mit allen Portugiesen erlebte er die Geburtsstunde einer "Goldenen Generation".

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