FIFA U-20-Weltmeisterschaft Polen 2019

23 Mai - 15 Juni

FIFA U-20 WM 2019

Podolski: "Dieses Turnier kann ein Sprungbrett für spätere Erfolge sein"

© Getty Images
  • Lukas Podolski sprach im Vorfeld der FIFA U-20-WM 2019 in Polen exklusiv mit FIFA.com
  • Der in Polen geborene Weltmeister sieht das Turnier als eine große Chance
  • "Es kann ein Sprungbrett für eine erfolgreiche Karriere sein"

Lukas Podolski hat eine bemerkenswerte Karriere hinter sich, seitdem er bei der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Deutschland 2006™ als einer der Youngsters in der DFB-Auswahl glänzte. Damals landete das Team von Jürgen Klinsmann auf Platz drei. Zum Abschluss des Sommermärchens gab es eine denkwürdige Jubelfeier in der Hauptstadt.

Podolski spielte für Spitzenklubs wie Bayern München, den FC Arsenal, Inter Mailand und Galatasaray Istanbul. Der heute 33-Jährige bestritt 130 Länderspiele für Deutschland und erzielte 49 Tore. 2014 krönte er seine erfolgreiche Karriere mit dem Titelgewinn bei der FIFA Fussball-WM in Brasilien. Jetzt lebt Podolski in Japan und spielt für den Klub Vissel Kobe. Mit FIFA.com sprach er über das Leben in Japan und die bevorstehende FIFA U-20-Weltmeisterschaft in seinem Geburtsland Polen.

Heute wurde das Emblem der FIFA U-20-Weltmeisterschaft enthüllt. Es sind nur noch fünf Monate bis zum Beginn des Turniers. Sie haben zwar für die DFB-Auswahl gespielt, mit der Sie 2014 Weltmeister geworden sind, aber Sie haben auch noch eine sehr enge Bindung an Polen. Was also können die Fans im kommenden Jahr dort erwarten?
Zunächst einmal ist das natürlich eine großartige Gelegenheit für Polen und den polnischen Fussballverband, der Welt die vielen positiven Aspekte Polens zu zeigen. Das Land hat sich enorm entwickelt. Es gibt neue Autobahnen und neue Stadien. Und auch das polnische Essen ist sehr gut. Wenn Sie mich fragen, welches Gericht ich empfehle, könnte ich gar kein einzelnes auswählen, weil ich sie alle mag, ganz besonders natürlich, wenn meine Mutter sie zubereitet (lächelt). Wir haben viele Jahre in Deutschland gelebt, aber ich wurde in Polen geboren und natürlich kennen wir in meiner Familie viele polnische Rezepte.

Zudem wird es für Polen eine gute Gelegenheit, bei den Stars von morgen eine gute Erinnerung hervorzurufen. Es ist durchaus möglich, dass einige der Spieler bei dem Turnier eines Tages für Klubs wie Real Madrid, Barcelona oder Bayern München spielen. Und wenn sie an Polen zurückdenken, werden sie sich sagen: 'Ah, Polen, dort hat für mich alles begonnen.' Ein solches Turnier ist eine großartige Gelegenheit für das Gastgeberland und die Spieler. Daraus kann sich beispielsweise im Tourismus viel entwickeln. Fans, Spieler… wenn es ihnen in Polen gefällt, kommen sie vielleicht eines Tages wieder oder sie erzählen es weiter: 'Hör mal, Polen ist wirklich eine Reise wert.' Das hat unzählige Vorteile.

Wie kann das Turnier zur Entwicklung des Landes beitragen, im Allgemeinen und im Fussball?
Wie bereits gesagt, wenn Polen bei den Teilnehmern und Besuchern einen guten Eindruck hinterlässt, kann sich dies beispielsweise im Tourismus auszahlen. Und natürlich bedeutet es auch für die polnische Mannschaft die Chance auf ein unvergessliches Abenteuer. Bei solchen Turnieren wimmelt es immer von Talentspähern. Wenn man gut spielt, wird man sofort entdeckt. Neben der Freude und dem Stolz, für sein Land zu spielen, kann man sich so quasi die Eintrittskarte zum Spitzenfussball verdienen, denn die großen Klubs haben solche Turniere immer ganz genau im Blick und beobachten alles.

Wie wichtig sind solche Nachwuchsturniere für die Karriere?
Jede WM, ganz gleich ob im Nachwuchs- oder Erwachsenenbereich, bedeutet für die Spieler eine herausragende Gelegenheit, sich mit den besten Gegnern der Welt zu messen. Diese Erfahrung kann man nicht kaufen. Man muss das alles selbst erleben und oft bedeutet es einen enormen Karriereschub.

Sie selbst haben nicht bei einer Nachwuchs-WM gespielt. Haben Sie das Gefühl, etwas verpasst zu haben?
Das kommt darauf an. Wenn ich in meiner späteren Karriere nicht so viele Erfolge gefeiert hätte, würde ich wohl sagen, dass ich etwas verpasst hätte. Aber ich wurde schon als Teenager ins kalte Wasser des Spitzenfussballs geworfen und bin nicht untergegangen (lächelt). Mein erstes großes Turnier war die EURO 2004 in Portugal. Ich war damals gerade 19 Jahre alt. Zwei Jahre später kam dann die WM in Deutschland, bei der ich zum besten jungen Spieler gewählt wurde.

Der absolute Höhepunkt meiner Karriere war natürlich der Titelgewinn bei der WM 2014 in Brasilien. Es gibt für einen Fussballspieler keinen schöneren Moment, als diese Trophäe berühren zu dürfen. Alle vier Jahre haben Hunderte Spieler diesen Traum, doch nur 23 Glückliche können diesen Pokal am Ende berühren. Die Anzahl der Weltmeister in der gesamten Fussballgeschichte ist nicht besonders groß, wenn man sie mit all den unzähligen Spielern vergleicht, die von diesem Ziel geträumt haben… Ich war einer der Glücklichen und wünsche den Teilnehmern 2019 in Polen das Gleiche. Dieses Turnier kann ein Sprungbrett für spätere Erfolge sein. Ich hoffe, dass einige der Teilnehmer das Tor zur WM der Senioren aufstoßen – das ist das größte Turnier für Fussballer.

Wie läuft es aktuell in Ihrer Karriere? Wie gefällt Ihnen das Leben in Japan?
Ich fühle mich hier sehr wohl. Ich lebe zum ersten Mal außerhalb Europas. Aber andererseits ist das auch nicht alles ganz und gar neu für mich, denn ich bin ja – insbesondere mit der deutschen Nationalmannschaft – sehr viel gereist und habe viel von der Welt gesehen. Irgendwann werde ich mich hinsetzen und zu mir selbst sagen: 'Du hattest ein gutes Leben, denn du hattest das große Glück, viele verschiedene Kulturen kennen zu lernen.' Neben Deutschland und Polen auch England, Italien, die Türkei, Japan – und wer weiß, was die Zukunft noch für mich bereit hält? Ich denke, dass Reisen und das Erleben verschiedener Länder eine echte kulturelle Bereicherung bedeuten.

Was ist in Japan anders und was aus Europa vermissen Sie?
Selbst die Länder in Europa sind ja schon recht unterschiedlich, beispielsweise Polen und Deutschland. Andererseits liegt Japan ja nun auch nicht auf einem anderen Planeten. Es ist also nicht alles wirklich völlig anders. Im Allgemeinen sind die Menschen hier sehr höflich und freundlich, alles ist gut organisiert und man erlebt keine negativen Überraschungen. Man kann hier sehr unbesorgt leben. Ehrlich gesagt vermisse ich gar nicht allzu viel aus Europa. Ich lebe hier mit meiner Familie und nicht mitten im Nirgendwo. Kobe ist eine schöne Stadt mit 1,5 Millionen Einwohnern. Alles funktioniert sehr gut. Ich kann mich über nichts beschweren.

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