FIFA U-20-Weltmeisterschaft Türkei 2013

FIFA U-20-Weltmeisterschaft Türkei 2013

21 Juni - 13 Juli

FIFA U-20 Weltmeisterschaft 2013

Das perfekte Drehbuch für "Kurt"

Kurt Zouma (R) of France celebrates with his team mates after scoring
© Getty Images

Von Hamit Altintop, dessen Familienname auf Türkisch "goldener Ball" bedeutet, über George Best, einen der besten Fussballer aller Zeiten, bis hin zu Lionel Messi, der beim FC Barcelona nicht selten als Erlöser fungiert, hält die Welt des Fussballs jede Menge Namen bereit, die für eine große Karriere prädestiniert zu sein scheinen. Der von Kurt Zouma gehört nicht zu dieser Kategorie, zumindest auf den ersten Blick.

Nachdem der französische Verteidiger von AS Saint-Etienne jedoch das Geheimnis um seinen Vornamen gelüftet hatte, verkehrte sich dieser Eindruck eher ins Gegenteil. Die Herkunft seines weder in Frankreich noch in Zentralafrika, wo seine Eltern ihre Wurzeln haben, geläufigen Vornamens erklärte er so: "Das ist tatsächlich eine lustige Geschichte", gestand er unter schallendem Gelächter.

"Das Ganze hat mit einem Film mit Jean-Claude Van Damme zu tun! Im Vorspann hatten meine Eltern den Namen 'Kurt' gesehen. Das war die Figur, die Van Damme verkörperte. In dem Film spielt er einen starken und kräftigen Mann, der zu allen freundlich und zuvorkommend ist. Und meine Eltern dachten sich, dass ich auch einmal stark und kräftig werden und für alle Mitmenschen stets ein Lächeln übrig haben würde, wenn sie mir genau diesen Vornamen geben. Und das hat offenbar geklappt!"

Auch dieser Name wäre in der Tat prädestiniert gewesen, wenn der besagte Film nicht den Titel Kickboxer gehabt und Zouma sich nicht für eine etwas weniger brutale Sportart entschieden hätte. Dennoch könnte er schon bald eine weitere Gemeinsamkeit mit dem belgischen Schauspieler entdecken, der in seinen Filmen regelmäßig als Champion von Kampfsportarten in Erscheinung tritt.

Wenige Stunden vor dem Finale der FIFA U-20-WM 2013 gegen Uruguay ist der inzwischen tatsächlich sehr kräftige und stets lächelnde Franzose nämlich guter Hoffnung, bei dem Turnier in der Türkei ein Happy End zu erleben und am Ende eines Films, für den er in Gedanken bereits das Drehbuch geschrieben hat, Weltmeister zu werden. "0:0, sehr spannendes Spiel, Eckball in der 92. Minute", lautet der Beginn seines Drehbuchs. "Ich steige hoch und versenke den Ball per Kopf in den Winkel. Unmittelbar danach ertönt der Schlusspfiff des Schiedsrichters und alle Spieler sinken zu Boden…"

"Doppelschlag" der SpanierDoch bevor das Grand Tournoi (Großes Turnier), so der Titel eines weiteren Erfolgsstreifens des belgischen Schauspielers, seinen krönenden Abschluss finden könnte, mussten die Bleuets erst ein paar Schläge einstecken. "In der ersten Runde waren wir ziemlich von der Rolle", erinnerte sich der Abwehrrecke, dessen 1,90 Meter Körpergröße sich proportional zu seiner ebenso großen Lebensfreude verhalten, die sich in einem ständigen sanften Lächeln ausdrückt.

"Dies führte dazu, dass sich gemischte Gefühle bei uns breit machten. Denn obwohl die Stimmung innerhalb der Mannschaft gut war, haben wir nicht gut gespielt. Es ging einfach nicht voran. Doch unser Trainer sagte, dass das bei einer Weltmeisterschaft häufig der Fall sei und gerade die Teams, die schlecht in das Turnier gestartet sind, sich meistens von Spiel zu Spiel steigern können."

Sinnbild für den Fehlstart in dieses Turnier war vor allem die 1:2-Niederlage gegen eine spanische "B-Elf", die den Franzosen nicht nur zu schaffen machte, sondern zugleich einen Weckruf auslöste. So gesehen war es also ein Double Impact (Doppelschlag), wie der Titel eines der zahlreichen Van-Damme-Filme lautet, der die entscheidende Wende für die französische U-20-Auswahl bei diesem Turnier einleitete.

"Nach dieser Partie waren wir alle stinksauer, zumal uns die Spanier in allen Belangen überlegen waren. Jeder einzelne von uns musste seine Leistung hinterfragen", so Zouma, der wegen einer Verletzung erst im dritten und letzten Gruppenspiel zum Einsatz kam. Seither ist er in der Innenverteidigung seiner Mannschaft gesetzt, wobei er in Anspielung an einem weiteren Film mit Van Damme sowohl im Achtelfinale gegen das gastgebende Team wie auch im Viertelfinale gegen Usbekistan und im Halbfinale gegen Ghana einen *Sudden Death *seines Teams vermied. "Das war für uns der Auslöser. Entweder wir gewinnen und wir sind weiter, oder wir verlieren und fahren nach Hause. Und das wäre eine Schande gewesen."

"Guten Tag, meine Herren"Nicht unbedingt eine Schande, doch zumindest eine gewisse Verlegenheit ist Zouma durchaus noch in Erinnerung. Denn hinter der beeindruckenden Physis und der bei den gegnerischen Stürmern allseits gefürchteten Zweikampfhärte verbirgt sich ein blutjunger Mann - Zouma ist der Jüngste im französischen U-20-Team. Und amüsiert berichtete er von seinem Profidebüt, bei dem er gerade einmal 16 Jahre alt war.

"Ich erinnere mich noch genau an mein allererstes Training mit den Profis", so der Verteidiger, der seine künftigen Mitspieler schon damals um einige Zentimeter überragte. "Ich bin auf sie zugegangen, um ihnen 'Guten Tag' zu sagen. Dabei habe ich sie mit ihrem Familiennamen angesprochen. Also Herr Perrin, Herr Payet, Herr Sall usw. Ansonsten habe ich kein Wort gesagt und hatte sogar ein bisschen Angst. Die meisten von ihnen kannte ich aus dem Fernsehen. Plötzlich standen sie leibhaftig neben mir. Wenn ich heute in meinem Bett liege, muss ich oft daran zurückdenken. In dem Moment wird mir bewusst, wo ich inzwischen stehe. Das ist ein großartiges Gefühl."

Nicht minder großartig dürfte sein Gefühl gewesen sein, als er zum ersten Mal das blaue Auswahltrikot Frankreichs trug. Ironie des Schicksals: Es war ausgerechnet in dem Land, in dem sich Zouma derzeit auf das wichtigste Spiel seiner bisherigen Karriere vorbereitet. "Es war bei der U-16-Europameisterschaft hier in der Türkei! Wir haben gegen die Tschechische Republik gespielt. Es war mein Auswahldebüt und mein erster Einsatz von Beginn an", so der sichtlich erfreute Zouma, als wir auf dieses unvergessliche, aber auch etwas peinliche Erlebnis zu sprechen kamen. "Ich hörte die Marseillaise und muss ehrlich zugeben, dass ich sie gar nicht kannte", gestand er uns lachend. "Ich kannte nur ein paar Worte und tat so, als ob ich mitsingen würde. Dabei habe ich nur die Lippen bewegt. Zum Glück ist alles gut gegangen, denn wir haben 3:1 gewonnen."

Falls das Endspiel der FIFA U-20-Weltmeisterschaft Türkei 2013 für seine Mannschaft mit dem gleichen Ergebnis enden sollte, könnte der Name 'Kurt' bald erneut in einem Vorspann auftauchen: in der Liste der Akteure, die an den schönsten Geschichten des französischen Fussballs mitgeschrieben haben.

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