FIFA U-20-Weltmeisterschaft Kolumbien 2011

FIFA U-20-Weltmeisterschaft Kolumbien 2011

29 Juli - 20 August

FIFA U-20 Weltmeisterschaft 2011

Danilo: Wachhund vor der Abwehr

Ein sicherer Schlussmann, zwei eingespielte Innenverteidiger und Außenverteidiger, die es verstehen, die Räume eng zu machen. Es scheint die perfekte Kombination für ein unüberwindliches Defensivbollwerk zu sein. Fügt man dieser Konstellation noch einen defensiven Mittelfeldakteur hinzu, der mit seiner Physis das Aufbauspiel des Gegners im Keim erstickt, bekommt man eine Mannschaft, die nur schwer zu bezwingen ist. Bei der FIFA U-20-Weltmeisterschaft ist genau dies die Stärke, die Portugal im Laufe des Turniers vor allem Dank der starken Auftritte des defensiven Mittelfeldspielers Danilo bewiesen hat.

Auch wenn es offensiv noch nicht so richtig rund läuft, scheint die Mannschaft hinten über ein schier unüberwindbares Bollwerk zu verfügen. Portugal hat als einziger Viertelfinalist noch keinen Gegentreffer bei dieser FIFA U-20-Weltmeisterschaft hinnehmen müssen. Bislang war das im neuen Format mit Achtelfinalbegegnungen lediglich zwei Mannschaften gelungen: Brasilien 2005 und Chile 2007. Aus den bisherigen vier Begegnungen ging kaum eine Gefahr für dieses Team aus. So ist es wenig verwunderlich, dass "Wachhund" Danilo mit einem zufriedenen Lächeln zum Interview mit FIFA.com erscheint.

"Wir haben hinten bislang wirklich einen guten Job gemacht. Wir stehen immer sehr kompakt und lassen den gegnerischen Angreifern nur wenig Raum", so der Spieler vom FC Parma, der in der vergangenen Saison an den griechischen Klub Aris Thessaloniki ausgeliehen war. "Bislang passt alles zusammen. Die defensive Ordnung war bisher unsere Stärke. Und genauso müssen wir weitermachen, da man Spiele nur mit einer starken Verteidigung gewinnen kann."

Für Portugal hat es sich bislang ausgezahlt, vor der Abwehrreihe einen 1,88 Meter großen Spieler zu haben. Dies gilt umso mehr, da Ilídio Vale während des Turniers einige taktische Veränderungen vorgenommen und Spieler aus der zweiten Reihe eine Chance gegeben hat. Dies alles hat jedoch keinen besonderen Einfluss auf die Spielweise Danilos. "Für mich ändert sich bei einem 4-4-2 oder 4-4-3 nicht viel. Ich mag beide taktische Ausrichtungen. Was zählt, ist zentral zu agieren, wo ich das Spiel lesen, verteidigen und auch Angriffe einleiten kann", ergänzt Danilo, der sowohl in der vergangenen Saison in der griechischen Liga als auch in der Nationalmannschaft als Torschütze erfolgreich war und beim Unentschieden im Testspiel gegen Mexiko unmittelbar vor der WM zwei Treffer beisteuerte.

Verbindungen nach Guinea-Bissau
Seine Kraft und Vielseitigkeit haben ihm viel Lob von den anderen Mittelfeldspielern eingebracht. Einer seiner Unterstützer ist Pelé, der trotz seiner offensiveren Rolle immer wieder das Zusammenspiel mit Danilo sucht. "Ich spiele gerne mit ihm (Danilo). Wir verstehen uns gut und wechseln uns in bei unseren defensiven und offensiven Aktionen öfter ab. Wenn wir mal nicht im Ballbesitz sind, versuchen wir, Druck auf die Mittelfeldspieler auszuüben, so viele Bälle wie möglich zu erkämpfen und Angriffe einzuleiten", so der Spieler mit der Rückennummer zwei.

Im Fall der beiden Akteure hat das gute Verhältnis aber auch einen anderen Grund. Beide sind in der ehemaligen portugiesischen Kolonie Guinea-Bissau auf die Welt gekommen. "Wir stehen uns deshalb nahe und sind gute Freunde", so Danilo, der indes nur wenige Erinnerungen an sein Heimatland hat. "Ich bin im Alter von fünf Jahren nach Portugal gekommen, da meine Mutter dort zur Krankenschwester ausgebildet wurde. Am Ende sind wir dann geblieben. Damals habe ich allerdings noch nicht Fussball gespielt."

Zumindest nicht auf professioneller Ebene. Doch Danilo hatte bereits in Mansôa seine Vorliebe für den Fussball entdeckt und erregte schon bald die Aufmerksamkeit auf den Fussballplätzen von Mem Martins, einem Vorort der Stadt Sintra, die in der Nähe von Lissabon liegt. Im neuen Land entschied er sich letztendlich gegen die Leichtathletik und weckte noch vor seinem zehnten Lebensjahr das Interesse von Benfica Lissabon. Erst 2008 sollte er aber zum Nachwuchsteam des Hauptstadtklubs stoßen. Es folgten der Wechsel nach Parma und die ersten Auftritte in der Nationalmannschaft.

Ansichtssache
Danilo, der sich abseits des Platzes gelassen gibt, auf dem Feld aber unerbittlich ist, beweist aber auch Charakter, wenn er andere Aspekte des portugiesischen Spiels anspricht. Insbesondere, wenn es nicht ganz rund läuft. Das war am Dienstag der Fall, als die Spieler trotz des Sieges gegen Guatemala das Stadion Pascual Guerrero in Cali gesenkten Hauptes verließen. Der Grund hierfür war ganz einfach. "Wir haben einfach nicht gut gespielt und konnten nicht an die Leistung der zwei oder drei vorherigen Begegnungen anknüpfen", so die Nachwuchshoffnung.

Während der Trainer die Einstellung der Spieler kritisierte, nahm der Mittelfeldakteur kein Blatt vor den Mund, als er von FIFA.com zu den Gründen für den starken Leistungseinbruch nach dem Seitenwechsel befragt wurde. "Wir haben die Schultern hängen lassen und deshalb hat sich der Trainer so aufgeregt. Es waren nicht die Fehler, sondern eine Frage der Einstellung", so Danilo. "Der Gegner hat das Spiel in die Hand genommen und angegriffen. Wir hätten aber darauf vorbereitet sein müssen, um nicht so in Bedrängnis zu kommen."

Aus diesem Grund warnt er auch vor der nächsten Begegnung gegen den sechsfachen Weltmeister Argentinien, die am Samstag über den Einzug in das Halbfinale entscheidet. "Wir müssen in den kommenden Tagen vor allem Kopfarbeit leisten. Wenn wir wie beim letzten Mal ins Spiel gehen, kann das fatale Folgen haben." Die Situation ist also klar: Um einen dermaßen starken Gegner zu besiegen und weiterhin vom dritten WM-Titel zu träumen, bedarf es wohl mehr als einer gut gestaffelten Abwehr.

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