FIFA U-20-Weltmeisterschaft Kolumbien 2011

FIFA U-20-Weltmeisterschaft Kolumbien 2011

29 Juli - 20 August

FIFA U-20 Weltmeisterschaft 2011

Coach Smerecki lernt nie aus

Head coach Francis Smerecki of France instructs his players
© Getty Images

Sicher werden alle 504 Akteure, die zu Beginn der FIFA U-20-WM 2011 mit von der Partie waren, darin übereinstimmen, dass sie bei diesem Turnier eine ganze Menge gelernt haben und ihnen die dabei gesammelten Erfahrung für ihre Zukunft von Nutzen sein werden - egal ob sie bereits nach der Vorrunde die Heimreise antreten mussten oder bis ins Finale gekommen sind.

Das ist durchaus normal. Schließlich stehen sie erst am Anfang ihrer Karriere, und das Turnier in Kolumbien bot ihnen die Möglichkeit, sich in vollen Stadien mit den weltbesten Spielern ihrer Alterskategorie zu messen.

Dennoch scheint vor allem ein weißhaariger Mann in den Sechzigern, der bereits im Jahr 1968 sein Erstligadebüt als Spieler feierte, das meiste dabei gelernt zu haben: Francis Smerecki, Trainer der französischen U-20-Auswahl, der sich derzeit mit seinem Team auf das Spiel um Platz drei des Turniers vorbereitet und aufgrund seiner Erfahrungen mit den Bleuets geradezu ins Schwärmen gerät.

"Vor meiner Tätigkeit im Juniorenbereich hatte ich es ausschließlich mit erwachsenen Profis zu tun gehabt. Die Nachwuchskategorien hingegen kannte ich damals noch nicht", gestand Smerecki wenige Minuten nach der Halbfinalniederlage gegen Portugal im Gespräch mit FIFA.com. "In den fünf Jahren Arbeit mit dieser Spielergeneration habe ich einiges dazugelernt. Dies gilt insbesondere für den Umgang mit Niederlagen, denn die jungen Spieler raffen sich erstaunlich schnell wieder auf, um sich auf die nächsten Aufgaben zu konzentrieren."

Gegenseitige HilfeAls Trainer einer Mannschaft, deren Spieler bei seinem Amtsantritt im Jahr 2006 noch der U-16-Auswahl angehörten, kann der frühere Mittelfeldspieler auf eine fünfjährige Zusammenarbeit mit seinem heutigen Team zurückblicken, das er im bevorstehenden Spiel um Platz drei zum letzten Mal betreuen wird. Und er hat in diesem Zeitraum zweifellos einen bedeutenden Beitrag zur Entwicklung der französischen Nachwuchsteams geleistet. Ebenso sicher ist, dass dazu auch die ihm anvertrauten Spieler beigetragen haben.

"Ich habe gelernt, meine Tätigkeit als Trainer an meine Spieler anzupassen, denn Jugendliche sind völlig anders als Erwachsene", so Smerecki, der seine zweite Karriere als Trainer einst beim FC Limoges begonnen hatte und danach unter anderem für AFC Valenciennes, AC Le Havre und AS Nancy tätig war. "Vor allem habe ich gelernt, dass man den Jungs in diesem Alter Zeit geben muss, damit sie sich in Ruhe weiterentwickeln können. Auf keinen Fall sollte man es mit der Brechstange versuchen, um alles auf einmal zu schaffen. Man kann von einem jungen Spieler viel mehr fordern als von einem, der schon sieben oder acht Jahre als Profi hinter sich hat. Wir haben es also mit unterschiedlichen Voraussetzungen zu tun, auch wenn das Ziel, leistungsfähige Spieler zu formen, das gleiche ist."

Obwohl er die französischen Junioren, von denen einige bereits über Erstligaerfahrung verfügen oder sogar schon in der UEFA Champions League zum Einsatz kamen, bis ins Halbfinale dieser FIFA U-20-WM führen konnte, hätte sich der von Natur aus ehrgeizige Smerecki durchaus einen noch größeren Erfolg vorstellen können. "Mich ärgert, dass ich es einfach nicht geschafft habe, meinen Spielern noch mehr Erfahrung zu vermitteln, wenngleich ich nicht wüsste, wie ich das hätte bewerkstelligen sollen", bedauerte der Coach, der 1995 als Klubtrainer des bescheidenen EA Guingamp zum besten Trainer der Ligue 1 gewählt worden war.

"Unter dem Strich kommen wir in Frankreich pro Jahr auf 15 Spiele der Auswahlteams im Juniorenbereich, plus fünf oder sechs Partien in den Klubs. Erforderlich wären aber 50 Spiele im Jahr! Um sich die nötige Erfahrung aneignen zu können, müssen die Jungs oft jahrelang warten. Daher sollten geeignete Mittel und Wege gefunden werden, die ihnen dies bereits im Alter von 18 bis 20 Jahren ermöglichen."

Erfahrung und eine Portion Schlitzohrigkeit
Genau diese mangelnde Erfahrung war es auch, die den jungen Franzosen im Halbfinale gegen Portugal in Form von zwei Gegentoren nach Konzentrationsfehlern teuer zu stehen kam. "Sie sind es nicht gewohnt, auf so hohem Niveau zu spielen, das ist das Problem", ist der aus Le Mans stammende Trainer sicher. "Hier müssen wir in der Nachwuchsausbildung noch einiges verbessern. Unseren jungen Spielern fehlt einfach Erfahrung. Zum Beispiel hat Kalidou Koulibaly, der mit seinem Foul einen Elfmeter für die Portugiesen verursachte, bislang erst zwölf Zweitligaspiele bestritten. Das reicht nicht aus, um die erforderliche Portion Schlitzohrigkeit zu besitzen und eine solche Situation zu vermeiden. Meine Spieler sind zutiefst ehrlich und äußerst höflich, mitunter schon fast naiv. Doch um auf hohem Niveau zu spielen, muss man eben manchmal auch ein Schlitzohr sein."

Nachdem der französische Trainer bereitwillig und ausführlich darüber gesprochen hatte, was seiner Mannschaft fehlte, um die Portugiesen bezwingen zu können, lehnte er es dagegen strikt ab, zu diesem Zeitpunkt bereits ein Fazit des gesamten Turniers zu ziehen. Der Grund liegt auf der Hand. "Ganz einfach deshalb, weil es noch nicht vorbei ist", so die prompte Antwort auf die Frage von FIFA.com nach seinen Schlussfolgerungen aus dem Turnier in Südamerika.

"Das letzte Spiel ist für uns noch einmal eine große Herausforderung. Wir sind mit der U-17-Auswahl Vize-Europameister und mit dem U-19-Team Europameister geworden. Jetzt müssen wir uns nur noch den dritten Platz bei diesem Turnier sichern, dann haben wir bei drei großen Wettbewerben einen Podiumsplatz belegt. Darin besteht die Herausforderung, der wir uns in dieser Partie stellen müssen. Der Hochleistungssport und vor allem der Fussball ist bei einem solchen Turnier dadurch geprägt, dass alle drei Tage ein Spiel zu absolvieren ist und dabei sowohl Siege errungen als auch Niederlagen verbucht werden. Wichtig ist, dass man es beim nächsten Spiel möglichst besser macht."

Am Samstag, 20. August, werden seit Frankreichs letzter Niederlage bei diesem Turnier exakt drei Tage vergangen sein. Demnach ist die Aufgabe klar definiert: Gegen Mexiko wollen es die Franzosen wieder besser machen als zuletzt im Halbfinale.

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