FIFA U-20-Weltmeisterschaft Polen 2019

23 Mai - 15 Juni

FIFA U-20 WM 2019

Buletsa: Medienscheuer Star

© FIFA via Getty Images
  • Serhii Buletsa ist der Mann der Stunde bei der Ukraine 
  • Die Nummer zehn ist der Spieler für die wichtigen Tore 
  • "Es gibt keine Stars in unserer Mannschaft", betont der Trainer

"Ich kenne meine Spieler jetzt seit fünf Jahren, und ich kann Ihnen sagen, dass Serhii ein hervorragender Fussballer ist, aber erwarten Sie nicht, dass ich diese oder jene Leistung des heutigen Abends hervorhebe. Ich wiederhole es gern noch einmal: Es gibt keinen Star in unserer Mannschaft", betonte Oleksandr Petrakov auf der Pressekonferenz am Dienstag erneut. Da hatte die Ukraine gerade gegen Italien gewonnen.

Seit Turnierbeginn gibt der Trainer geradezu gebetsmühlenartig diese Antwort, wenn es um die Stärken einzelner Spieler geht.

Das ändert allerdings nichts daran, dass Serhii Buletsa auch an diesem Abend wieder brillierte, wie er das eigentlich schon seit seiner Ankunft in Polen tut. Schon in der ersten Hälfte zwang er Alessandro Plizzari zu einer Großtat, als er einen Freistoß knallhart und präzise aufs Tor jagte. Der italienische Schlussmann musste all sein Können aufbringen, um den Ball noch aus dem Eck zu fischen (37.).

In der 65. Minute war dann aber selbst Plizarri machtlos, als Buletsa den Ball fulminant ins Tor drosch. Es war das dritte Tor des Spielmachers. Hinzu kommen zwei Vorlagen. Damit ist er der entscheidende Spieler in der ukrainischen Mannschaft. Aber, man erinnere sich, ein Star ist er nicht.

Das sehen die Medien naturgemäß etwas anders. Aber als Buletsa als Letzter aus der Kabine kam, tat er das nicht, um das Rampenlicht zu genießen. Im Gegenteil. "Ich möchte zuallererst meine Mitspieler loben", erklärte er. "Wir gewinnen als Mannschaft. Unsere Stärke ist die Geschlossenheit. Ich bin sehr glücklich, dass ich das Tor erzielt habe, aber die ganze Mannschaft hat es geschossen."

Der Star ist die Mannschaft – Buletsa hat das offenbar verinnerlicht. Während der Interviews blickt er meist auf seine Füße und dokumentiert so auch optisch nach außen, dass er nicht von der ukrainischen Marschroute abzurücken gedenkt. Und der Erfolg des künftigen Finalisten von Polen 2019 gibt ihm ja recht.

Aber was ist nach dem Turnier? Wenn er im Fussball Karriere machen will, muss er doch wenigstens ein bisschen Eigenwerbung machen, oder nicht? Doch Buletsa wird – wenn möglich – noch bedächtiger, sobald die Sprache auch nur auf seine Rückennummer und ihre Bedeutung kommt. "Die Zehn trage ich, seit ich mit dem Fussballspielen angefangen habe", sagt er schlicht. "Sie gibt mir Selbstvertrauen, aber das ist nur eine psychologische Geschichte."

Ich mag Lionel Messi sehr und würde gern sein Niveau erreichen." Also doch ein Star werden? "Sollte es eines Tages so kommen, dann weil Fans und Trainer mich so einstufen, nicht ich", erwidert Buletsa stoisch. In der Zwischenzeit arbeitet er weiter, den Blick gesenkt, den Kopf demonstrativ nicht in den Wolken. Andere sehen trotzdem, dass er Glanzleistungen bringt.

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