FIFA U-20-Weltmeisterschaft Polen 2019

FIFA U-20-Weltmeisterschaft Polen 2019

23 Mai - 15 Juni

FIFA U-20 WM 2019

Boniek: " Tränen im Sport sind nichts Schlimmes"

  • Der Präsident des polnischen Fussballverbands lobt die Fans
  • Boniek setzt auf die Ukraine
  • Er verweist auf den hohen Stellenwert von Nationalteams

Zbigniew Boniek, der Präsident des polnischen Fussballverbands, ist sehr zufrieden mit dem Verlauf der FIFA U-20-Weltmeisterschaft und mit dem, was auf den Spielfeldern und auf den Tribünen zu beobachten war. Im Finale sieht der polnische Ex-Nationalspieler die Ukraine als leichten Favoriten, unterstreicht aber auch die Stärken, die der Republik Korea den Einzug ins Endspiel ermöglicht haben. Boniek prophezeit Tränen nach dem Finale, sagt jedoch gleichzeitig, dass "Tränen im Sport nichts Schlimmes" sind.

Welchen Stellenwert hatte die Organisation des Turniers für Polen und wie ist es gelaufen? Welchen Eindruck haben die Teams bekommen?
Die FIFA U-20-Weltmeisterschaft hat gezeigt, dass Polen ein wunderbares, offenes Land mit sehr guter Infrastruktur ist und für die Ausrichtung des Turniers bestens geeignet war. Wir haben gezeigt, dass wir alle Teams, die dabei waren, optimal betreuen und ihnen in jeder Hinsicht helfen konnten. Ich habe mit vielen Gästen bei dieser WM gesprochen und sie alle bestätigten, dass sie sich hier wie zu Hause gefühlt haben. Sie verwiesen darauf, wie professionell die Organisation war, vom Anpfiff bis zum Schlusspfiff. Das wichtigste Spiel kommt allerdings erst noch, nämlich das Finale. Ich bin überzeugt, dass das Stadion ausverkauft sein wird. Doch die Fans werden nicht still dasitzen und darauf warten, dass etwas passiert, was sie von den Sitzen reißt. Im Gegenteil: Wir werden ein Stadion mit toller Atmosphäre erleben, mit Fans voller Emotionen, die sich hinter eins der Teams stellen werden. So sieht die Realität aus. Und wir haben auch noch ein paar "Überraschungen" geplant.

Poland fans pose with the mascot
© Getty Images

Was sagen Sie über die polnischen Fans?
Ich muss sagen, dass unsere Fans fantastisch waren. Es ist unglaublich, was für eine tolle Atmosphäre sie während der Spiele Polens im Stadion von Lodz geschaffen haben. Bei den Spielen anderer Teams stellten sich die polnischen Fans meist ebenfalls hinter eine der Mannschaften und unterstützten sie, und zwar meist hinter den Außenseiter. Das haben wir beispielsweise im Halbfinale in Gdynia erlebt, wo die Fans die Ukraine intensiver als Italien angefeuert haben. Das ist ein bisschen wie in alten Westernfilmen, wo man sich unwillkürlich hinter die Indianer stellt, wenn sie in der Klemme stecken.

Was hat Ihnen an dem Turnier bislang am besten gefallen?
Die logistischen Abläufe und die hervorragende Vorbereitung der Stadien, und natürlich auch, wie das Turnier im Fernsehen rübergekommen ist. Außerdem finde ich, dass wir bei allen Teams einen bemerkenswerten Kampfgeist sehen konnten. Die Spiele waren sehr interessant. Wenn man auch nur eine Minute unaufmerksam war, um beispielsweise einen Kaffee zu holen, konnte man schon etwas verpassen. Innerhalb von Sekunden kann sich alles ändern, und zwar von der ersten bis zur letzten Minute. Der dritte wichtige Aspekt ist die große Bedeutung der Nationalmannschaften. Die Welt braucht Nationalmannschaften, die unterstützt werden können. Wir sollten nicht sagen, dass nur Klubs und Klubwettbewerbe wirklich wichtig sind. Sicher, die Klubs bezahlen die Spieler, doch der Fussball kann nur überleben und weiter an Bedeutung gewinnen, wenn Nationalmannschaften im Einsatz sind. Bei jedem erzielten Tor und bei jedem guten Resultat hier in Polen konnte man sehen, wie viel es den Spielern bedeutet und wie sehr sie sich mit ihren Nationalfarben identifizieren.

Players of Ukraine pose for a team photo
© Getty Images

Welche Mannschaft hat Sie am meisten überrascht?
Die Ukraine, weil sie Polen in gewisser Weise ähnelt. Wir haben vor ungefähr einem Jahr in Bielsko ein Freundschaftsspiel gegen die Ukraine mit 2:1 gewonnen. Acht Spieler aus diesem Spiel waren hier dabei! Die Ukraine hat sich hier von Spiel zu Spiel gesteigert.

Sind Sie überrascht, welche Teams es ins Finale geschafft haben?
Ich finde, das ist eine Riesenüberraschung. Wer hätte wohl auf die Republik Korea und die Ukraine getippt? Da hätte man ja ein absoluter Hellseher sein müssen, um dieses Finale vorherzusehen. Die meisten Leute hatten wohl damit gerechnet, dass Japan von allen asiatischen Teams am weitesten kommen würde. Doch im Fussball zählen Leidenschaft, Einsatz, Taktik, Durchhaltevermögen, Schnelligkeit, Konzentration und hundertprozentige Hingabe. Es wird bestimmt ein sehr gutes Finale. Möge das bessere Team gewinnen!

Wer wird das Endspiel gewinnen?
Gute Frage! Aus fussballerischer Sicht scheint mir die Ukraine etwas stärker, doch was Taktik und auch Disziplin angeht, wird es schwer, die Republik Korea zu schlagen. Viele Teams hatten fälschlicherweise damit gerechnet, es wäre leicht, Südkorea zu besiegen, oder?

Welche Botschaft haben Sie für die beiden Teams im Finale?
Ich möchte beiden Mannschaften zum Einzug ins Finale gratulieren. Natürlich wollen beide nun auch das Endspiel gewinnen. Das bedeutet, dass wir nach dem Schlusspfiff Tränen der Freude auf der einen und Tränen der Enttäuschung auf der anderen Seite sehen werden. Doch Tränen im Sport sind nichts Schlimmes. Denn sie stammen ja aus dem sportlichen Wettstreit, der grundsätzlich immer eine gute Sache ist. Wie ich bereits sagte, Glückwunsch an die beiden Teams. Ich bin sicher, dass sie eine großartige Zeit hier in Polen hatten. Viel Glück im Finale!

Kangin Lee of Korea Republic battles for possession with Jose Cifuentes of Ecuador
© Getty Images

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