FIFA U-20-Frauen-Weltmeisterschaft Kanada 2014

FIFA U-20-Frauen-Weltmeisterschaft Kanada 2014

5 August - 24 August

FIFA U-20-FRAUEN-WM 2014

Stolz und Schmerz bei den ausgeschiedenen Teams

Costa Rica looks dejected as New Zealand celebrates during the FIFA U-20 Women's World Cup Canada 2014 Group D match at the National Soccer Stadium on August 13, 2014 in Toronto, Canada.  (Photo by Mike Hewitt - FIFA/FIFA via Ge
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Die Natur des Wettkampfsports bringt es mit sich, dass des einen Freude gleichzeitig des anderen Leid bedeutet. So war es auch zum Ende der Gruppenphase bei der FIFA U-20-Frauen-WM in Kanada, als einige Spielerinnen jubelnd tanzten und sangen, während andere schluchzend und enttäuscht zu Boden sanken.

Bedauern? Das gab es durchaus. Doch bei allen acht ausgeschiedenen Teams verwies man in erster Linie auf die positiven Aspekte dieser lehrreichen WM-Teilnahme, die den Spielerinnen unschätzbar wertvolle Erfahrungen vermittelte. "Diese Erfahrung ist unbezahlbar", meinte beispielsweise Garabet Avedissian, Trainer des Teams von Costa Rica, das in Gruppe D den vierten Platz belegte.

"Die Hälfte unserer Spielerinnen ist auch bei der nächsten U-20-WM noch spielberechtigt. Die Mädchen waren rein physisch noch nicht reif für diesen Wettbewerb. Aber dieses Risiko sind wir mit Blick auf die Zukunft eingegangen. Wir haben den Einzug in die zweite Runde zwar verpasst, aber wir haben den Spielerinnen das Rüstzeug vermittelt, damit sie es beim nächsten Mal schaffen können."

Ähnlich optimistische Töne schlug auch Paraguays Trainer Julio Carlos Gomez an, dessen Team knapp vor den Ticas landete. "Wir reisen voller Stolz ab", erklärte er. "Wir haben einige großartige Spielerinnen in der Mannschaft. In wenigen Jahren werden diese Mädchen wieder bei einem WM-Turnier im Einsatz sein."

Auch bei anderen Teams überwog die Erkenntnis, dass der Geschmack des Sieges zwar süßer ist, dass aber Niederlagen oftmals wertvollere und bleibende Lektionen bedeuten. Natürlich wären alle Teams gern länger im Turnier verblieben, doch die Trainerinnen und Trainer betonen, dass der Erfolg eines Entwicklungsturniers wie der FIFA U-20-Frauen-WM letztlich daran gemessen wird, wie vielen Spielerinnen der Sprung in die A-Nationalmannschaft gelingt.

"Natürlich sind die Spielerinnen enttäuscht, aber die eigentliche Frage ist doch, wie es für sie weitergeht", meinte beispielsweise Englands Trainerin Mo Marley. "Es würde nichts bringen, wenn wir zwar bei dieser WM richtig gut abgeschnitten hätten, aber am Ende keine Spielerin in der A-Nationalmannschaft landet. Dieses Turnier ist für uns zu Ende, aber es ist ja nur ein Teil eines viel größeren Bildes. Das dürfen die Mädchen nicht vergessen."

Das sieht auch Finnlands Trainerin Marianne Miettinen so, obgleich auch sie angesichts der drei knappen Niederlagen ihrer Schützlinge in Gruppe A ihre Enttäuschung kaum verbergen kann. "Wir waren mit dem festen Willen hergekommen, alle drei Gruppenspiele zu gewinnen. Also sind wir schon ziemlich enttäuscht", sagte sie. "Aber unser wichtigstes Ziel ist und bleibt es, Spielerinnen für unsere A-Nationalmannschaft zu fördern, und ich bin sicher, dass alle Spielerinnen, die hier in Kanada dabei waren, in Zukunft noch große Partien bestreiten werden."

Auch Christopher Cuellar, der Trainer Mexikos, ist von den langfristigen Erfolgsaussichten seiner Spielerinnen überzeugt. "Einige von ihnen sind schon jetzt auf dem Niveau, das für die A-Nationalmannschaft erforderlich ist", meinte er. "Der Trainer der A-Nationalmannschaft (sein Vater Leonardo Cuellar) war hier. Er hat sie bei den Spielen beobachtet und wird seine Entscheidungen treffen. Meiner Meinung nach haben wir Spielerinnen dabei, die für eine Nominierung bereit sind."

Bei einigen Team überwog zurecht der Stolz auf die gezeigten Leistungen. So verpasste beispielsweise Ghana den Einzug in die nächste Runde nur denkbar knapp, obgleich das Team zwei seiner drei Spiele gewann. Entsprechend fiel auch die Analyse von Trainer Bashir Hayford aus, der auf die großen Fortschritte seines Teams verwies: "Die Fans zu Hause wissen, dass wir mit sechs von neun möglichen Punkten sehr, sehr gut abgeschnitten haben", so der Coach. "Vor zwei Jahren in Japan haben wir kein einziges Tor erzielt. Wir haben uns also enorm gesteigert. Ich bin sicher, dass man in Ghana stolz auf mein Team ist."

Auch Jun Wang, dem Trainer der VR China, konnte trotz des Ausscheidens seines Teams viele positive Aspekte sehen. Von vornherein war klar gewesen, dass es seine Schützlinge in einer Gruppe mit den zwei führenden Frauenfussballnationen Deutschland und USA extrem schwer haben würde. Der erfahrene Trainerfuchs, dessen Team den Deutschen in einem überaus packenden Spiel ein 5:5 abrang, meinte: "Ich bin mit der Leistung meiner Spielerinnen ziemlich zufrieden. Wenn ich Punkte verteilen müsste, würde ich ihnen 80 von 100 geben. Die Teilnahme an diesem Turnier wird sich sehr positiv auf ihre zukünftige Entwicklung auswirken."

Gegen die USA und Deutschland zu verlieren, ist sicher keine Schande. Entsprechend realistisch fiel auch das Fazit von Brasiliens Trainer Dorival Bueno aus: Er meinte: "Wir haben zwar kein einziges Spiel gewonnen, aber ich finde, dass wir uns trotzdem gut verkauft haben. Wir haben in allen drei Partien gegen führende Frauenfussballnationen gespielt, die sehr starke Teams haben. In diesen Ländern können Mädchen schon sehr früh mit dem Fussball anfangen. Das ist in Brasilien leider nicht der Fall. Aber wir werden immer stärker. Dieses Turnier hilft dabei ganz sicher."

Wenn also die FIFA U-20-Frauen-WM bei allen Teilnehmern - den erfolgreichen ebenso wie den gescheiterten - zur Stärkung und Entwicklung der Teams beiträgt, dann hat das Turnier seinen Zweck voll und ganz erfüllt.

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