FIFA U-20-Frauen-Weltmeisterschaft Kanada 2014

FIFA U-20-Frauen-Weltmeisterschaft Kanada 2014

FIFA U-20-FRAUEN-WM 2014

Sinclair: Dieses Turnier kann überaus wichtig sein

Christine Sinclair of Canada signs autographs for fans after the final
© Getty Images

2002 fand in Kanada die erste FIFA U-20-Frauen-WM statt, bei der eine Spielerin zum Star wurde, für die dieses Turnier wie gemacht schien. Die Förderung und Präsentation des Frauenfussballs im Nachwuchsbereich ist seit jeher der Zweck der FIFA U-20-Frauen-WM (damals noch U-19). Christine Sinclair jedenfalls war ein seltener Rohdiamant.

Die Stürmerin, die gerade 19 Jahre alt geworden war, spielte sensationell. Sie agierte kraftvoll und clever und markierte nicht weniger als zehn Tore – bis heute der Turnierrekord. Dafür wurde sie mit dem Goldenen Ball und dem Goldenen Schuh von adidas ausgezeichnet. Das Team Kanadas schaffte es bis ins Finale. Dieses endete zwar mit einer knappen Niederlage in der Verlängerung gegen den Erzrivalen USA, doch die überwältigende Kulisse von 47.784 Zuschauern zeigte überdeutlich, dass ganz Kanada das Team – und den Frauenfussball – ins Herz geschlossen hatte.

Zwölf Jahre später gehört Sinclair zu den führenden Fussballspielerinnen der Welt und die FIFA U-20-WM macht erneut in Kanada Station. Wir trafen uns mit dem großen Star der Erstauflage und sprachen mit ihr über die Erinnerungen an die damalige und die Erwartungen an die bevorstehende Endrunde.

Christine, was für Erinnerungen haben Sie an dieses Turnier?
Dieses Turnier war für mich eine ganz unglaubliche Erfahrung, die ich immer in mir tragen werde. Unsere Spiele fanden alle in Edmonton statt. Während des Turniers hat das ganze Land das Team ins Herz geschlossen. Ich spreche heute noch mit den anderen Mädchen, die damals im Team waren, darüber. Wir alle erinnern uns sehr, sehr gern an diese Erfahrung. Die Größe des Turniers und die Anzahl der Fans übertrafen unsere kühnsten Erwartungen. Es war einfach unglaublich und beeindruckend. Das Turnier hat den Fussball, und insbesondere den Frauenfussball in Kanada auf den richtigen Weg gebracht. Seitdem und darauf aufbauend haben wir große Fortschritte gemacht. Es wurde auch klar, dass es in Kanada großes Interesse an solchen Turnieren gibt. Ich bin sicher, dass man das in den kommenden Wochen wieder spüren und wieder erleben wird.

Sind Ihre Erinnerungen an 2002 also rundweg positiv, oder denken Sie manchmal noch an das Finale gegen die USA und daran, wie nahe Sie dran waren?Mit größerem zeitlichen Abstand habe ich mir angewöhnt, das Turnier als Ganzes zu sehen und was für ein riesiger Erfolg es insgesamt war. Aber ich bin natürlich auch Profifussballerin und Wettkämpferin und natürlich habe ich viel Zeit damit verbracht, über dieses Finale nachzudenken und mir vorzustellen, dass es auch anders hätte ausgehen können. Ich erinnere mich immer wieder daran, dass ich eine ziemlich gute Torchance hatte. Hätte ich diese Chance damals genutzt, wären wir vielleicht tatsächlich im eigenen Land Weltmeisterinnen geworden.

Das Turnier verlief für Sie insgesamt großartig. Sie haben den Goldenen Ball und den Goldenen Schuh gewonnen und Ihre zehn Tore sind bis heute Turnierrekord. Hat dieser Erfolg Ihnen das Selbstbewusstsein gegeben, um eine Profikarriere einzuschlagen?Auf jeden Fall. Ich hatte damals schon ein paar Einsätze in der A-Nationalmannschaft hinter mir, aber es war mein erstes großes Turnier. Da fragt man sich im Vorfeld natürlich, wie es wohl verlaufen wird. Und so wie es dann verlaufen ist, sowohl was meine persönlichen Leistungen angeht, als auch was den Erfolg des Teams angeht, hat es mir natürlich sehr viel Selbstbewusstsein verschafft. Mir wurde einfach klar: 'Yeah, ich kann das schaffen!' Genau aus diesem Grund können solche Turniere für die Teilnehmer eine so wichtige Rolle spielen.

Einige Spielerinnen von 2002 spielen noch heute in der A-Nationalmannschaft Kanadas.Ja, das stimmt und ich finde es fantastisch, wie viele von uns so viele Jahre später noch aktiv dabei sind. Das beweist doch, was man alles erreichen kann, wenn Entwicklung und Förderung richtig angepackt werden. Es hat uns geholfen, als unser Trainer Even Pellerud die Entscheidung traf, mehrere junge Spielerinnen gleichzeitig in den A-Kader zu integrieren. Spielerinnen wie Erin McLeod, Rhian Wilkinson, Diana Matheson, Brittany Timko und natürlich ich selbst sind seitdem quasi zusammen in der Mannschaft groß geworden. Das gilt übrigens auch für andere Länder. Wenn man sich erfolgreiche Teams wie die USA und Deutschland anschaut, dann kann man ziemlich sicher sein, dass auch deren Top-Spielerinnen bei einer U-20-Weltmeisterschaft wichtige Erfahrungen gesammelt haben. Diese Turniere sind einfach ein sehr wichtiger Teil des Reifeprozesses im internationalen Fussball geworden.

Sehen Sie Ähnlichkeiten zwischen dem kanadischen Team von 2002 und der aktuellen U-20-Auswahl? Genau wie damals bei Ihnen sind beispielsweise auch jetzt wieder sechs Spielerinnen dabei, die schon ihren Weg in die A-Nationalmannschaft gefunden haben.Wenn ich diese Spielerinnen beobachte, dann bin ich ziemlich sicher, dass der Frauenfussball in Kanada eine ziemlich gute Zukunft hat. Kadeisha [Buchanan], Jessie [Fleming] und die anderen, von denen wir hier sprechen, sind sehr junge und sehr talentierte Spielerinnen. Sie haben ein fast unbegrenztes Potenzial. Schon jetzt sind sie unglaublich gute Fussballspielerinnen. Und wenn sie dann in der A-Mannschaft von jemandem wie John Herdman angeleitet werden, dann werden sie sicher auch bei der FIFA Frauen-WM im kommenden Jahr sehr wichtige Spielerinnen sein. Ich hatte gehofft, dass ich sie beim Turnier anfeuern könnte, aber ich muss mit meinem Klub [Portland Thorns] in den NWSL-Playoffs antreten, daher wird das wohl nicht möglich sein. Aber ich werde alles ganz genau im Fernsehen und online verfolgen und das Team eben aus der Ferne unterstützen.

Außerdem können Sie sich ja auch auf die FIFA Frauen-WM im kommenden Jahr hier in Kanada freuen. Was sagen Sie dazu?Das ist unglaublich aufregend. Irgendwie ist es nach 2002 für mich so, als ob sich ein Kreis schließt. Ich habe ein Riesenglück, denn nicht viele Leute können zwei Weltmeisterschaften im eigenen Land spielen. Ich bin sicher dass es ein fantastisches Turnier wird und ich muss sagen, dass ich auch ein gutes Gefühl habe angesichts der Vorbereitung es kanadischen Teams. Ich denke, dass wir genau zur richtigen Zeit in Topform sein werden.

Gilt das auch für Sie persönlich? Sind Sie im Vorfeld des Turniers zufrieden mit Ihrer Form und Fitness?Ich fühle mich großartig. Ich bin gut in Form und es macht mir einfach unglaublichen Spaß, als Profi Fussball zu spielen. Mit den besten Spielerinnen der Welt zu trainieren und gegen sie anzutreten, bringt meine besten Seiten zum Vorschein. Hoffentlich kann ich meine Erfahrung im kommenden Jahr einbringen und dazu beitragen, dass wir eine fantastische WM spielen.

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