FIFA U-19-Frauenfussball-Weltmeisterschaft Thailand 2004

10 November - 27 November

FIFA U-19-FRAUENFUSSBALL-WM 2004

Quereda: "Bei der Weltmeisterschaft können wir gar nichts ausschließen"

Ignacio Quereda empfing FIFA.com in seinem Büro beim Königlichen Spanischen Fussballverband, um im Vorfeld der im November bevorstehenden Weltmeisterschaft in Thailand über die Entwicklung der U-19-Mannschaft zu sprechen, die den ersten Titel für den spanischen Frauenfussball geholt hat.

Quereda ist ein ruhiger Mann, der einen bedächtigen, gleichzeitig aber auch entschlossenen Eindruck macht, der langsam spricht und seine Antworten sehr sorgsam abwägt. Auf dieselbe Weise hat er ohne Eile, dafür aber sehr zielstrebig, die spanischen Auswahlmannschaften im Frauenbereich während der vergangenen 16 Jahre betreut.

Er kam mehr oder weniger als Außenstehender und eher durch Zufall zu diesem Sport, stellte sich jedoch sofort der Herausforderung. Er nahm das Amt an, um dem Frauenfussball einen festen Platz in Spanien zu geben. Heute blickt er voller Stolz auf die Trophäe der  spanischen U-19-Europameisterinnen in der Verbandsvitrine. Es ist zwar der erste Titel, aber keineswegs der erste Erfolg.

In diesen 16 Jahren haben sich viele Dinge geändert…
Es hat eine sehr positive Entwicklung gegeben, sowohl hinsichtlich der Qualität wie auch der Anzahl der Spielerpässe. Als ich mein Amt antrat, gab es gerade einmal 1.200 Pässe von Fussballerinnen in Spanien, heute sind es etwa 11.000. Es hat also eine bedeutende Steigerung gegeben. Im Trainerbereich sind auch neue und sehr gut ausgebildete Leute dazu gekommen, was sich wiederum sehr positiv auf das Niveau und die Qualität der Spielerinnen auswirkt. Wir können sagen, dass die Mädchen sowohl physisch wie auch technisch enorme Fortschritte gemacht haben.

Wie fühlen sich die technische Leitung des Teams und auch die Spielerinnen selbst nach dem Gewinn der U-19-Europameisterschaft?
Nun, wir sind sehr zufrieden und glücklich. Wir sind den Landesverbänden und Vereinen äußerst dankbar für ihre Arbeit. Und natürlich freuen wir uns sehr über die Mädchen, die so große Leistungen vollbracht haben. Einige von ihnen sind noch mit dem Kopf in den Wolken, wissen noch gar nicht, was das für den Frauenfussball bedeutet. Das war ein wirklicher Wendepunkt.

Was müssen sie tun, um diesen Schwung zu nutzen?
Wir müssen an diese Realität glauben, wir brauchen noch mehr Unterstützung und Akzeptanz seitens der Massenmedien und der Gesellschaft. Ich glaube, die Aufnahme der Vereine mit ihren Frauenfussballabteilungen in eine Liga wäre von enormer Bedeutung und würde den Frauenfussball in Spanien verwurzeln. Der Titelgewinn hat für große Aufmerksamkeit in den Medien gesorgt. Als wir auf dem Flughafen landeten, gab es viele Kameras und Reporter der großen Medien, die auf die Mädchen warteten. Für sie war es eine große Überraschung und auch Befriedigung, denn sie sahen, dass man ihre Arbeit und ihren Erfolg anerkannte. Alle dachten das gleiche: Mal sehen, ob sich die Dinge nun ändern und wir mehr Unterstützung und Aufmerksamkeit erfahren und die Frauen im Fussball nun akzeptiert werden.

In Kürze werden sie die Koffer packen - mit welchem Ziel fliegen sie nach Thailand?
Für uns ist das alles sehr motivierend. Wir werden es als eine neue Erfahrung ansehen, die uns hilft weiterzukommen. Generell möchten wir diese Mannschaft sowohl auf sportlichem wie auch auf menschlichem Niveau konsolidieren. In drei Jahren werden diese Mädchen das Fundament der A-Nationalelf bilden. Wir haben keine konkreten Ziele, möchten aber auch nichts ausschließen.

Spanien trifft in Gruppe B auf Russland, die Republik Korea und die USA. Was können Sie mir über diese Gegner sagen?
Nun, Korea und die USA sind zwei physisch sehr starke und auch technisch beschlagene Mannschaften. Korea war Asienmeister und hat China geschlagen, eine Mannschaft, die eine Weltmacht im Fussball ist. Es dürfte also recht schwer werden. Wir analysieren die Videos, die uns vorliegen, um ihre Spielweise noch besser zu verstehen. Russland dürfen wir auch nicht vergessen. Wir haben diese Mannschaft immer verfolgt, weil sie ein möglicher Gegner werden könnte. Und leicht wird es gegen die Russinnen mit Sicherheit nicht.

Mit welchen Waffen wird Spanien antreten? Was sind Ihre Stärken und was die Schwächen?
Die große Fähigkeit dieser Mannschaft ist zweifelsohne der menschliche Zusammenhalt, die Kameradschaft, die Solidarität, die wir mittlerweile erreicht haben. Die Einstellung stimmt absolut. In dieser Hinsicht ist es eine sehr starke Mannschaft, die an sich glaubt und auch von der eigenen Stärke überzeugt ist. Natürlich haben sie auch noch technische Qualitäten. Mängel? Nun, da gibt es schon einige... (lächelt), aber das bleibt unter uns. Wir arbeiten daran, sie zu beseitigen.

Deutschland im Finale der Europameisterschaft zu besiegen, war eine große Überraschung, vor allem nachdem man in der Gruppenphase dem gleichen Gegner noch mit 0:7 unterlegen war. Was war der Schlüssel zu diesem Sieg?
Hier sollte man verschiedene Dinge berücksichtigen. Im ersten Spiel hatten wir unser wichtigstes Ziel bereits erreicht, nämlich einen Platz bei der Weltmeisterschaft. Da es für uns keine Rolle spielte, ob wir Gruppenerster oder -zweiter werden würden, haben wir beschlossen, die Stammelf im ersten Spiel gegen die Deutschen zu schonen. Wir haben sieben neue Spielerinnen aufgeboten, die noch nicht gespielt hatten und denen es deswegen etwas an Erfahrung im Defensivbereich fehlte. Im Finale wollten wir dann zeigen, dass dies nicht der wahre Unterschied zwischen Spanien und Deutschland war. Wir hatten uns minutiös vorbereitet, waren voll motiviert und kannten das Team von Silvia Neid sehr gut. Die Mädchen waren überzeugt davon, dass sie es schaffen könnten. Und die Mannschaft hat sich engagiert gezeigt und vollständig an die taktische Marschroute gehalten. Wir haben gewonnen, weil wir die bessere Einstellung auf dem Platz hatten. Die deutsche Mannschaft hatte allerdings auch stark nachgelassen und es gelang den Gegnerinnen zu keinem Zeitpunkt, wie gewünscht ins Spiel zu kommen.

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