FIFA U-20-Frauen-Weltmeisterschaft Kanada 2014

FIFA U-20-Frauen-Weltmeisterschaft Kanada 2014

FIFA U-20-FRAUEN-WM 2014

Meinert: "Wir spielen ein ganz großes Turnier"

Head coach Maren Meinert of Germany poses
© Getty Images

Deutschland hat bisher noch keine Ausgabe einer FIFA U-20-Frauen-WM verpasst und konnte 2004 sowie 2010 jeweils den Titel holen. In Kanada stehen die DFB-Juniorinnen nun zum dritten Mal in Folge im Endspiel dieser Turnierreihe, und mit Nigeria wartet ein "alter Bekannte" auf das Ensemble von Trainerin Maren Meinert.

2010 gewann die 92-malige Internationale, die auch in ihrer Spielerkarriere mit dem WM-Triumph 2003 große Erfolge feiern durfte, mit ihrer Mannschaft im heimischen Bielefeld gegen die Westafrikanerinnen und durfte am Ende den Pokal in den abendlichen Himmel recken. 

Vor dem großen Showdown in Montreal am Sonntag nahm sich Meinert Zeit für ein ausführliches Interview mit FIFA.com. Frau Meinert, Sie haben bei diesem Turnier gegen Mannschaften aus unterschiedlichen Konföderationen gespielt. Jetzt geht es im Finale gegen die physisch starken Afrikanerinnen. Was für ein Spiel erwarten Sie?Es wird auf die Physis ankommen. Wir wissen, dass sie athletisch sind und unglaublich schnelle Spielerinnen haben. Es wird darauf ankommen, dass wir unserem Stil treu bleiben, den Fokus auf das Zusammenspiel setzen - und nicht zu sehr auf Einzelaktionen.

Sie haben bereits erwähnt, dass Nigeria über sehr schnelle Spielerinnen verfügt. Was ist Ihrer Meinung nach eine weitere Stärke Ihres Gegners?Sie verteidigen sehr gut und schalten schnell um. Sie praktizieren viele Positionswechsel, ohne den Überblick zu verlieren. Das ist eine Fähigkeit, die nicht viele Mannschaften haben. Zudem sind sie auch in der Defensive sehr gefestigt und deshalb so schwer zu schlagen.

Wie bereiten Sie sich mit Ihrem Team auf das Finale vor?Regeneration ist das Wichtigste in diesen Tagen, da wir ein langes Turnier gespielt und nicht so viele Spielerinnen gewechselt haben. Sie sind schon sehr belastet. Wir haben am Freitag vor der Abschlusseinheit im Stadion das letzte Training durchgeführt, um Vorgehensweisen zu festigen, die für das Spiel gegen Nigeria wichtig sind.

2010 standen Sie im Endspiel ebenfalls Nigeria gegenüber. Was ist das Besondere an der Weltmeister-Mannschaft von 2010 und dem Team von 2014 in Kanada? Gibt es Gemeinsamkeiten?Es gibt viele Gemeinsamkeiten. Wir hatten 2010 eine Mannschaft, die es sehr genossen hat, dieses Turnier im eigenen Land zu spielen. Das Team damals war sehr offensiv, hatte einen großen Zusammenhalt und sich richtig in das Turnier hineingesteigert. Das ist hier genauso. Im Vorfeld hatten wir Probleme, die nicht klein waren. Aber als wir hier ankamen, waren wir die Einheit und haben alles so angenommen, wie ich mir das vorgestellt hatte.

Welche Bilanz ziehen Sie aus dem bisherigen Auftritt Ihres Teams?Ich bin wahnsinnig zufrieden damit. Ich finde, dass wir ein ganz großes Turnier spielen. Vor allem, wenn man unseren Weg durch diese WM betrachtet. Mit den USA, China, Brasilien, dem Gastgeber Kanada und Frankreich, der vielleicht besten Mannschaft auf der Welt im Moment, haben wir gegen große Teams gespielt - und auch Nigeria gehört in diese Reihe.

Was war für Sie der bisher schönste Moment im Turnier?Da gab es ganz viele. Aber wenn man gegen Frankreich ein bisschen unerwartet kurz vor Schluss das Tor erzielt, dann ist das schon ein besonderer Moment. Das sieht man auch an den Reaktionen der Spielerinnen. Wenn man gar nicht weiß, wohin mit sich und der Freude, dann ist das der Moment des Turniers bisher.

Meike Kämper zeigte im Halbfinale gegen Frankreich eine grandiose Leistung und hat ihr Team oft vor dem Rückstand bewahrt. Wie hat sich Ihrer Meinung nach das Niveau der Torhüterinnen im Frauenfussball verändert?Wir haben bei den Frauen schon festgestellt, dass sich die Torhüterinnen enorm verbessert haben. Das sieht man an verschiedenen Dingen: Weniger Fernschüsse gehen ins Tor und das Spiel über außen scheint erfolgreicher zu sein. Die Entwicklung bei den Frauen kann man dann auch bei den Juniorinnen beobachten. Alle Nationen haben gute Torhüterinnen. Auffällig ist auch, dass diese sehr gut mit dem Fuß mitspielen können. Das gab es früher auch nicht. Alle haben in diesem Bereich einen großen Schritt nach vorne gemacht.

Inwiefern unterscheidet sich die heutige junge Spielergeneration von der damaligen, zu der Sie gehörten?Die Spielerinnen heute bekommen mehr geboten im Verein - und größere Unterstützung! Man muss ihnen aber auch klarmachen, dass eigenverantwortliches Handeln wichtig ist, um seinen Weg zu gehen, und nicht das, was ihnen zugetragen wird. Das war früher ein bisschen anders, weil wir nicht so viele Hilfen hatten. 

Denken Sie manchmal: Ich wäre auch gerne noch einmal 18 und hätte diese Möglichkeiten?Ganz ehrlich? Überhaupt nicht. Seit dem Tag, an dem ich aufgehört habe, habe ich nicht mehr den Drang, in kurzen Hosen über das Feld zu laufen - außer zum Spaß und wenn das Feld kleiner wird. Ich bin zufrieden, so wie es ist. Ich habe nie etwas gewollt, das ich nicht haben kann. Ich glaube, dass ist eine gute Eigenschaft. Dann lebt es sich besser.

*Die FIFA Frauen-WM 2015 wirft bereits ihre Schatten voraus und vielleicht werden wir die eine oder andere Spielerin aus Ihrem Kader im nächsten Jahr wieder sehen. Entscheiden Sie gemeinsam mit Nationaltrainerin Silvia Neid, wer in Frage kommen würde? *Die Bundestrainerin schaut alle unsere Spiele und war auch in der Vorbereitungsphase dabei. Sie kennt die Spielerinnen sehr gut. Sie ist immer offen für Ideen. Ich kenne die Spielerinnen natürlich besser. Sie guckt, was ihr gefällt, und ich habe noch ein bisschen was beizusteuern. Das ist ein Prozess, der über das ganze Jahr läuft. Es ist unser Glück, dass die Bundestrainerin vielen jungen Spielerinnen in den letzten Jahren eine Chance gegeben hat. Wenn man unsere Mannschaft bei der Frauen-EM 2013 sieht, das war schon eine enorm junge Truppe. Ich hoffe, dass es eine oder zwei Spielerinnen gelingt, von hier den nächsten Schritt zu machen.

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