FIFA U-20-Frauen-Weltmeisterschaft Kanada 2014

5 August - 24 August

FIFA U-20-FRAUEN-WM 2014

Lavogez: "Ein wunderbares Abenteuer"

© Getty Images

Die Tränen sind getrocknet und es zeigt sich sogar schon wieder ein leichtes Lächeln. Claire Lavogez hat sich damit abgefunden, dass sie nicht als Weltmeisterin in die Heimat zurückkehren wird. Doch so unbekannt wie sie bei ihrer Abreise war, wird die elegante Mittelfeldspielerin nicht nach Frankreich zurückreisen.

Lavogez hat in Kanada mit Übersicht, Flair und ihrer explosiven Schusskraft geglänzt und sich damit mitten ins Rampenlicht gespielt. Ihr fantastisches Tor gegen Costa Rica wurde sogar zu einem Hit im Internet und mittlerweile von vielen Millionen Fans rund um die Welt angeschaut und bewundert.

"Die Online-Reaktion war einfach überwältigend", freut sie sich. "So etwas hatte ich überhaupt nicht erwartet. Ehrlich gesagt war mir sogar, als ich das Tor erzielte, nicht klar, wie beeindruckend es wirkte. Doch nach dem Spiel wurde nur noch von diesem Treffer gesprochen und als ich mitbekam, wie groß die Aufmerksamkeit war, habe auch ich selbst mir das Tor online angesehen. Das war eine tolle Überraschung, denn es sieht viel besser aus, als ich gedacht hatte."

Mit diesem beeindruckenden Tor zeigte Lavogez schon früh, was in ihr steckt. Und im weiteren Turnierverlauf bewies sie eindrucksvoll, dass dies alles andere als ein Glückstreffer war. Zwar muss die französische Mittelfeldspielerin nach der Halbfinalniederlage gegen Deutschland keinen Platz für eine Siegermedaille schaffen, doch einen größeren Koffer braucht sie für die Rückreise vielleicht doch.

Denn in nicht weniger als drei ihrer vier Spiele in Kanada beeindruckte die 20-Jährige die Technische Studiengruppe der FIFA (TSG) derart, dass sie als Live Your Goals-Spielerin des Spiels ausgezeichnet wurde, wofür sie jedes Mal eine gerahmte Urkunde erhielt. Nun stellt sich die Frage, was sie mit all diesen Urkunden macht.

"Eine werde ich auf jeden Fall meinen Eltern schenken", sagt sie. "Sie sind unglaublich wichtig für mich und ich weiß, dass sie sehr stolz sein werden. Eine hänge ich wohl auch in meiner Wohnung auf. Aber die dritte... da habe ich wirklich noch keine Idee!

Ich freue mich sehr über diese Auszeichnungen. Die Mädchen im Team haben mir alle dazu gratuliert. Für mich war es ein großartiges Turnier. Bevor wir hierher kamen, hätte ich nie erwartet, dass ich so viele Tore schieße und so wichtig für das Team sein würde. Doch der Trainer hat mich aufgefordert, eine Führungsrolle zu übernehmen. Er sagte, er vertraut auf mich, und ich habe einfach versucht, zu zeigen, was ich kann."

"Das Turnier war einfach ein wunderbares Abenteuer. Auch wenn wir mit dem Team etwas unternommen und neue Leute kennen gelernt haben, war es einfach fantastisch. Es gab natürlich auch viele tolle Momente auf dem Spielfeld, die ich nie vergessen werde, beispielsweise wie wir uns im Viertelfinale durchgesetzt haben [als Lavogez den entscheidenden Elfmeter gegen die Republik Korea verwandelte]. Wir haben sehr viele emotionale Momente erlebt und fast alle waren schön."

Eine Ausnahme war natürlich die Halbfinalniederlage gegen Deutschland, nachdem die Französinnen das Spiel vollständig beherrscht hatten. Doch Lavogez gibt sich angesichts des Resultats philosophisch und meint, dass die Bleuettes nur sich selbst einen Vorwurf machen können, da sie zahlreiche klare Torchancen ungenutzt ließen.

"Wir waren das stärkere Team", so Lavogez, "doch für eine Niederlage gibt es immer einen Grund, und dieser Grund war ganz klar. Das Spiel beherrschen bedeutet nicht gleichzeitig, das Spiel zu gewinnen. Wir waren einfach vor dem gegnerischen Tor nicht gut genug. Natürlich empfinden wir noch diese Enttäuschung, aber wir wissen auch, dass wir gut gespielt haben und gehen sehr motiviert in das Spiel um Platz drei gegen die DVR Korea. Wir wollen auf jeden Fall mit einer Medaille nach Frankreich zurückkehren."

Diesen Erfolg würde wohl kaum jemand Lavogez missgönnen. Wer ihre kreativen und intelligenten Auftritte miterlebt hat, wird auf jeden Fall ihre Fortschritte verfolgen. Lavogez selbst denkt unterdessen schon an eine mögliche Rückkehr nach Kanada im kommenden Jahr. "Ich würde liebend gern für die FIFA Frauen-WM nach Kanada zurückkehren. Davon wird seit meinen Leistungen hier immer wieder gesprochen. Aber ich habe bisher noch nie für die A-Nationalmannschaft gespielt und habe daher keine besonders hohen Erwartungen."

Das mag so sein, doch eine ähnliche Äußerung hätte sie auch vor Kanada 2014 machen können. Und Lavogez selbst hat ja seitdem bewiesen, dass Erwartungen nur da sind, um übertroffen zu werden.

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