Deutschland hat die FIFA U-20-Frauen-WM 2010 im eigenen Land gewonnen. Der Gastgeber entschied das Finale an diesem Sonntagnachmittag vor 24.633 Zuschauern in Bielefeld gegen Nigeria dank der Treffer von Alexandra Popp und Kim Kulig mit 2:0 für sich und beendete die Endrunde damit auf beeindruckende Weise mit sechs Siegen in sechs Spielen als Champion. Nach 2004 war es der zweite deutsche Triumph bei dieser Turnierserie.

In einer von Beginn an äußerst temporeichen Partie war es das deutsche Ensemble, das dank starkem Zweikampfverhalten und präzisem Passspiel das Heft in die Hand nahm. Immer wieder entfachten die pfeilschnellen Sylvia Arnold und Svenja Huth auf den Flügeln Druck, zudem gelang es dem zentralen Mittelfeld-Duo mit Kim Kulig und Spielführerin Marina Hegering, die Gegnerinnen aus Westafrika nicht zu Entlastungsangriffen kommen zu lassen.

So war es nahezu logisch, dass das Bielefelder Publikum schon früh Grund zum Jubeln hatte. Die Anzeigetafel zeigte die achte Spielminute an, als ein langer Ball der erfahrenen Rechtsverteidigerin Bianca Schmidt von Sturmjuwel Popp per Kopf auf die erst 18 Jahre alte Spielmacherin Dzsenifer Marozsan verlängert wurde, die geschickt verzögerte, um dann wieder in den Lauf von Popp zu spielen. Die bei diesem Turnier überragende Torjägerin überlief daraufhin ihre Gegenspielerin, um den Ball aus rund 14 Metern im Fallen geschickt zur deutschen 1:0-Führung ins lange Eck des nigerianischen Gehäuses zu schlenzen. Für Popp war es der zehnte Treffer bei dieser WM-Endrunde.

In den folgenden zehn Minuten hätte der Gastgeber durchaus erhöhen können, doch sowohl Kulig als auch Popp ließen Freistoß-Kracher aus der Distanz nur knapp über die Querlatte segeln. Dies schien sich als Weckruf für die Falconets zu erweisen, denn fortan präsentierte sich das Ensemble von Coach Ndem Egan mit einem anderen Gesicht. Nach knapp einer halben Stunde setzte sich Angreiferin Ebere Orji auf dem rechten Flügel durch und versucht ihr Glück mit einem überraschenden Schuss aus spitzem Winkel, doch Deutschlands Torfrau Almuth Schult hatte aufgepasst. Sieben Minuten später verpasste Desire Oparanozie von der Strafraumgrenze lediglich um Zentimeter.

Nach dem Seitenwechsel versuchte das Team von Trainerin Maren Meinert - ähnlich wie zu Beginn der ersten 45 Minuten - die physisch starken und aufgrund ihrer Schnelligkeit stets gefährlichen Nigerianerinnen früh im Spielaufbau zu stören und somit zu Fehlern zu zwingen. Sowohl Marozsan per Freistoß als auch Popp mit einem Kopfball setzten das Leder aussichtsreich am Tor vorbei, aber die Gastgeberinnen waren nun wieder die dominante Mannschaft. Mit zunehmender Spieldauer fiel es den Deutschen jedoch schwerer, das eigene Spieltempo aufrecht zu erhalten. Die Partie blieb intensiv, Torraumszenen wurden weniger.

Hegering war es, die mit einem 18-Meter-Linksschuss, der nur knapp am Tor vorbeiflog, die Schlussviertelstunde einläutete. Sekunden später verpassten gleich drei deutsche Akteurinnen im Fünf-Meter-Raum der nigerianischen Torfrau Alaba Jonathan, nachdem Marozsan bei einer Freistoß-Hereingabe alle, inklusive der eigenen Mitspielerinnen, mit einem flachen Querpass überraschte. Huth setzte sich in der 78. Minute auf dem rechten Flügel durch, um mit ihrem Torabschluss das Außennetz zu treffen. Von den nun immer mehr unter Zeitdruck gelangenden Falconets war kaum etwas zu sehen.

Den Schlusspunkt setzte Kulig: Die Mittelfeldakteurin köpfte in der Nachspielzeit infolge eines Eckballs in Richtung Tor, der Ball sprang vom Pfosten zurück auf die Schulter der Nigerianerin Osinachi Ohale und von dort zum 2:0-Endstand ins Tor der Westafrikanerinnen, woraufhin der Jubel der deutschen Spielerinnen keine Grenzen mehr kannte. Der zweite WM-Titel nach 2004 war perfekt.