Nigeria hat für eine faustdicke Überraschung bei der FIFA U-20-Frauen-WM 2010 gesorgt. Das Team aus Westafrika bezwang im Viertelfinale an diesem Sonntagmittag in Augsburg Titelverteidiger USA mit 5:3 nach Elfmeterschießen, nachdem es nach 90 sowie 120 Minuten 1:1-Unentschieden stand, und trifft nun in der Runde der letzten Vier am Donnerstag in Bielefeld auf Turnier-Debütant Kolumbien.

Die U.S.-Girls gingen mit viel Selbstvertrauen und großen Offensivbemühungen in die Partie. Vor allem über Casey Short auf dem linken Flügel kam man immer wieder gefährlich vor das nigerianische Gehäuse. In der sechsten Minute tauchte die 19-Jährige nach einem feinen Pass von Kristie Mewis frei vor Alaba Jonathan auf, die Torfrau der Falconets konnte jedoch parieren. 120 Sekunden später bewies Amber Brooks mehr Effizienz: Während sich die Westafrikanerinnen noch formierten, lief Mewis infolge einer kurzen Ecke in den gegnerischen Strafraum und passte quer auf die Mittelfeldspielerin, die keine Mühe hatte, aus kurzer Distanz zur Führung einzuschießen.

Auch in der Folge waren es vor allem die Akteurinnen von Trainerin Jill Ellis, die die Partie bestimmten. Nach 21 Minuten gelang es Jonathan nicht, einen Freistoß festzuhalten, doch nach einem Strafraum-Wirrwarr konnte die nigerianische Verteidigung mit einem Befreiungsschlag klären. Vor dem Seitenwechsel war es dann noch zwei Mal Keeperin Jonathan selbst, die jeweils bei Schüssen von Zakiya Bywaters einen höheren Rückstand des Teams von Coach Ndem Egan verhinderte.

Nach der Halbzeitpause präsentierte sich Nigeria angriffslustiger. Mit der Gewissheit, für das erstmalige Erreichen des Halbfinals bei dieser Turnierserie unbedingt Tore erzielen zu müssen, war nun deutlich mehr Risikobereitschaft zu erkennen. Ein Fernschuss von Angreiferin Desire Oparanozie konnte von U.S.-Torfrau Bianca Henninger nur mit großer Mühe pariert werden. Nachdem die Partie dann ein wenig verflachte, weil die nordamerikanische Defensive keine weiteren Torraumszenen zuließ, dauerte es bis zur 70. Minute, ehe Brooks auf der Gegenseite einen Kopfball nach einem Eckball von Christine Nairn über die gegnerische Querlatte setzte.

Nach 79 Minuten war es dann aber soweit: Die Nigerianerin Helen Ukaonu lief zum Freistoß an und drosch den Ball aus rund 25 Metern unhaltbar zum Ausgleich in den Torwinkel. Das Team aus den USA zeigte sich geschockt und wurde in der Schlussphase ein ums andere Mal von den Westafrikanerinnen vor Probleme gestellt. Aber Keeperin Henninger erwies sich als Fels in der Brandung, so dass die Partie in die Verlängerung ging.

Oparanozie war es, die für das 2:1 hätte sorgen müssen, als sie nach dem abermaligen Seitenwechsel freistehend vor Henninger auftauchte, doch die nigerianische Stürmerin setzte den Ball knapp neben das Tor. Daraufhin wurden die U.S.-Girls wieder stärker, konnten aber keinen Treffer mehr erzielen. Es kam zum finalen Elfmeterschießen, das die Falconets sensationell für sich entscheiden konnten, weil Spielführerin Nairn und Star-Stürmerin Sydney Leroux verschossen.