FIFA U-19-Frauenfussball-Weltmeisterschaft Thailand 2004

FIFA U-19-Frauenfussball-Weltmeisterschaft Thailand 2004

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Thailand 2004: Deutschland bestätigt seine Spitzenposition

FIFA U-19 Women`s World Championship Thailand 2004, Brazil - Russia
© Action Images

Zum Ende des Jahres 2004 ist Deutschland auf dem besten Wege, im Frauenfussball das Maß aller Dinge zu werden und die bislang vorherrschende Macht USA von der Spitze zu verdrängen. Mit dem Gewinn der FIFA U-19-Frauenfussball-Weltmeisterschaft im November in Thailand und dem Sieg vor gut einem Jahr bei der FIFA-Frauenfussball-Weltmeisterschaft USA 2003 haben sich die Deutschen eindrucksvoll in der Weltspitze festgesetzt.

In Thailand gab es ein Turnier voller Überraschungen, toller Spiele und bemerkenswerter Verbesserungen in allen Belangen gegenüber der ersten derartigen Veranstaltung vor zwei Jahren. Blicken Sie mit FIFA.com zurück auf ein fantastisches Turnier in Thailand.

Deutsche Perfektion

Bereits im ersten Spiel setzten die Deutschen mit einem 6:0-Kantersieg gegen die völlig überforderten Gastgeberinnen ein deutliches Zeichen. Mit einer derart gefährlichen Spielerin wie Anja Mittag in ihren Reihen, die zweitbeste Torschützin und drittbeste Spielerin des Turniers wurde, war keine Verteidigungsreihe dem deutschen Angriff gewachsen. Auch Celia Okoyino Da Mbabi und Patricia Hanebeck gehörten aus deutscher Sicht zu den Entdeckungen des Turniers. Die ansonsten überragende Torhüterin Tessa Rinkes ließ nur beim 3:3 gegen Kanada im letzten Gruppenspiel Schwächen erkennen und ermöglichte so den Finalisten von 2002, noch zum Ausgleich zu kommen.

Doch mit zwei Siegen (6:0 gegen Thailand und 4:0 gegen Australien) und einem Unentschieden (3:3 gegen Kanada) zogen die Deutschen ungefährdet in die K.o.-Runde ein. Das Viertelfinalspiel gegen Nigeria entwickelte sich dann zu einem echten Krimi. Die deutsche Trainerin Silvia Neid hatte schon zuvor prophezeit, dass diese Partie "das härteste Match der Endrunde" werden würde. Erst sechs Minuten vor Schluss konnte Anja Mittag die 1:0-Führung der Afrikanerinnen ausgleichen und so die Verlängerung und letztlich das Elfmeterschießen erzwingen. Hier hatten die Deutschen das notwendige Quäntchen Glück und siegten, nachdem erneut Anja Mittag den entscheidenden letzten Elfmeter verwandelt hatte. Im Halbfinale überrollten die Deutschen dann die bis dahin in diesem Wettbewerb ungeschlagenen Titelverteidigerinnen aus den USA im Supachalasai-Stadion von Bangkok mit 3:1 und zogen ins Finale ein.

*Überraschung: China im Finale *
Es war weithin erwartet worden, dass sich im Finale des Turniers die gleichen Teams gegenüberstehen würden, die auch bei den Olympischen Spielen von Athen um die Goldmedaille gespielt hatten, nämlich die USA und Brasilien. Doch wie so oft im Fussball kam es ganz anders und die beiden Mannschaften durften am 27. November "nur" um Bronze spielen. Im Endspiel hingegen standen sich Deutschland und China gegenüber, eine Mannschaft, die im Turnierverlauf alle überrascht hatte. Nachdem die Asiatinnen ihren Ruf als führende Frauenfussballnation bei den letzten großen Turnieren schon fast eingebüßt hatten, sorgte der neue Trainer Wang Haiming mit seiner taktischen Gewieftheit und seiner genauen Kenntnis der Stärken und Schwächen seiner Mannschaft für eine Art Wiederauferstehung des chinesischen Frauenfussballs.

Naturgemäß fehlt den Chinesinnen zwar das Flair von Brasilien, doch sie verfügen über eine hervorragende Organisation und Disziplin, die sie während des gesamten Turniers voll ausspielten. Aus einer massierten, nahezu unüberwindlichen Abwehr heraus wurden meist schnelle Konter vorgetragen. Gegen die Spielerinnen aus dem Reich der Mitte zu siegen, war keine leichte Aufgabe. Nachdem sie in der Vorrunde hinter Brasilien auf Platz zwei gelandet waren, trafen die Chinesinnen im Halbfinale erneut auf die Samba-Prinzessinnen. Im Viertelfinale hatten sie gegen eine dezimierte kanadische Mannschaft um Torschützenkönigin Brittany Timko die Oberhand behalten. Auch hier lautete das Endergebnis anders, als erwartet: die Chinesinnen deckten die Schwächen in der brasilianischen Hintermannschaft gnadenlos auf und siegten mit 2:0.

Im Finale schließlich erwies sich Gegner Deutschland dann doch als eine Nummer zu groß für die Chinesinnen. Nachdem sie zuvor 117 Minuten lang keinen einzigen Treffer einstecken mussten, lagen die Chinesinnen bereits in der vierten Minute zurück und der Nimbus der Unüberwindbarkeit war mit einem Mal wie weggewischt. Das Endresultat hätte denn auch durchaus deutlich höher ausfallen können, doch letztlich wurde es ein 2:0-Sieg für die neuen Weltmeisterinnen aus Deutschland.

Marta, Marta, Marta!

Marta, die in Schweden spielende Brasilianerin, zeigte in Thailand Spitzenleistungen und untermauerte damit, dass sie gute Chancen hat, zur FIFA Weltfussballerin 2004 gewählt zu werden. Bei ihrer zweiten Teilnahme an einer FIFA U-19-Frauenfussball-Weltmeisterschaft präsentierte sich Marta stärker denn je zuvor. Nachdem sie schon bei der FIFA Frauenfussball-Weltmeisterschaft USA 2003 mit der A-Mannschaft geglänzt hatte, erntete sie in Thailand uneingeschränktes Lob wegen ihrer spielerischen Perfektion, ihrer Technik und auch wegen ihrer mitreißenden Emotionalität. Der Gewinn des Goldenen Balls von adidas als beste Spielerin des Turniers war nur eine logische Konsequenz aus ihrer absoluten Überlegenheit in allen Belangen des Spiels. Marta war einfach eine Klasse für sich, was auch die Gewinnerinnen des Silbernen bzw. Bronzenen Balls, Angie Woznuk (USA) und Anja Mittag anerkannten (Ehrungen).

Deutliche Steigerung gegenüber Kanada 2002

Thailand 2004 war ohne Zweifel eine deutliche Verbesserung gegenüber der ersten Ausgabe des Turniers, das im Sommer 2002 in Kanada stattgefunden hatte. Trainer, Journalisten, Zuschauer, Spielerinnen und auch die Mitglieder der Technischen Studien-Gruppe (TSG) stimmten in dieser Einschätzung ausnahmslos überein und bestätigten so, dass der Frauenfussball sich auf der ganzen Welt rapide entwickelt. Auch die Länder, in denen Frauenfussball (noch) keine besondere Rolle spielt, wie Italien, Spanien und Russland, zeigten durchaus ansprechende Leistungen. Einzig die Mannschaft des Gastgeberlandes Thailand war hoffnungslos überfordert. Die Nigerianerinnen kämpften als amtierende Afrikameisterinnen wie die Löwen und beeindruckten auf ganzer Strecke. Die brasilianische Mannschaft schließlich, die sich seit Jahren durch viel Talent, aber wenig Organisation ausgezeichnet hatte, zeigte deutlich, dass man auf einem ganz steilen Weg nach oben in die Weltspitze ist.

Teilnehmer:
Thailand, Deutschland, Australien, Kanada, Nigeria, China VR, Italien, Brasilien, Korea Republik, USA, Russland, Spanien

Abschlusstabelle:

  1. Deutschland

  2. China VR

  3. USA

  4. Brasilien

Namen, die man sich merken sollte:
Elvira Todua (RUS), Ashlyn Harris (USA), Kun Wang (CHN), Akudo Sabi (NGA), Elena Semenchenko, Supaphon Kaeobaen (THA), Becky Sauerbrunn (USA), Marta (BRA), Ying Zhang (CHN), Simone Laudehr (GER), Patricia Hanebeck (GER), Jang Mi Lee (KOR), Svetlana Tsidikova (RUS), Angie Woznuk (USA), Cristiane (BRA), Brittany Timko (CAN), Veronica Boquete (ESP), Anja Mittag (GER)

Stadien:
Rajamangala-Stadion und Supachalasai-Stadion (beide Bangkok), "700th Anniversary"-Stadion (Chiang Mai), Surakul-Stadion (Phuket)

Tore (gesamt):
92 (Durchschnitt: 3,54 je Spiel)

Erfolgreichste Torjägerinnnen:
7 Tore: Brittany Timko (CAN)
6 Tore: Anja Mittag (GER)
3 Tore: Angie Woznuk (USA)

Zuschauer:
288.324

Durchschnittliche Zuschauerzahl pro Spiel:
11.089

Interessantes am Rande:
Deutsche Torflut. In insgesamt sechs Spielen erzielte Deutschland 19 Tore (mehr als drei pro Spiel) und musste nur fünf Gegentreffer hinnehmen.

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K.-o.-Runde

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FIFA U-20-FRAUEN-WELTMEISTERSCHAFT