FIFA U-20-Frauenfussball-Weltmeisterschaft Russia 2006

FIFA U-20-Frauenfussball-Weltmeisterschaft Russia 2006

;

Asiatischer Doppelerfolg in Russland 2006

FIFA U-20 Women`s World Championship Russia 2006, Brazil - Korea
© Action Images

Bei der FIFA U-20-Frauenfussbal-Weltmeisterschaft Russland 2006 konnten die beiden asiatischen Giganten des Frauenfussballs ihre internationale Spitzenstellung eindrucksvoll bestätigen. Das mehr als drei Wochen dauernde Turnier bot spannende Spiele und Fussball auf hohem Niveau. Darin spiegelt sich nicht nur die konstante Entwicklung dieses Sports, sondern auch die gewachsene Reife herausragender Einzeltalente wider.

FIFA.com fasst noch einmal das Wichtigste des gerade beendeten Turniers zusammen.

*Asiatinnen erobern die Weltspitze *

Nachdem die DVR Korea ihr Auftaktspiel gegen den Titelverteidiger Deutschland gewonnen hatte, waren sich Zuschauer und Beobachter noch nicht sicher, ob dieser Sieg der Debütantinnen eher auf glückliche Umstände zurückzuführen oder als nachhaltige Bekräftigung einer neuen Anwartschaft auf den WM-Titel zu werten sei. Mit fortschreitender Dauer des Turniers wurden diese Zweifel dann immer weniger. Die Mannschaft von Trainer Choe Kwang Sok vermochte sich gar noch zu steigern und überzeugte durch ihr kompaktes und diszipliniertes Spiel, das sich zudem als äußerst effizient erwies. Herausragend dabei war die Rolle von Kim Kyong Hwa als zentrale Spielmacherin, die durch Hong Myong Gum in der Abwehr und Kil Son Hui im Angriff optimal ergänzt wurde.

Während die Nordkoreanerinnen in allen Partien überraschend auftrumpften, setzte die chinesische Spielführerin Ma Xiaoxu ihre ganze Kraft und Persönlichkeit ein, um ihr Team nach ganz oben zu führen. Sie war es auch, die den größten Anteil daran hatte, dass ihre Mannschaft bis ins Endspiel kam. Obendrein konnte sie am Ende die Enttäuschung der Finalniederlage dank der Ehrung mit zwei Einzeltrophäen, dem Goldenen Ball und dem Goldenen Schuh von adidas für die Beste Spielerin sowie die erfolgreichste Torschützin des Turniers, wesentlich lindern.

Im Finale kam es dann am 3. September im Moskauer Lokomotive-Stadion zur Neuauflage des Endspiels der vorangegangenen AFC U-19-Frauenfussball-Meisterschaft. Im Dauerregen, der für widrige äußere Bedingungen sorgte, spielte das Team der DVR Korea wie entfesselt auf. Die Nordkoreanerinnen fügten den Chinesinnen eine empfindliche 0:5-Niederlage zu und sicherten sich damit verdient die WM-Krone. Die VR China hingegen musste sich zum zweiten Mal in Folge mit dem Titel des Vize-Weltmeisters begnügen.

*Brasilien belegt Platz 3 *
Die brasilianische U-20-Frauenauswahl war ohne eine ihrer wichtigsten Spielerinnen in Russland angereist. Topstar Marta hatte von ihrem Verein keine Freigabe erhalten und konnte deshalb die Farben ihres Landes in Russland 2006 nicht vertreten. Dennoch erreichten die Brasilianerinnen am Ende die beste Platzierung in der bisherigen Turniergeschichte und konnten endlich den Bann brechen, der ihnen bei den beiden vorangegangenen Auflagen den Sprung aufs Podium verwehrt hatte. Auch wenn uns ihr Spiel nicht gerade mit Toren verwöhnte (lediglich vier Treffer in sechs Spielen), so stellten die Südamerikanerinnen doch erneut unter Beweis, dass sie zu den vier erfolgreichsten Nationen zu zählen sind. Dank ihres Sieges über die USA im Elfmeterschießen holten sie sich den lang ersehnten dritten Platz. Trotz des Fehlens von Marta ragten vor allem die schnelle und technisch beschlagene Fabiana im Angriff sowie Torfrau Bárbara, die immer wieder mit Glanzparaden bestach, aus dem Team hervor.

Deutschland konnte den 2004 in Thailand gewonnenen Titel nicht verteidigen und musste diesmal bereits im Viertelfinale gegen die U.S.-Amerikanerinnen, die sich nach einigen Startschwierigkeiten von Spiel zu Spiel steigerten, die Segel streichen. Nachdem die DFB-Elf gleich die Auftaktpartie gegen die DVR Korea verloren hatte, konnte sie sich in den nachfolgenden Spielen wieder fangen und zwei klare Siege verbuchen. Doch gegen die USA hatte die Mannschaft dann erneut keinen guten Tag erwischt. U.S.-Coach Tim Schulz nutzte optimal die Breite und Ausgeglichenheit des ihm zur Verfügung stehenden Kaders. Seine ständigen Wechsel taten den guten Leistungen seiner Mannschaft keinerlei Abbruch. Wenn es etwas an seinem Team zu bemängeln gibt, dann wären dies nur zwei Dinge: die mangelnde Chancenverwertung und das fehlende Glück beim Elfmeterschießen. In der Tat mussten die U.S.-Amerikanerinnen bei diesem Turnier gleich zwei Mal zum Elfmeterschießen antreten, wobei sie sich beide Male nicht durchsetzen konnten.
* Sowohl Positives als auch einige Enttäuschungen*

Die russischen Gastgeberinnen konnten ihren Erfolg von Thailand 2004 nicht wiederholen und kamen im Viertelfinale gegen die VR China förmlich unter die Räder (0:4). Auswahltrainer Valentin Grishin machte einige Verletzungen sowie zunehmende Ermüdungserscheinungen bei seinen Spielerinnen dafür verantwortlich. Sicher, die Stars der Russinnen, also Torfrau Elvira Todua und Angreiferin Elena Danilova, blieben vor eigenem Publikum unter den Erwartungen. So offenbarte die Torhüterin im Turnierverlauf etliche Unsicherheiten, während die Torjägerin vor heimischer Kulisse den ihr eigenen Torinstinkt vermissen ließ und keinen einzigen Treffer erzielen konnte.

Das Ausscheiden von Nigeria und Frankreich war gleichfalls eine schmerzliche Erfahrung für diese beiden Teams, dem jedoch eine große Dramatik vorausging. Gegentore in der buchstäblich letzten Minute besiegelten das Aus für die Afrikanerinnen ebenso wie für die Französinnen, nachdem beide Mannschaften in ihren Spielen gegen Brasilien bzw. die DVR Korea über weite Strecken ebenbürtige Gegner waren. Von daher hätten beide Teams durchaus Besseres verdient gehabt. Was indes bleibt, ist die berechtigte Aussicht auf eine viel versprechende Zukunft des Frauenfussballs in beiden Ländern.

Das Debüt der Neuseeländerinnen bei einem WM-Turnier war ebenfalls hoffnungsvoll. Trotz ihrer klaren Auftaktniederlage gegen Australien konnten sich die Spielerinnen aus Ozeanien schon im zweiten Spiel erheblich steigern und hätten gegen Gastgeber Russland fast für eine Riesenüberraschung gesorgt. Und im abschließenden Gruppenspiel gegen keinen Geringeren als Brasilien ertrotzten die Neuseeländerinnen gar ein torloses Remis.

Das frühe Aus für Australien und Kanada hinterließ indes Frust und Enttäuschung. Die beiden Teams, die bei den bisherigen Auflagen des WM-Turniers stets ein Wörtchen mitzureden hatten, kamen dieses Mal nicht über die Vorrunde hinaus. Andererseits bleibt anzumerken, dass Mexiko und Argentinien trotz der Tatsache, dass sich deren Erwartungen nach ihrem guten Turnierstart dann doch nicht erfüllten, dem Frauenfussball in Südamerika, wo dieser Sport traditionell eine Domäne des männlichen Geschlechts ist, einige wichtige Impulse verleihen konnten. Gleiches gilt für die DR Kongo, die sich trotz der schwierigen politischen Lage im eigenen Land mit einer schlagkräftigen Mannschaft präsentierte und die solch starken Teams wie den USA (1:2) oder Frankreich (0:1) das Leben schwer machte.

Die restlichen europäischen Teilnehmer, Finnland und die Schweiz, konnten bei ihrem ersten WM-Turnier in Russland 2006 wertvolle Erfahrungen sammeln. Beide Teams haben viel Lehrgeld zahlen und zahlreiche Gegentore hinnehmen müssen, wobei es ihnen noch an der erforderlichen Kreativität im Spielaufbau und im Angriff fehlt. Darüber hinaus mussten beide Mannschaften erkennen, dass es für sie bis zur europäischen Spitze noch ein ziemlich weiter Weg ist.

Teilnehmende Teams:
Russland, Brasilien, Australien, Neuseeland, Finnland, VR China, Nigeria, Kanada, Deutschland, DVR Korea, Schweiz, Mexiko, USA, Frankreich, Argentinien, DR Kongo.

Platzierung:

  1. 1DVR Korea

  2. VR China

  3. Brasilien

  4. USA

Auffälligste Talente
Zhang Yanru (CHN), Val Henderson (USA), Hong Myong Gum (PRK), Celia Okoyino Da Mbabi (GER), Kim Kyong Hwa (PRK), Ma Xiaoxu (CHN), Cynthia Uwak (NGA), Kil Son Hui (PRK), Fabiana (BRA), Danesha Adams (USA).

Spielstätten:
Petrovsky-Stadion (Sankt Petersburg), Podmoskovie-Stadion (Shchelkovo/Moskau, Dynamo-Stadion, Torpedo-Stadion und Lokomotive-Stadion (Moskau)

Erzielte Tore:
105 (Durchschnitt: 3,31 pro Spiel)

Erfolgreichste Torschützinnen:
5 Treffer (2 Vorlagen): Ma Xiaoxu (CHN)
5 Treffer (1 Vorlage): Kim Song Hui (PRK)
3 Treffer: Anna Blässe (GER)

Durchschnittliche Zuschauerzahl:
Im Schnitt kamen 1.250 Zuschauer pro Spiel

;

K.-o.-Runde

;

FIFA U-20-FRAUEN-WELTMEISTERSCHAFT