Kaum jemand wird wohl den verschossenen Elfmeter von Asamoah Gyan im Viertelfinale der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Südafrika 2010™ gegen Uruguay jemals vergessen, ebenso wenig seine Tränen über die bittere Niederlage im besten Spiel Ghanas bei der WM-Endrunde 2010. Doch hier bei der FIFA U-17-Weltmeisterschaft 2013 in den Vereinigten Arabischen Emiraten hat Gyan nun die potenziellen Stars der Zukunft ins Visier genommen und freut sich über deren Leistungen.

"Da sind einige sehr starke Talente dabei. Das kann man auf den ersten Blick erkennen", meinte Gyan gegenüber FIFA.com in der Halbzeitpause der Achtelfinalpartie zwischen Nigeria und Iran im Khalifa Bin Zayed Stadium in Al Ain. "Man sieht, dass wir uns in Afrika beständig verbessern. Wir haben sehr viele Talente. Eines Tages können diese Jungs große Stars sein. Sie sind erst 16, 17 Jahre alt und stehen erst ganz am Anfang ihrer Karriere. Aber ich habe schon genug gesehen, um sagen zu können, dass einige von ihnen das Zeug dazu haben, es sehr weit zu bringen."

Gyan wurde in den letzten zwei Spielzeiten Torschützenkönig in der Arabian Gulf League der VAE, nachdem er vom englischen Klub AFC Sunderland zu Al Ain, dem elfmaligen Meister der Emirate, wechselte. Der 27-Jährige hatte zuvor für Udinese Calcio in Italien und für Stade Rennes in Frankreich gespielt und hat bislang 76 Länderspiele für sein Heimatland Ghana bestritten. Afrikas Fussballer des Jahres 2010 hat beste Chancen, im kommenden Sommer in Brasilien zum dritten Mal in Folge mit Ghana bei einer FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ dabei zu sein. Dass sich Ghanas erfolgreichster Torjäger auskennt, wenn es darum geht, was man zum Erreichen der Spitze benötigt, ist unbestritten.

"Mein Wechsel zu Al Ain war eine großartige Entscheidung", so Gyan entspannt. Er fühlt sich sichtlich wohl in der Oasenstadt mitten in der Wüste, gut 150 Kilometer entfernt von der Hektik der Küstenstädte Dubai und Abu Dhabi.

Beim Spiel der Nigerianer, einem der offensivstärksten Teams bei der U-17-Endrunde, war stets ein zufriedenes Lächeln in Gyans Gesicht zu erkennen. Er lachte und scherzte mit seinem Klubkameraden, dem VAE-Nationalspieler Omar Abdulrahman. "Ich spiele wieder richtig gern Fussball, und mit Ghana läuft es im Moment auch sehr gut. Ich genieße einfach das Leben."

Lobende Worte vom Top-Torjäger
Besonderes Lob bekamen die jungen Nigerianer Kelechi Iheanacho und Taiwo Awoniyi. "Nigeria und Ghana sind sich sehr nahe. Natürlich sind wir Rivalen, wenn es um den Fussball geht. Aber ansonsten sind wir wie Brüder", so Gyan, der Gleiches auch über die Elfenbeinküste sagen könnte, die erstmals seit 26 Jahren wieder die Viertelfinalrunde des Turniers erreicht hat. "Wann immer ich mit Nigerianern zusammenkomme, ist es wie ein Familientreffen. Wir sind sozusagen das gleiche Volk."

Da in den VAE die neue Saison bereits begonnen hat, ist Gyans Zeit begrenzt. Schließlich jagt er in Diensten von Al Ain erneut nach der Spitzenposition in der Torjägerwertung. Mit einem verwandelten Elfmeter trug er am Donnerstag gegen Al Nasr aus Dubai zum dramatischen 3:2-Heimsieg seines von Quique Sanchez Flores trainierten Teams bei, zu dem auch der brasilianische Flügelspieler Michel Bastos gehört.

"Ich habe im Moment viel mit dem Training und anderen Team-Verpflichtungen zu tun", so Gyan, der auch beim 6:1-Kantersieg gegen Ägypten im Playoff-Hinspiel um die Qualifikation für Brasilien 2014 traf. "Aber ich will mir hier auf jeden Fall noch mindestens ein weiteres Spiel anschauen. Es macht mir großen Spaß, diese Youngsters zu unterstützen, und es ist wirklich toll, ihnen zuzuschauen", so Gyan zum Abschluss. Und wenn die jungen Fussballer wüssten, dass einer der Topspieler Afrikas auf der Tribüne sitzt, dann wären sie wohl noch ein wenig nervöser.