FIFA U-17-Weltmeisterschaft Finnland 2003

FIFA U-17-Weltmeisterschaft Finnland 2003

26. Oktober - 17. November

FIFA U-17-Weltmeisterschaft 2003

Torflut in Helsinki, Losentscheid in Turku

DER TAG IN DER RÜCKSCHAU – Der fünfte Spieltag der FIFA U-17-Weltmeisterschaft Finnland 2003 brachte zwei Viertelfinalpaarungen, eine wahre Torflut in Helsinki und einen verblüffenden Endstand in Gruppe B. Nicht weniger als fünfzehn Tore fielen an diesem kühlen Abend in der finnischen Hauptstadt, wobei die Gastgeber in Gruppe A gegen einen entfesselten Gruppenersten aus Kolumbien mit 1:9 unter die Räder kamen. Auch das argentinische Team bewies seine Klasse mit einem 1:0-Sieg über Nigeria, der ihm im verregneten Turku den ersten Platz in Gruppe B sicherte, während Costa Rica mit einem 2:0 gegen Australien einen Losentscheid in der ausgeglichensten aller Vorrundengruppen erzwang. Nach dieser Auslosung, die hinter verschlossenen Türen stattfand, standen die mutigen Mittelamerikaner genau wie Mexiko als Gruppenzweiter und Viertelfinalteilnehmer fest – die Glücksfee hatte gegen Nigeria entschieden.
Obwohl bereits ausgeschieden, zeigte sich das Team aus China im Spiel gegen Mexiko im Töölö-Stadion wild entschlossen, wenigstens einen Punkt mit nach Hause zu nehmen – das 3:3 gehörte daher auch zu den aufregendsten Spielen der Gruppenphase. Nachdem sie bereits zum dritten Mal in diesem Turnier einen 1:0-Vorsprung verspielt hatten, bliesen die Chinesen zum Sturm und gingen verdient mit 2:1 in Führung. Doch als eine Rangelei nahe des mexikanischen Strafraums mit der Hinausstellung eines chinesischen Spielers endete, glitt den Asiaten auch dieser Vorsprung wieder aus den Händen. Doch neun Minuten vor Schluss konnte China erneut ausgleichen und sich damit den ersten und einzigen Punkt in diesem Turnier sichern.
Hao Junmin schlängelte sich durch die gegnerische Verteidigung und passte zentimetergenau auf den quirligen Jiang Chen, der mit einem harten Flachschuss sein drittes Tor in diesem Turnier markierte. Es war das einzige Tor in diesem Spiel, dass mit dem Fuß erzielt wurde und nicht aus einer Standardsituation heraus fiel.
Dank des Unentschiedens zieht Mexiko als Gruppenzweiter ins Viertelfinale ein; in Lahti kommt es nun zum faszinierenden Duell gegen Argentinien, den Ersten der Gruppe B. China dagegen muss seine Finalträume begraben und die Rückreise antreten – ebenso wie die enttäuschende Republik Korea, die in Gruppe D ebenfalls nach drei Spielen ausschied. Damit ist aus dem Bereich der asiatischen Konföderation nur noch der Jemen (Gruppe C) übrig.
Nach dem Spiel erzählte Rafael Murguia, mit welch inspirierenden Worten Trainer Humberto Grondona seine Mannschaft in der Halbzeit aufgerüttelt hatte: "Er sagte uns: 'Wenn ihr euch fürs Viertelfinale qualifizieren wollt, dann reißt euch jetzt langsam zusammen und fangt an, Fussball zu spielen.'"

Mexiko nach Sechstore-Krimi qualifiziert
Argentinien sicherte sich in Turku relativ problemlos den Sieg in Gruppe B: Alejandro Faurlin nahm auf akrobatische Weise einen Pass an und überwand Nigerias Torwart Ambruse Yanzekin mit einem strammen Schuss zum ersten und einzigen Tor des Spiels.
Die Worte des argentinischen Trainer Hugo Tocalli nach Spielende vermittelten einen Eindruck davon, mit welchem - durchaus berechtigten - Selbstvertrauen seine Mannschaft in das kommende Viertelfinale gegen Mexiko geht:
"Es war von jeher unser Ziel, alle sechs Spiele in Finnland zu gewinnen", so Tocalli. Und nach neun Punkten aus drei Spielen, keinem einzigen Gegentor und angesichts der Tatsache, dass Kapitän Lucas Biglia nach seiner Verletzung wieder ins Team zurückgekehrt ist, kann man den Albiceleste beste Chancen auf den Titel des FIFA U-17-Weltmeisters einräumen.

Argentinien problemlos weiter, Nigeria vom Glück verlassen
Finnland fassungslos, Losentscheid in Turku
Nach einem erfolgreichen Freistoß von Kolumbiens Carlos Hidalgo mussten die tapferen Finnen schon ab der 15. Minute einem Rückstand hinterher laufen. Doch obwohl sie sich mit aller Macht dagegen stemmten, erlitten sie eine der schwersten Niederlagen in der Geschichte dieses Jugendturniers und kamen mit 1:9 unter die Räder. Hidalgo war nicht zu bremsen: Er erzielte drei weitere Treffer, stellte damit Freddy Adus Rekord von vier Toren in einem Spiel ein und stieg mit ihm zum aktuellen Torschützenkönig des Turniers auf. Gustavo Adrian Ramos gelang ebenfalls ein Hattrick, während Kapitän Fredy Guarin und Juan Gilberto Nunez sich mit je einem Treffer in die Torschützenliste eintrugen.

Kolumbien düpiert die Gastgeber mit neun Toren
Wahrend die Treffer in der Hauptstadt wie aus heiterem Himmel zu fallen schienen, öffnete sich in Turku der Himmel und setzte das Spielfeld, auf dem Costa Rica gegen das bereits ausgeschiedene Australien antrat, mit immer neuen Regenfluten unter Wasser.
Für die Ticos ging es um Alles oder Nichts - und so stürzten sie sich im letzten Spiel der Gruppe B auf ihren australischen Gegner. Die schnellen Australier gaben ihr Bestes und versuchten mit großem Einsatz, eine dritte Niederlage in Folge abzuwenden. Doch nachdem sie durch den Platzverweis von Matt Hilton bereits ab der ersten Hälfte nur noch mit zehn Mann auf dem Feld standen, war das Endergebnis absehbar: Ein Elfmeter von Pablo Rodriguez und ein weiteres Tor von Alonso Salazar (beide in der zweiten Halbzeit) ließen Costa Rica in einer verbissen geführten, kampfbetonten Partie den Sieg über die Australier davontragen. Und mit diesem Endstand wurde das nahezu Unglaubliche plötzlich Wirklichkeit: Die Mittelamerikaner beendeten die Gruppenspiele mit der gleichen Punktzahl wie Nigeria, mit dem gleichen Torverhältnis - und mit einem Unentschieden im direkten Aufeinandertreffen. Somit musste das Los über den zweiten Platz in dieser Gruppe (und damit einen Platz im Viertelfinale) entscheiden.

Glücksfee versetzt Ticos in den siebten Himmel
Während die Spieler aus Costa Rica und Nigeria nervös auf den Nägeln kauten oder den Himmel um Unterstützung anflehten, wurde je ein Vertreter der beiden Teams in das Büro des Chefkoordinators gebeten.

Das Reglement der FIFA U-17-Weltmeisterschaft 
Für beide Teams schien es eine Ewigkeit zu dauern: Doch als das Endergebnis endlich feststand, konnte man die Freudenschreie aus der costaricanischen Kabine beinahe bis nach Helsinki hören, wo der Sieger der Gruppe A, Kolumbien, ebenfalls sein – etwas konventionelleres – Vordringen ins Viertelfinale bejubelte.

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