FIFA U-17-Weltmeisterschaft Chile 2015

06 - 28 Oktober

FIFA U-17-Weltmeisterschaft 2015

Syrien: Stolz trotz aller Widrigkeiten

© FIFA.com

"Wir glauben, dass in diesen schwierigen Zeiten im Leben der Syrer unsere Teilnahme am Turnier unabhängig vom Abschneiden dem syrischen Volk Freude bereiten wird. Die Lage in unserem Land macht unsere Präsenz hier noch wichtiger."

Syriens U-17-Trainer Mohammad Al Attar ist sichtlich stolz darauf, sein Land zu vertreten, und scheut sich auch nicht, die bestehenden Probleme anzusprechen. Die schwierige Lage in Syrien und die sich daraus ergebende Flüchtlingskrise haben seinem jungen Team im Vorfeld der FIFA U-17-Weltmeisterschaft das Leben schwer gemacht. In Zeiten wie diesen braucht man positive Aussichten und Al Attar betont, dass sein Team entschlossen ist, auf dem Platz eine positive Seite des Landes zu zeigen. Der Fussball hat bereits in der Vergangenheit das Land zusammengeschweißt und für eine positive Stimmung gesorgt und Syriens Trainer hofft, dass dies erneut gelingen wird.

"Es ist für jeden Syrer eine große Ehre, dass wir in diesen für unser Land schwierigen Zeiten an dieser großen Weltmeisterschaft teilnehmen", erklärte Mohammad Al Attar zum Stellenwert der Teilnahme seines Landes am Turnier in Chile. Im Gespräch mit FIFA.com am Tag nach der 1:4-Niederlage seines Teams gegen Paraguay im ersten Spiel der Gruppe F gelang es dem syrischen U-17-Trainer, dem Ergebnis durchaus positive Seiten abzugewinnen.

"Wir sind das einzige arabische Team, das es bis in die Endrunde geschafft hat", erklärt er. "Die bloße Teilnahme an diesem internationalen Turnier macht uns stolz und verleiht uns genau den moralischen Schub, auf den wir gehofft hatten, nachdem wir in den vergangenen zwei Jahren so große Anstrengungen unternommen haben."

Wichtige öffentliche Unterstützung*
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Trotz der schwierigen Situation im eigenen Land hat die syrische Öffentlichkeit ihr Team nicht vergessen, und so blieben viele Fans bis zum Morgengrauen auf, um das Spiel ihrer Mannschaft in Chile zu verfolgen. "Die Fans in Syrien zeigen schon seit Jahrzehnten ihre große Leidenschaft", versichert Al Attar. "Wenn eine syrische Mannschaft an einem Turnier im Ausland teilnimmt, dann ist jeder wie elektrisiert und unterstützt das Team, wo er nur kann."

Diese glühende Liebe zum Fussball im eigenen Land bekamen die jungen Helden auch bei den Auftritten auf der internationalen Bühne zu spüren und so erreichten sie bei den letzten beiden Teilnahmen - an der U-20-Weltmeisterschaft 2005 und der U-17-Weltmeisterschaft 2007 - jeweils die K.o.-Runde.

"Wir haben das Land geeint, denn jeder sprach über die Nationalmannschaft", erinnert sich Al Attar. "Auch dieses Mal wird es sicher nicht anders sein."

Schwierigkeiten überwinden*
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Im Verlauf der Vorbereitung musste die syrische Auswahl viele Schwierigkeiten überwinden. So bereitete man sich in Damaskus, Latakia und schließlich in Russland vor - ein Sinnbild für die Rastlosigkeit der syrischen Flüchtlinge in aller Welt. Während der Vorbereitung auf das Turnier sorgten die Probleme in der Heimat dafür, dass die Stimmung im Trainingslager sehr gedrückt war.

"Wenn man lange Zeit in einem Trainingslager konzentriert ist, dann kann das sehr anstrengend werden", erzählte Al Attar. "Wir haben versucht, dieses Problem dadurch anzugehen, dass wir die Informationen aus der Heimat auf ein Mindestmaß beschränkt haben. Wir legen besonderen Wert darauf, dass jeder Spieler in den Partien alles gibt und nur noch unsere Fahne und die Unterstützung Syriens im Kopf hat."

Die moderne Technologie hat Einiges dazu beigetragen, die Stimmung im Kader zu verbessern. So erklärt die Nummer 9 des Teams, Naeem Ghazal, wie wichtig die weltweite Verbindung zur syrischen Gemeinschaft ist.

"Wir waren in der Lage, uns zu unterhalten oder Videogespräche zu führen. Alle Spieler brauchen diese Unterstützung", erzählt Ghazal. "Nach unserer Niederlage gegen Paraguay haben wir auch einige negative Reaktionen [in den sozialen Medien] erwartet, aber stattdessen haben wir positive Reaktionen und grenzenlose Unterstützung von allen erhalten. Sie [die Fans] haben uns zu unserer Leistung und unserer Entschlossenheit gratuliert und uns angespornt, in unseren nächsten Spielen besser abzuschneiden."

Unterstützung erfuhren sie jedoch nicht nur von Verwandten und Landsleuten in Syrien. Beim Besuch der syrisch-arabischen Schule in Puerto Montt wurden die Spieler von den Einheimischen herzlich empfangen. Die vor mehr als vier Jahrzehnten gegründete Schule vermittelt ihren Schülern, die in erster Linie syrischer Herkunft sind, arabische Traditionen und Gebräuche. Die Schüler hielten syrische Flaggen, sangen die Nationalhymne, machten Fotos, nahmen Autogramme von den Spielern entgegen und bolzten ein wenig mit dem Team. Die familiäre Atmosphäre so fern der Heimat war eine dringend benötigte Erfahrung für die Spieler.

Konzentration und Selbstvertrauen*
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Trotz der Niederlage zum Auftakt gegen Paraguay hoffen die Syrer noch auf einen Platz in der K.o.-Runde, wenn sie Neuseeland schlagen, das seinerseits im ersten Spiel eine klare Niederlage gegen Frankreich kassierte. Im Anschluss an den Besuch der syrisch-arabischen Schule in Chile setzten sich die Spieler mit ihren Familien in der Heimat in Verbindung und so kennt ihr Enthusiasmus nun vor der nächsten Partie für ihr Land keine Grenzen. Der Fussball sorgt für ein wenig Abwechslung in diesen schwierigen Zeiten in Syrien und drei Punkte gegen Neuseeland würden das ersehnte Lächeln in jedes syrische Gesicht auf der ganzen Welt zaubern.

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