FIFA U-17-Weltmeisterschaft Chile 2015

06 - 28 Oktober

FIFA U-17-Weltmeisterschaft 2015

Pacheco und seine ehrgeizigen Ziele mit Peru

© Getty Images

Fernando Pacheco ist gerade einmal 15 Jahre alt und hat bereits etwas erreicht, was selbst Stürmern wie Jefferson Farfán, Paolo Guerrero oder Claudio Pizarro verwehrt geblieben ist - ein Titelgewinn mit der Auswahl Perus außerhalb Südamerikas. Der Nachwuchsspieler gehörte zu den Torschützen und herausragenden Akteuren der peruanischen Mannschaft, die das Olympische Junioren-Fussballturnier Nanjing 2014 gewann. Ab Mittwoch stellt sich der junge Mann zwei weiteren großen Herausforderungen, in der Hoffnung, die unglückliche jüngere Fussballgeschichte seines Landes zu verändern. Bei der U-17-Südamerikameisterschaft in Paraguay will Peru einen der vier Startplätze für die FIFA U-17-Weltmeisterschaft in Chile ergattern sowie nach dem kontinentalen Titel streben.

Um dies zu erreichen, vereinte Peru seine zwei seit langer Zeit erfolgreichsten Generationen: den siegreichen Jahrgang von Nanjing sowie die Mannschaft, die 2013 die U-15-Südamerikameisterschaft in Bolivien holte. Es war damals der erste kontinentale Titelgewinn Perus seit dem Triumph bei der Copa America 1975.

"Wenn wir alle unseren Teil beitragen, gehören wir zu den Favoriten. Wir wollen zur WM, und ich weiß, wie gut unsere Mannschaft ist. Es ist uns schon einmal gelungen, wir können es erneut schaffen", sagt Pacheco im Vorfeld des Turniers selbstbewusst, aber ohne Überheblichkeit, im Gespräch mit FIFA.com.

"Wir haben eine ganz schön schwere Gruppe erwischt, doch wir werden kämpfen. Der Trainer spricht viel mit uns, damit wir ruhig bleiben und gut vorbereitet sind", erklärt der Spieler von Sporting Cristal. In Gruppe A bekommen es Pacheco und seine Mannschaft mit Paraguay, Brasilien, Venezuela und Kolumbien zu tun. Vor allem letztgenanntes Team ist seiner Ansicht nach "neben Uruguay und Argentinien ein Titelkandidat".

Ein Großvater und "JJ"
Beim genannten Trainer handelt es sich um Juan José "JJ" Oré, den Architekten nicht nur dieses Erfolges. Er stellte die jüngste Sieger-Mannschaft zusammen, aber auch schon jene Auswahl, die 2007 bei der U-17-WM in Korea Republik das Viertelfinale erreichte. Es war damals übrigens die einzige WM-Teilnahme in dieser Alterskategorie, die Peru aus eigener Kraft geschafft hatte. Beim Turnier 2005 war das Team als Gastgeber dabei gewesen.

"Er zeigt uns Videos unserer Gegner. Er will, dass wir eine Mannschaft mit gutem Spielaufbau im Mittelfeld sind, ohne lange Bälle. Von mir verlangt er immer, dass ich einfache Dinge tun und keine Angst davor haben soll, so zu spielen, wie ich es kann."

Oré war es auch, der Pacheco wieder in die Sturmspitze beorderte. Der La Foca genannte junge Mann begann zwar als Stürmer, wurde aber seit seiner Ankunft bei Sporting Cristal 2012 auf dem rechten Flügel oder als defensiver Mittelfeldspieler eingesetzt. Eines Tages im Training der U-15-Mannschaft postierte ihn der Coach wieder im Angriff. Eine Entscheidung, die sich in Nanjing auszahlen sollte. Für das Turnier in Paraguay indes ist auch eine andere Lösung denkbar. "Manchmal setzt er mich als Stürmer ein, manchmal aber auch als rechter Mittelfeldspieler, der angreift und verteidigt. Am Anfang hatte ich etwas Mühe, da es eine neue Altersklasse war. In die Zweikämpfe gehen, den Ball abschirmen - doch jetzt bin ich kräftiger und habe mich daran gewöhnt."

Als sein Großvater ihn früher an der Hand zum nahe gelegenen Fussballplatz mitnahm, waren körperliche Aspekte noch kein Thema für Fernando. Er war fünf Jahre alt und wollte einfach nur gegen den Ball treten und den Größeren beim Spielen zuschauen. "Dort verliebte ich mich dank meines Großvaters in den Fussball." Pacheco war damals schon Fan des FC Barcelona um Ronaldinho und verfolgte jedes Spiel im Fernsehen. Später, als er schon das weiß-blaue Trikot seines Heimatklubs Union Bujama trug, begann er die Schusstechnik von Andrea Pirlo zu bewundern. "Ich schieße immer von außerhalb des Strafraums, auch Freistöße. Ich habe schon mehrere Tore so gemacht."

Sein wichtigstes war der Treffer aus der Distanz gegen Korea Republik, der Peru im Finale von Nanjing den Sieg bescherte. Noch immer hallen in seinen Ohren die Willkommensrufe in Lima nach: "Einen so großen Empfang hätten wir nicht erwartet. Es waren so viele Menschen da, daran waren wir nicht gewöhnt. Wenn ich heute daran denke, bin ich glücklich darüber, in so jungem Alter etwas so Großes erreicht zu haben."

Reife Entscheidungen, um den Druck zu ertragen
Diese Goldmedaille, zusammen mit dem Erfolg des vorherigen U-15-Jahrgangs, hat bei den leidenschaftlichen Fans riesige Erwartungen geweckt. Für die Peruaner sind die Erfolge der 70er-Jahre nur noch Geschichten aus grauer Vorzeit, sie sehnen sich nach mehr. Die A-Nationalmannschaft war seit 1982 nicht mehr bei einer WM. Für die Jotitas, wie die Mannschaften von "JJ" Oré genannt werden, ist diese Verantwortung eine schwere Bürde.

"Man spürt den Druck. Ich traf Fans, die sagten: 'hoffentlich erreicht ihr etwas'. Einerseits finde ich das gut, andererseits ist es schwer. Sie sagen es auf eine Art und Weise, als ob alles wie immer wäre, wenn wir nichts gewinnen", klagt er.

An der nötigen Ernsthaftigkeit fehlt es dem jungen Spieler jedenfalls nicht. Pacheco, der schon jetzt weiß, dass er nach seiner aktiven Zeit Trainer werden will, ist lernwillig und wissbegierig und trifft für sein Alter erstaunlich reife Entscheidungen. "Ich spiele gerne an der PlayStation, doch nach Paraguay nehme ich sie nicht mit. Nicht, weil der Trainer es nicht will. Ich denke selbst, dass es uns ablenken kann."

Ziemlich erwachsene Gedanken, die vor allem einen "weiteren Erfolg bei der Südamerikameisterschaft" ermöglichen sollen. Doch Pacheco will dies auch als Botschaft an den peruanischen Fussball verstanden wissen. "Wir haben etwas Wichtiges dafür getan, dass der Basis an Spielern in Peru mehr vertraut wird. Es gibt überraschende Spieler, die noch viel von sich reden machen können."

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