FIFA U-17-Weltmeisterschaft Peru 2005

FIFA U-17-Weltmeisterschaft Peru 2005

26. Oktober - 17. November

FIFA U-17-Weltmeisterschaft 2005

Mit Tahin, Pekmez und Sekerpare zum Erfolg

In der türkischen U-17-Nationalmannschaft überlässt man nichts dem Zufall. Wenn Spieler, Trainer und Teammitglieder ihre Nachtruhe beenden, ist einer schon lange auf den Beinen. Chefkoch Mustafa Alkan (46) steht in der Großküche des Mannschaftshotels und bereitet ganz alleine das Frühstück vor, ebenso wie alle anderen Mahlzeiten des Tages. Um 10 Uhr strömen dann die Mitglieder der Mannschaft in den Speisesaal im ersten Stock und lassen sich von den Köstlichkeiten Alkans verwöhnen. An diesem Vormittag des Halbfinalspiels der Türkei gegen Brasilien gibt es verschiedene Käsesorten (junger Käse, alter Käse, Schafskäse), Oliven, Tomaten, Eier sowie Tahin und Pekmez, türkische Spezialitäten, bei denen Sesamkörner zu einem Mus verarbeitet werden.

Seit 1996 kocht Alkan für die türkischen Nationalmannschaften, wenn es zu Turnieren an Orte geht, die weit entfernt von der Heimat sind. Normalerweise kümmert er sich um das U-21-Team, doch diesmal steht er der U-17-Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft in Peru zur Seite. Der Kontakt zum türkischen Verband kam damals über Freunde zustande, Alkan hatte sich zuvor im bekannten Istanbuler Restaurant Köse Basi Kebabçi einen Namen gemacht: Dort arbeitet er immer noch, wenn er nicht für den türkischen Verband im Einsatz ist.

"Ich bin stolz, dass ich für die türkischen Spieler kochen darf, das macht mir großen Spaß. Ich liebe mein Land, deswegen trage ich gerne mit meiner Arbeit zum Gesamterfolg bei", freut sich Alkan. Für ihn begann die Arbeit schon lange vor dem Turnier. Mehr als 300 Kilogramm Lebensmittel wurden aus der Heimat mit nach Peru genommen, davon alleine 135 Kilogramm Käse, 20 Kilogramm Oliven oder 35 Kilogramm Kuchen.

Kein Wunder, dass alle im türkischen Team von den Kochkünsten Alkans begeistert sind. "Ich sammle Kochbücher aus aller Welt, ich habe eine ganze Menge davon. Dann picke ich mir die besten Rezepte heraus und verfeinere sie so, dass sie dem türkischen Geschmack angepasst sind. Die anatolische Küche ist sehr vielfältig, das Kebap ist zum Beispiel großartig." 300 bis 400 Gerichte kann Alkan sogar aus dem Gedächtnis kochen. "Das ist gar nicht so viel, wenn man bedenkt, dass ich seit 37 Jahren koche", meint er bescheiden.* * Kohlehydratreiche Kost vor dem Spiel

In der Kaffeepause um 13 Uhr gibt es Kuchen, Biskuit, Toast und Bananen. Dazu wahlweise Tee, Kaffee, Milch oder Orangensaft. Mit großer Freude nehmen wir die Einladung zum späten Mittagessen um 15.30 Uhr mit den Spielern an - nur dreieinhalb Stunden vor dem wichtigen Spiel gegen Brasilien. Während des Essens sind nur vereinzelt ein paar Stimmen der Spieler zu hören, die Konzentration auf die bevorstehende Partie hat bereits eingesetzt. Auf dem Speiseplan stehen nun vor allem Kohlehydrate. Es gibt Spaghetti mit viel Käse, aber ohne Soße. Dazu Huhn, diverse Salate, Bananen, Tomaten und als Nachspeise Apfelkompott. In Windeseile nehmen die Spieler ihr Essen zu sich, bevor sie genauso ruhig, wie sie gegessen haben, den Speisesaal wieder verlassen.

Alkan erklärt uns, dass die Spieler leicht zufrieden zu stellen sind. "Sie mögen alles, was ich Ihnen zubereite. Im Restaurant in Istanbul ist es ganz normal, dass die Leute verschiedene Salate und verschiedene Desserts haben wollen, aber hier wird der Speiseplan vom Mannschaftsarzt und dem Team zusammengestellt."

Minutiöse Ernährungspläne
Bereits drei Monate vor dem Turnier wurden minutiös verschiedenartigste Ernährungspläne für die Spieltage und die Tage zwischen den Spielen erstellt. Und wenn ein Spieler Extrawünsche hat? "Dann müssen sie erst mit dem Arzt und den Teamverantwortlichen abgestimmt werden, ich koche erst etwas anderes, wenn ich grünes Licht habe. Schon vor dem Turnier machen wir eine Liste mit verschiedenen Vorschlägen, z. B. für Desserts und dann wird das zubereitet, für das sich die Mehrheit entschieden hat." Nach der bitteren 3:4-Niederlage gegen Brasilien gab es um 21.30 Uhr ein spätes Abendessen mit allem, was das Herz begehrt. Doch den Spielern war an diesem Abend der Appetit vergangen. Suppe, Kartoffeln, Reis, türkische Bohnen, Steak sowie verschiedene Salate und Desserts. Eine besondere Spezialität ist das angenehm süß schmeckenden Sekerpare. Dabei handelt es um ein Mandelgebäck, das mit Zuckersirup gesüßt wird.

Als die Spieler das Abendessen beendet haben, findet auch Mustafa Alkan endlich Zeit zum Essen. Als der Tag sich dann schließlich dem Ende neigt, heißt es für Alkan bis zum nächsten Morgen wieder Energie aufzutanken. Nach nur sechs Stunden Schlaf fängt für den sympathischen Chefkoch die Arbeit wieder von vorne an...

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