FIFA U-17-Weltmeisterschaft Nigeria 2009

FIFA U-17-Weltmeisterschaft Nigeria 2009

26. Oktober - 17. November

FIFA U-17-Weltmeisterschaft 2009

Kolumbiens "Joker"

Jean Blanco, Hector Quinones and Jorge Luis Ramos of Colombia
© Getty Images

In der 88. Spielminute des Achtelfinales gegen Argentinien waren die Kolumbianer schon so gut wie ausgeschieden. Auch in der Partie gegen die Türkei konnte quasi erst in letzter Sekunde das Ausscheiden verhindert werden. Nun jedoch stehen die Cafeteros im Halbfinale der FIFA U-17-Weltmeisterschaft Nigeria 2009, während die Argentinier und Türken bereits die Heimreise antreten mussten. Gleich zwei Mal zeichneten sich dabei die Auswechselspieler aus, die jeweils in letzter Minute für ein nicht mehr für möglich gehaltenes Wunder sorgten. Da hätten wir also zum einen Trainer mit einem guten Riecher und zum anderen sehr effiziente Auswechselspieler. FIFA.com hat die Trümpfe auf der kolumbianischen Bank einmal genauer unter die Lupe genommen.

"Sie müssen nicht denken, dass ich meine Spieler dazu auffordere, erst aktiv zu werden, wenn wir zurückliegen", erklärte der kolumbianische Trainer Ramiro Viáfara lächelnd nach dem Spiel gegen die Türkei, das die Kolumbianer erst im Elfmeterschießen für sich entscheiden konnten. "Die erste Lektion, die ich im Fussball gelernt habe, war, dass alles möglich ist, solange der Schiedsrichter das Spiel noch nicht abgepfiffen hat." Die zweite könnte vielleicht gewesen sein, dass hinter dem Erfolg nicht nur die Startelf, sondern das gesamte Kollektiv steht. Nimmt man beides zusammen, so hat man eine gute Erklärung dafür, dass die Kolumbianer das Halbfinale der FIFA U-17-Weltmeisterschaft Nigeria 2009 erreicht haben.

Gegen die Südamerikaner gelang der Ausgleich durch Jean Blanco erst in der 88. Minute. Und er selbst war gerade einmal seit zwei Minuten im Spiel. "Ich wusste, dass wir uns Tormöglichkeiten erspielen können und wollte unbedingt eingewechselt werden, um meiner Mannschaft zu helfen", erinnerte sich der Torschütze wenige Stunden nach der Ankunft in Lagos im Interview mit FIFA.com. "Natürlich gibt es nichts Schöneres, als in der Anfangsformation zu stehen. Aber ich freue mich natürlich auch darüber, dass ich von der Bank kommen und meiner Mannschaft direkt zu einem Tor verhelfen kann. Wenn sich eine Gelegenheit bietet, muss man sie auch nutzen."

Mehr als bloßer Zufall
Und Hector Quiñones schien sich drei Minuten später vorgenommen zu haben, seinem Mitspieler nachzueifern. Der Verteidiger von Deportivo Cali wurde ebenfalls in der zweiten Halbzeit eingewechselt und schoss seine Mannschaft mit der letzten Aktion des Spiels ins Viertelfinale. "Der Trainer bereitet uns genau auf diese Situationen vor", erklärte er nach der Partie und brachte damit zum Ausdruck, dass das Lob nicht ihm sondern seinem Trainer gebühre. "Er hat uns versichert, dass er uns allen voll und ganz vertraut, aber nun einmal nicht mehr als elf Startspieler auswählen kann. Es ist also nicht wichtig, ob wir in der Anfangsformation stehen oder eingewechselt werden. Wir sind alle in der Lage, in kritischen Situationen zu helfen."

Wer jedoch glaubt, dass die Kolumbianer mit ihren Einwechslungen nur Glück gehabt haben, der wurde in der nächsten Partie eines Besseren belehrt. Trainer Ramiro Viáfara, der von seinen Spielern "Professor" genannt wird, ist nämlich nicht nur ein Motivationskünstler, sondern darüber hinaus auch ein hervorragender Stratege. Die Auswechslungen waren jeweils eine direkte Reaktion auf die gegnerische Taktik. Im Spiel gegen die Türkei wurde dann kurz vor Schluss mit Jorge Luis Ramos einer der größten kolumbianischen Spieler eingewechselt. Er nutzte seine Körpergröße sogleich, um in der letzten Minute per Kopf den Ausgleichstreffer zu erzielen. Von bloßem Zufall kann also kaum die Rede sein.

Ein gemeinsames Ziel
Die Mannschaft zu retten bedeutet aber noch lange nicht, in der nächsten Partie in der Startelf zu stehen. Die Auswechselspieler wissen dies und nehmen es mit einem Lächeln. "Wir ziehen uns damit immer gegenseitig auf", gestand Ramos, der mit seinem Treffer gegen die Türkei die Verlängerung erzwungen hatte. "Blanco und ich haben es uns natürlich nicht nehmen lassen, den ausgewechselten Spielern unter die Nase zu reiben, dass wir das Spiel entschieden haben!" Das einsetzende Lachen scheint seine Aussagen zu bekräftigen. Anschließend werden die drei Spieler jedoch wieder ernst. "Unsere Stärke beruht auf unserem Aufopferungswillen und dem Stolz für die Nationalmannschaft zu spielen", meinte Ramos. "Und genau dank dieser Qualitäten haben wir das Halbfinale erreicht."

Im Halbfinale treffen sie nun auf die starken Schweizer. Die "Joker" der Kolumbianer sind in Gedanken jedoch schon viel weiter. "Wir sind mit dem Ziel angereist, sieben Spiele zu absolvieren. Mit dem Finale stehen noch zwei aus", fasste Blanco zusammen. "Alle Spieler haben dasselbe Ziel: Wir wollen Weltmeister werden."

Die Schweizer sollten sich diese letzte Aussage gründlich einprägen. Er hat ausdrücklich "alle" gesagt, und damit meinte er nicht nur die Spieler der Startelf.

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