FIFA U-17-WM VAE 2013

FIFA U-17-WM VAE 2013

26. Oktober - 17. November

FIFA U-17-Weltmeisterschaft 2013

Kanu: "Ohne den Titel wäre ich nicht hier"

Vor 20 Jahren gelang einem der bekanntesten Fussballer Afrikas bei der FIFA U-17-Weltmeisterschaft 1993 in Japan der erste große Erfolg auf der internationalen Bühne. Im Mittelkreis des Olympia-Stadions in Tokio reckte Nwankwo Kanu seine erste internationale Trophäe in die Höhe. Dies war der Beginn einer großen Karriere, in deren Verlauf er zu einer Legende der nigerianischen Nationalmannschaft avancieren sollte.

Im Gespräch mit FIFA.com blickt der ehemalige Stürmer der Super Eagles mit Stolz auf die Reise in den Fernen Osten zurück, die ihm den Weg zu einer langen und erfolgreichen Karriere ebnete, in deren Verlauf er in der Liste der Rekordnationalspieler seines Landes an die zweite Stelle rückte.

"Das ist lange her! Ich habe tolle Erinnerungen an dieses Turnier", erklärt er in seinem derzeitigen Wohnort Lagos. "Das eigene Land zu repräsentieren ist immer eine Ehre und dass wir das Turnier am Ende gewinnen konnten, war für das gesamte Team ein Riesending. Das hat uns dabei geholfen, uns einen Namen zu machen. Ich persönlich habe gut gespielt und damit meine Karriere auf den Weg gebracht. Ich bin zu Klubs wie Ajax und den nachfolgenden Vereinen gekommen. Ohne [diesen Erfolg] wäre ich heute nicht hier. Das war sehr wichtig."

Der ehemalige Spieler von Inter Mailand und dem FC Arsenal startete gleich mit einem Paukenschlag ins Turnier. Er erzielte in der ersten Minute von Nigerias Auftaktspiel gegen Kanada einen Treffer. Am Ende sollten es die Nigerianer auf 14 Treffer und keinen einzigen Gegentreffer bringen, und das in einer Gruppe, in der auch Argentinien und Australien vertreten waren. "Dieses Tor hat mich entspannt, und es ist sehr wichtig, frühzeitig Treffer zu erzielen, um Ruhe ins Team zu bringen", so Kanu rückblickend. "Dadurch hat die Mannschaft mehr Selbstbewusstsein bekommen und konnte sich von da an steigern."

Mit tollen Talenten gesegnet
Am Ende des Turniers kam es zum westafrikanischen Duell zwischen Nigeria und Ghana, was das ohnehin schon enorm wichtige Spiel für die damaligen Nachwuchsspieler noch bedeutender machte. "Natürlich war das ein großes Spiel, insbesondere weil es gegen Ghana ging. Die Ghanaer gehören zu unseren größten Rivalen. Wir sind zwar Brüder, aber das bringt auch immer den Wunsch mit sich, besser zu sein als der andere", meint er.

Mit Toren von Wilson Oruma und Peter Anosike sicherte sich das Team einen 2:1-Sieg. Die Tatsache, dass dieser Erfolg ausgerechnet gegen die Black Starlets gelang, war für Kanu und seine Teamkameraden das Sahnehäubchen auf dem Kuchen. "Weil es zwischen unseren beiden Teams entschieden wurde, war das Ganze für uns noch bedeutender. Als wir mit einem Sieg vom Platz gingen, war das für uns fast ein Doppelsieg!"

Das war Nigerias zweiter von bisher insgesamt drei Titeln bei der FIFA U-17-Weltmeisterschaft. Außerdem konnten die Afrikaner sich drei Mal den zweiten Platz sichern und sind damit die erfolgreichste Auswahl in der Turniergeschichte. "In Nigeria sind wir mit Talenten gesegnet, und viele junge Spieler schaffen den Durchbruch", meint er. "Sie wollen bei jeder Gelegenheit etwas beweisen."

Nach Ansicht des Stürmerroutiniers gibt es keinen Grund zu der Annahme, dass das aktuelle Team in den Vereinigten Arabischen Emiraten nicht an die Weltbestleistungen der Vorgänger anknüpfen kann. "Ich habe sie spielen gesehen. Ich habe gesehen, was sie leisten und glaube seitdem, dass sie Weltmeister werden können. Hoffen wir also, dass sie es schaffen, denn sie haben eine gute Mannschaft."

Sprungbrett zum Erfolg
Kanus Spitzenleistungen in Japan waren das Sprungbrett zum wohl größten Erfolg im grünen Trikot Nigerias. 1996 holte er mit dem Team nämlich beim Olympischen Fussballturnier in Atlanta (USA) die Goldmedaille. Dieses Turnier begann für ihn sogar noch denkwürdiger als das letzte. Als er an die Eröffnungszeremonie zurückdenkt, macht sich ein Lächeln auf seinem Gesicht breit. "Ich erinnere mich noch daran, dass ich gefragt wurde, ob ich einer der olympischen Fackelträger sein wollte. Das war schon etwas Besonderes. Und für uns war es natürlich etwas Besonderes, dorthin zu fahren, das Turnier als erste afrikanische Mannschaft zu gewinnen und auf dem Weg dorthin drei Riesenmannschaften zu schlagen."

Bei den drei Teams, die Nigeria in den K.o.-Runden aussteigen ließ, handelte es sich um Mexiko, Brasilien und Argentinien. Die besten Erinnerungen hat Kanu allerdings an den Sieg gegen den damaligen Weltmeister Brasilien im Halbfinale. Die Brasilianer liefen nämlich mit Größen wie Ronaldo, Rivaldo und Roberto Carlos auf. "Damals wusste jeder, dass sie die Besten der Welt waren, mit Spielern, die für Klubs wie Barcelona aktiv waren. Deshalb hatten wir auf jeden Fall etwas Angst vor ihnen", erklärt er rückblickend. "Aber das war ein Halbfinale und kein Spiel, dessen Ausgang wirklich vorherzusagen war. Schließlich hatten wir auch gute Spieler im Team, zum Beispiel Jay-Jay [Okocha] und [Daniel] Amokachi."

Als die Nigerianer dann zwölf Minuten vor Schluss mit 1:3 zurücklagen, schien die Sache schon gelaufen zu sein. Nach dem Anschlusstreffer von Victor Ikpeba keimte allerdings noch einmal Hoffnung auf. Und dann erzwang Kanu mit einem weiteren Tor die Verlängerung, in der er seinem Team dann mit einem beeindruckenden Golden Goal zum 4:3-Sieg verhalf. "Wir haben in der 90. Minute ausgeglichen. Da wussten wir, dass wir wieder im Spiel waren und dass wir es bis ins Elfmeterschießen schaffen könnten, was immer auch geschehen würde", sagt er.

"In der Verlängerung hatte ich dann aber einen magischen Moment, als ich den Ball nach einem Dribbling zum Golden Goal im Tor versenkte. In diesem Augenblick wussten wir, dass wir das Olympische Fussballturnier gewinnen würden."

Das Finale war ähnlich spannend. Erst mit einem Treffer von Emmanuel Amunike in letzter Minute sicherte sich das Team einen 3:2-Sieg gegen Argentinien. Nach dem Erlebnis in der letzten Runde zweifelten die Super Eagles allerdings nie daran, dass sie auch diese Partie gewinnen könnten. "Nachdem wir Brasilien geschlagen hatten – das Dream Team –, das unserer Meinung nach über die besten Spieler des Turniers verfügte, gingen wir voller Selbstvertrauen ins Finale. Für uns war das bereits das Finale gewesen. Gegen Argentinien dachten wir dann: 'Was auch passiert, wir fliegen – sie können uns nicht aufhalten.'"

Nach Kanus Ansicht werden er und seine Teamkameraden für diesen Triumph immer in Erinnerung bleiben. Schließlich war es ihnen gelungen, die europäische und südamerikanische Hegemonie bei den Olympischen Spielen zu brechen. "Dass wir sagen können, wir waren da und haben die Goldmedaille geholt, das ist schon etwas. Niemand hatte erwartet, dass wir das schaffen könnten und daher wird man es in Nigeria und wahrscheinlich auch im Rest der Welt nicht vergessen."

Konzentartion auf seine Stifzung Kanu Heart Foundation
In der Folge wurde Kanu zwei Mal zu Afrikas Spieler des Jahres gewählt, aber dennoch war er immer enttäuscht darüber, dass sich der Erfolg nicht auf den CAF Afrikanischen Nationen-Pokal oder auf die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft übertrug. Beim Nationen-Pokal waren die Super Eagles im Jahr 2000 ganz nah dran, mussten dann aber vor heimischem Publikum in Lagos gegen Kamerun mit dem zweiten Platz Vorlieb nehmen.

Bei der Weltmeisterschaft 1998 in Frankreich kam man über das Achtelfinale nicht hinaus. Dennoch erinnert sich Kanu noch immer gern an die WM-Teilnahmen von 2002 und 2010 zurück. "Jeder möchte sein Land bei einer Weltmeisterschaft repräsentieren, und dort möchte man drei Ziele erreichen. Zunächst einmal möchte man dabei sein, dann möchte man Spuren hinterlassen und als Drittes möchte man das Turnier gewinnen", erklärt Kanu. "Wenn man eines dieser Ziele erreicht, hat man das Gefühl, in seiner Fussballkarriere Erfolg gehabt zu haben."

Auf dieser Bühne sollte Kanu sich auch aus dem internationalen Fussball verabschieden. Seine letzte Partie für die nigerianische Nationalmannschaft war das 2:2 gegen die Republik Korea bei der WM 2010 in Südafrika. Mittlerweile konzentriert er sich vor allem auf seine im Jahr 2000 gegründete Stiftung Kanu Heart Foundation, die Kinder und junge Erwachsene mit Herzfehlern unterstützt. Er selbst hat diese Erkrankung 1996 überwunden.

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