FIFA U-17-Weltmeisterschaft Chile 2015

06 - 28 Oktober

FIFA U-17-Weltmeisterschaft 2015

Junge Syrer trotzen den Widerständen

© Others

Der Bürgerkrieg in Syrien begann vor inzwischen über drei Jahren. Er hatte schwerwiegende Folgen für den beliebtesten Sport des Landes. Die nationale Meisterschaft ruht seit der Saison 2010/2011, und die besten Spieler sind in die Nachbarländer emigriert.

Trotz dieser katastrophalen Situation gelang Syrien der Gewinn der Westasienmeisterschaft 2012, die in Kuwait stattfand. Die Erfolge der A-Nationalmannschaft scheinen auch den Nachwuchs inspiriert zu haben: Im vergangenen Jahr qualifizierte sich Syrien zum zweiten Mal in seiner Geschichte für die FIFA U-17-Weltmeisterschaft.

Angesichts der Umstände erschien die Qualifikation im Vorfeld als ziemlich unwahrscheinlich. Doch der Auswahlcoach Mohamed Al Attar führt diese Leistung auf "den Geist der Solidarität und auf den Zusammenhalt zwischen Spielern und Betreuern aufgrund der im mentalen Bereich geleisteten Arbeit" zurück.

Dabei hatte Syrien bei der U-16-Asienmeisterschaft eine schwere Gruppe mit Iran, Saudiarabien und Katar erwischt. Aber nach zwei Unentschieden gegen die Saudis (0:0) und die Kataris (1:1) gelang den Syrern ein Sensationserfolg gegen Iran (2:1). Dies bescherte ihnen den Einzug ins Viertelfinale, in dem sie sich mit einem Kantersieg gegen Usbekistan (5:2) das Ticket nach Chile 2015 sicherten. Es ist nach dem Debüt in Korea Republik 2007 die zweite Teilnahme Syriens an der U-17-WM.

Sein Team indes hatte im Vorfeld des Asien-Cups in Thailand so manche Schwierigkeit zu meistern, wie Al Attar berichtet: "Die Vorbereitung war nicht leicht, und wir konnten kein einziges internationales Freundschaftsspiel bestreiten. Wir mussten uns zur Vorbereitung mit einem Trainingslager in Kuwait begnügen, in dessen Verlauf wir gegen zwei einheimische Vereine gespielt haben. Der syrische Verband hat alles versucht, um Freundschaftsspiele im Ausland zu organisieren, doch es ist ihm nicht gelungen."

Trotz des Krieges, der in Syrien wütet, war die Leistung der Junioren "eine Freude für das syrische Volk", wie der 46-jährige Trainer unterstreicht. "Unsere Ergebnisse haben inmitten der Leiden, die unser Volk durchlebt, eine positive Wirkung gehabt."

Ein Weg voller Hindernisse**
Es ist nicht leicht für die Fussballer, ihrem Sport während des Krieges nachzugehen, zumal zahlreiche Spieler und Fans zu den Opfern oder Verletzten gehören. Umso bewundernswerter ist die Entschlossenheit von Al Attar und seinen Schützlingen, im Fussball Historisches zu erreichen.

"Das Leben geht weiter, unabhängig von den Umständen. Der Sport, insbesondere der Fussball, ist ein Mittel, um die Menschen in unserem Land die Probleme vergessen zu lassen. Die Qualifikation für die WM hat ihre Gedanken für einen Moment auf etwas anderes gelenkt", sagt Al Attar, der auch Trainer des Klubs Al Taliya ist.

Angesichts der Jugend seiner Spieler war zu erwarten, dass der Krieg erhebliche psychologische Auswirkungen auf sie haben würde. Aus diesem Grund haben Al Attar und seine Assistenten während der Vorbereitung den Fokus auf den mentalen Aspekt gesetzt. "Wir haben während des Trainingslagers versucht, die Spieler von diesem Tagesgeschehen zu isolieren, was die guten Ergebnisse möglich gemacht hat", so der Coach.

"Als wir in Thailand waren, galt unsere ganze Aufmerksamkeit dem Versuch, große Dinge für den syrischen Fussball zu erreichen. Wir haben an nichts anderes gedacht und die Situation in unserem Land außen vor gelassen, denn andernfalls hätte dies negative Auswirkungen auf die ganze Mannschaft gehabt."

Die Zukunft fest im Blick**
Nach dem vierten Platz bei der Asienmeisterschaft und der erfolgreichen WM-Qualifikation haben sich Al Attar und seine Schützlinge nun das Ziel gesetzt, in Chile das Ergebnis von 2007 zu verbessern. Damals scheiterten sie im Achtelfinale an England (1:3).

Die Situation hat sich seit dem Asien-Cup jedoch nicht verbessert, wie der Trainer anmerkt: "Die Umstände sind die gleichen, doch das hindert uns nicht daran, weiterzuarbeiten und uns gewissenhaft vorzubereiten. Wir finden uns mit der aktuellen Situation ab und trainieren in abgesicherten Regionen."

Gleichwohl ist es dem Auswahlcoach ein besonderes Anliegen, das Interview mit einer optimistischen Note abzuschließen: "Für mich war die Qualifikation für die WM eine großartige Leistung. Aus diesem Grund sind wir dazu bereit, uns jeder Probe zu stellen. Wir werden alles dafür tun, um trotz der Schwierigkeiten, die wir durchlaufen, in Chile von uns reden zu machen."

Al Attar verfügt inzwischen über die nötige Erfahrung, um die Hindernisse zu überwinden und seine Spieler einzuschwören. Nun müssen diese an ihre guten Leistungen anknüpfen, um einem gebeutelten syrischen Volk eine Freude zu bereiten.   

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