FIFA U-17-Weltmeisterschaft Peru 2005

FIFA U-17-Weltmeisterschaft Peru 2005

26. Oktober - 17. November

FIFA U-17-Weltmeisterschaft 2005

Jesús Ramírez: "Wir stehen Brasilien in nichts nach"

Bei seiner Ankunft in Peru Anfang September hatte Mexikos Trainer Jesús Ramírez mit mehr als einer seiner Äußerungen für Überraschung gesorgt. So erklärte er unter anderem: "Wir sind hierher gekommen, um Weltmeister zu werden. Das ist unser Ziel und darauf haben wir uns vorbereitet." Was für einige der Ausdruck eines überbordenden Selbstbewusstseins war, hat sich jedoch im Verlauf des Turniers zu einer berechtigten Prognose gewandelt. Aufgrund ihrer Tore, ihrer starken Abwehrarbeit und der großen mannschaftlichen Geschlossenheit hat die 'Tri' das erste Finale ihrer Geschichte bei einer FIFA-Weltmeisterschaft erreicht.

Der Trainer hat also seinen Ankündigungen Taten folgen lassen, und mit dem zuversichtlichen Lächeln eines Mannes, der nur noch einen Schritt von der Erfüllung seines Traums entfernt ist, empfing er FIFA.com, um über die bisherige Leistung seines Teams, die wichtigsten Aspekte des Turniers und das große Spiel am Sonntag zu sprechen.

Herr Ramírez, seit Ihrer Ankunft in Peru zeigten Sie sich überzeugt davon, dass sie das Finale erreichen würden. Wie geht es Ihnen jetzt, kurz vor diesem ersehnten Augenblick?Seit wir Mexiko verlassen haben, waren wir davon überzeugt, dass dies möglich sein würde. Wir haben es ersehnt, geplant, herbeigewünscht - und nun stehen wir im Endspiel. Wir wissen, dass in diesem Spiel nicht mehr so viel Druck auf uns lastet. Jetzt heißt es nicht mehr, "wenn wir nicht gewinnen, haben wir es nicht geschafft." Wir müssen nur noch gewinnen, um Weltmeister zu werden. Was uns hierher gebracht hat, war unser Glauben an das, was wir erreichen konnten. Wäre das nicht so gewesen, hätten wir das Finale nicht erreicht. Jetzt sind wir nur noch einen Schritt vom großen Ziel entfernt.

Kann man so einen Augenblick genießen? Oder ist die Anspannung einfach zu groß?
Wir haben eine Mannschaft, die eine große innere Freude verspürt, wir sind sehr entspannt. Aber gleichzeitig sind wir auch sehr verantwortungsbewusst. Natürlich lege ich auch großen Wert auf Disziplin, aber ich freue mich auch, dass die Jungen fröhlich sind. Und dieses Team ist wie eine Clique von Freunden, die sich wirklich sehr gern mögen. In meinem Land sieht man das nicht so gerne, man zieht ein kühleres, distanzierteres Verhältnis vor. Aber hier legen wir mehr Wert auf die Person und dann erst auf den Spieler. Das überträgt sich dann natürlich auch auf das Spielfeld.

Man sollte schließlich nicht vergessen, dass sie alle noch sehr jung sind, nicht wahr?
Genau. Auch ich verhalte mich jeden Tag noch wie ein Kind. So halte ich auch unseren Traum am Leben, den ich dann an die Jungen weitervermitteln möchte. Sie sollen auch beim Training noch ihren Spaß haben. Ich lasse ihnen freien Lauf, das ist alles. Wenn man sie zu sehr einschränkt, überträgt sich das auch auf das Spielfeld. Sie können auf dem Platz machen, was sie wollen, solange immer ein Spielkamerad da ist, der ihnen den Rücken frei hält. Unser System gibt ihnen viele Freiheiten.

Wissen Sie, was Sie in Mexiko mittlerweile ausgelöst haben?
Man hat es mir erzählt, aber ich habe es noch nicht realisiert, weil ich versuche, kein mexikanisches Fernsehen zu sehen. Dennoch bin ich sehr froh, weil wir hier am Ende eines langen Weges stehen, der beweist, dass man das, was man sich vornimmt, auch erreichen kann. Aber das sehe ich nicht als Druck, sondern als zusätzliche große Motivation.

Was bereitet Ihnen bei Brasilien Sorgen?
Ich möchte nicht, dass man glaubt, dass wir keinen Respekt vor Brasilien haben, das ist keineswegs so. Zunächst einmal respektieren wir alle unsere Gegner. Wir können sie ja nicht in den Himmel loben (gestikuliert dabei), weil sie dann nicht erreichbar wären, aber gering schätzen dürfen wir sie auch nicht, weil wir dann eine böse Überraschung erleben könnten. Brasilien hat eine große Mannschaft, die einen dynamischen Fussball spielt, schnell ist und starke Einzelspieler hat. Aber wenn ich mir unser Team betrachte, so sehe ich, dass wir am wenigsten Gegentore haben einstecken müssen, dass wir eine sehr gute Verteidigung haben und einen hervorragenden Angriff. Wir sind eine starke Mannschaft und haben große Chancen. Ich glaube, dass sich die Brasilianer durchaus Sorgen machen sollten...

Was hat Brasilien, was Mexiko nicht besitzt?
Wir stehen ihnen in nichts nach. Wir haben sehr gute Einzelspieler und in punkto mannschaftlicher Geschlossenheit sind wir ihnen überlegen, da sind wir beständiger. Ich weiß ganz genau, worauf es bei uns ankommen muss. Wir werden keinen Gegentreffer zulassen, und das macht die Sache schon erheblich leichter.

Was für eine Art von Finale erwartet uns?Ich hoffe, dass es ein sehr leichtes Finale wird, das so einfach wie möglich gewonnen wird. Das wäre mein Wunsch, und darüber haben wir sehr viel mit den Jungen gesprochen. Ich lege keinen allzu großen Wert auf das Mentale, und ich glaube, dass wir auf diese Weise es schaffen können. Normalerweise müsste ein Trainer sagen: "Das wird eine schwierige Partie". Aber wenn du das sagst, dann tritt das auch ein. Ich dagegen hoffe, dass es leicht sein wird. Immer wenn man Sie nach der Klasse von Giovani Dos Santos und Carlos Vela fragt, verweisen Sie auf die übrige Mannschaft. Hat das Methode?

Nein, das ist einfach so. Sie sind voller Selbstbewusstsein, weil sie großartige Mitspieler haben. Im Qualifikationsturnier hatte Giovani noch keinen Stammplatz. Das hat die Leute überrascht, aber es gab eben einen besseren Spieler auf seiner Position. Er muss ja nicht deswegen spielen, weil er in Barcelona unter Vertrag steht. Nicht wahr? Mit Ever Guzmán stand ich nun vor einem Dilemma: Ich wusste nicht, ob ich ihn im Viertelfinale anstelle von Giovani aufstellen sollte oder nicht. Als ich meine Entscheidung getroffen hatte, teilte ich sie Ever mit und erklärte ihm, dass ich nun leider nicht zwölf Spieler aufstellen dürfe. Er antwortete mir: "Kein Problem. Wenn es für die Mannschaft gut ist … nur zu!" Dann wurde er eingewechselt und erzielte ein Tor! Nach der Partie erklärte Carlos Vela: "Ich weiß, dass wenn ich oder Giovani nicht dabei sind, ein anderer Spieler uns ersetzt, der genau so gut oder besser ist." So etwas hört man nicht jeden Tag von einem so jungen Spieler. Diese Gruppe hat eine erstaunliche Reife, sie weiß, was sie will, und dadurch wird vieles erleichtert.

Was kann diese Generation von Spielern zum Fussball Ihres Landes beitragen?
Sie werden für eine Veränderung im mexikanischen Fussball sorgen. Das hat eigentlich auch schon angefangen. Als wir 2002 begonnen haben, sagte ich ihnen, dass sie die Chance hätten, den Fussball unseres Landes zu ändern, ihm zu einer Stärke zu verhelfen, die jeden Sieg möglich machen würde. Wir haben schon vor Jahren darüber gesprochen und heute ergibt sich alles, als ob wir es geplant hätten. Diese Überzeugung zusammen mit der hervorragenden Arbeit meines Trainerstabes trägt nun Früchte.

Eine letzte Frage: Was macht Jesús Ramírez nach dem Finale?Ich werde zu Hause mit meinem Sohn und meiner Familie über den Pokal und dieses Turnier sprechen, das eine sehr schöne Erfahrung war. Mir geht es gut, ich bin entspannt und glücklich. Ob ich mich als Weltmeister sehe? Natürlich! Ich hoffe, dass ich davon erzählen kann, wie wir den Titel geholt haben. Das sehe ich ganz klar vor mir, wir können es wirklich schaffen. Es sei denn, wir wollten es gar nicht.

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