FIFA U-17-Weltmeisterschaft Peru 2005

FIFA U-17-Weltmeisterschaft Peru 2005

26. Oktober - 17. November

FIFA U-17-Weltmeisterschaft 2005

Ganz Mexiko fiebert mit

Ab halb vier Uhr nachmittags begannen sich die mexikanischen Restaurants zu füllen. Obwohl noch gearbeitet werden sollte, schien niemand das Spiel dieser jungen Burschen, die ein ganzes Land träumen lassen, verpassen zu wollen. Da das Spiel nur über Satellit zu sehen war, musste man - natürlich in Begleitung von Freunden - eine öffentliche Gaststätte aufsuchen.

An einem ungewöhnlichen Tag und zu einer ungewöhnlichen Stunde blieben die Mexikaner also ihren Häusern und Büros fern. Die Partie Mexiko gegen die Niederlande war aber auch zu attraktiv, um sie zu verpassen. Es herrschte allgemein das Gefühl vor, dass das U-17-Team ein Stück Fussballgeschichte schreiben könnte und alle wollten dabei sein, und sei es eben nur am Fernseher.

Als das Spiel dann um vier Uhr nachmittags begann, waren die Rufe "Me-xi-co! Me-xi-co!" an jeder Straßenecke zu hören. Obwohl die Begegnung zunächst schlecht begann, da in der Anfangsphase die Niederländer Ball und Gegner beherrschten, verloren die Menschen nicht ihren Enthusiasmus.

Als nach einer schönen Kombination über Carlos Vela Angreifer César Villaluz nur die Querlatte traf, hatte ganz Mexiko schon den Torschrei auf den Lippen. "Der spielt doch bei Cruz Azul, nicht wahr?" fragten sich einige danach. Das zeigt, wie sehr die junge Mannschaft auf einmal das Interesse der Fans geweckt hat. Zwanzig Spieler, die innerhalb von nur zehn Tagen aus der relativen Anonymität kamen und den ersten Schritt auf dem Weg zu einer 'Goldenen Generation' getan haben.

Villaluz selbst war es, der dann endlich die Fans erlöste. "¡Gooooool!" schrieen alle unisono, als der kleine Mittelfeldspieler mit einem gewaltigen Rechtschuss in den Torwinkel der Niederländer traf. "Wir sind im Finale", äußerten sich die ersten überzeugt. Andere wandten ein: "Lasst uns vorsichtig sein, es ist immer dasselbe. Wir müssen mehr Geduld haben, um dann keine Enttäuschung zu erleben." In Mexiko herrscht allgemein das Gefühl vor, dass die Spieler stets im entscheidenden Augenblick versagen.

Doch diesmal war es nicht der Fall. Nach einem genialen Spielzug von Giovani Dos Santos und dem zweiten Tor für Mexiko waren die Fans in den Restaurants und Bars nicht mehr zu halten. "Der sollte in Deutschland 2006 dabei sein", hörte man einige sagen.

Die Freude wurde wieder zur Nervosität, als die Niederländer auf den Anschlusstreffer drängten. Keiner aß etwas, niemand trank - alle blickten angespannt auf den Bildschirm. Kurz darauf atmeten alle erleichtert auf, als der Niederländer Viseswar aus nur einem Meter Entfernung das leere Tor verfehlte. So kurios war die Situation, dass der Reporter des Spiels - ein Argentinier - einige Sekunden lang "Toooor!" brüllte, bis er merkte, dass der Ball gar nicht ins Tor gelangt war. Von nun an waren alle ganz entspannt. Allgemein war zu hören "Unglaublich" und "Wenn der nicht reingeht, dann geht keiner mehr rein".

In der Tat sollten die Mexikaner keinen Treffer mehr kassieren, vielmehr waren es die Europäer, die den Ball noch zwei Mal aus dem Netz holen sollten. Die Leute brüllten "Mexico! Mexico!" und "Her mit den Brasilianern!" Um achtzehn Uhr herrschte allgemeine Volksfeststimmung. Wer hätte das gedacht, nachdem man bei der erste Begegnung gegen Uruguay noch händeringend eine Bar suchten musste, die das Spiel live übertragen würde? Nun haben die großen Fernsehketten des Landes die Rechte über die Übertragung des Finales gekauft. Ein Spiel, das ein ganzes Land lahm legen könnte, das hinter diesen jungen Spielern steht, die einer Nation den Komplex vertreiben könnten, im Fussball immer in den entscheidenden Augenblicken  zu versagen.

Begeisterung am Tag danachAm Donnerstagabend äußerte sich auch Mexikos Präsident Vicente Fox zu der Partie: "Man hat mir einen Zettel mit dem Ergebnis gereicht. Ich bin sehr glücklich über diesen Sieg", erklärte er. Am folgenden Tag beglückwünschte er die Spieler telefonisch von Kanada aus, wo er sich zu einem Arbeitsbesuch aufhielt. "Sie werden sicher Meister werden, denn sie sind hervorragend vorbereitet und toll in Schwung gekommen. Sie bereiten allen große Freude", erklärte er voller Enthusiasmus.

Währenddessen ließen sich die Zeitungen des Landes von der allgemeinen Begeisterung mitreißen, als sie den Sieg des mexikanischen Teams beschrieben. Alle, ohne Ausnahme, widmeten einen Teil ihrer Titelseiten dem Spiel. Für die Sportzeitungen war es natürlich die Meldung des Tages.

"Angriff auf den Himmel", titelte La Afición und fügte hinzu: "Lesen Sie das laut vor und betonen sie es richtig: WIR STEHEN IM FINALE DER WELTMEISTERSCHAFT!" Die Schlagzeile von Ovaciones lautete "Heldenhafte Kinder" in Anspielung auf die legendären Jugendlichen, die 1847 Mexiko bei der Invasion der Vereinigten Staaten verteidigten. Die Zeitung Esto schrieb einfach: "Finale!" Alle teilten die Begeisterung eines Volkes, das mit mehr Zuversicht als je zuvor die Möglichkeit sieht, dass Mexiko zum ersten Mal in seiner Geschichte Weltmeister in seiner Lieblingssportart, dem Fussball, werden könnte.

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