FIFA U-17-Weltmeisterschaft Peru 2005

FIFA U-17-Weltmeisterschaft Peru 2005

26. Oktober - 17. November

FIFA U-17-Weltmeisterschaft 2005

Fatih Terim: "Nuri Sahin ist als Erster an der Reihe"

Fatih Terim hat vor drei Monaten die heikle Mission übernommen, die türkische Nationalmannschaft noch zur FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Deutschland 2006TM zu führen. Bevor die entscheidenden WM-Qualifikationsspiele anstehen, machte sich Terim von einem Trainer-Meeting im irischen Dublin auf die Reise nach Peru, um sich ein exaktes Bild vom Leistungsvermögen des türkischen Teams bei der FIFA U-17 Weltmeisterschaft Peru 2005 zu machen. FIFA.com traf den 52-Jährigen im Mannschaftshotel der Türken zum Exklusivinterview.

Herr Terim, die Türkei hat bei der FIFA U-17 Weltmeisterschaft Peru 2005 ein denkwürdiges Halbfinale gegen Brasilien knapp mit 3:4 verloren.
Schauen Sie, die Ergebnisse sind gar nicht so wichtig. Meine Blickrichtung gilt schon der EM 2008 und WM 2010. Ich schaue in die Zukunft und sehe alle diese talentierten Spieler. Unser U-17-Team ist unglaublich stark und ich möchte das Wort "Team" betonen, denn sie arbeiten als Mannschaft sehr gut zusammen. Wir haben meiner Meinung nach heute mehr talentierte Spieler in der Türkei als in der Vergangenheit. Ich habe Vertrauen in dieses Team, denn alle - Spieler, Trainer und alle weiteren Teammitglieder - sind sehr erfahren und sie glauben an den Erfolg, sie haben die notwendige Mentalität. Das Team ist in den vergangenen zwei Jahren zusammengewachsen, durch Trainingslager, Spiele und die Europameisterschaft. Das war alles sehr wichtig für das Selbstvertrauen. Die meisten Spieler haben eine gute Chance, es einmal bis in die A-Nationalmannschaft zu schaffen, ich würde sagen, zwischen acht und neun Spielern, quer durch nahezu alle Mannschaftsteile. Es ist gut möglich, dass ich schon bald zwei Spieler in die A-Nationalmannschaft berufe.

Lassen Sie uns raten - Sie denken dabei vor allem an Nuri Sahin?
Ich habe schon immer ein Faible für junge Spieler gehabt. Während meiner Zeit bei Galatasaray Istanbul habe ich zum Beispiel Emre gefördert. Ich habe ihn schon mit 16,5 Jahren ins Team gebracht. Speziell bei Nuri wird das jetzt auch Schritt für Schritt kommen. Er hat schon in der Anfangsformation von Borussia Dortmund zwei Spiele in der Bundesliga bestritten, warum sollte er nicht in der Nationalmannschaft spielen?

Es gab in Deutschland einige Diskussionen, da Sahin ja sowohl für die Türkei als auch für Deutschland spielen könnte.
Ich habe mit Nuris Vater gesprochen und er hat mir gesagt, ich soll mir keine Sorgen machen, er würde es vorziehen, dass sein Sohn in der türkischen Nationalmannschaft spielt. Auch wenn er theoretisch auch für Deutschland spielen könnte.

Am 8. Oktober spielt die Türkei in Istanbul gegen Deutschland. Könnte Sahin in diesem Spiel bereits zum Einsatz kommen?Das ist gut möglich. Das Timing ist für einen jungen Spieler sehr wichtig und Nuri befindet sich momentan in einer guten Form. Er hat in der Bundesliga gut gespielt, warum sollte er immer nur in der U-17, U-19 oder U-21 spielen? Warum sollte er nicht gegen Deutschland spielen? Sie können es morgen jedem erzählen. Nuri ist als Erster von den jungen Spielern an der Reihe, ich habe diese Entscheidung bereits vor gut drei Wochen getroffen.

Gibt es weitere Spieler, die schon bald in der A-Nationalmannschaft spielen könnten?
Tevfik Köse und Caner Ercik sehe ich als potentielle Kandidaten und auch Erkan Ferin.

Wie beurteilen Sie das Niveau der FIFA U-17 Weltmeisterschaft Peru 2005?
Ich habe natürlich ein besonderes Auge auf unser Team geworfen, aber ich habe auch andere Spiele gesehen. Und ich muss sagen, dieses Turnier gefällt mir sehr gut. Alle Teams haben gute Spieler und das Tempo ist unglaublich hoch für ein so junges Alter. Jedes Spiel ist schnell wie ein Finale oder ein Erstligaspiel. Das ist schon eine große Überraschung für mich. Schauen Sie, ob Costa Rica, China, USA oder Niederlande - bei allen Mannschaften war das Tempo sehr hoch. Die Qualität des Turniers ist definitiv besser als vor zwei Jahren in Finnland.

Haben Sie bei dieser U-17-Weltmeisterschaft auch in anderen Teams starke Spieler gesehen?
Von den Spielern anderer Teams haben mir Vurnon Anita aus den Niederlanden oder auch Kaz Patafta aus Australien sehr gut gefallen. Außerdem Renato von Brasilien oder Dos Santos aus Mexiko. Etwas enttäuscht war ich von Italien, die sonst traditionell starke Teams stellen. Aber insgesamt haben alle Teams gute Spieler für die Zukunft.

Skizzieren Sie uns bitte einmal die Entwicklung des Fussball in der Türkei in den vergangenen Jahren.Nach dem Uefa-Cup-Sieg 2000 und dem dritten Platz bei der WM 2002 waren wir vielleicht zu zufrieden und haben die Arbeit ein wenig schleifen lassen, haben uns schon als große Fussball-Nation gefühlt und zu wenig getan. Gerade nach Erfolgen muss man umso härter arbeiten. Aber jetzt wird es Schritt für Schritt wieder besser. Sie erwähnten vorhin, dass es heute mehr talentierte Spieler in der Türkei gibt als früher. Woran liegt das?

Das liegt wohl vor allem daran, dass wir unsere Talentsichtung optimiert haben. Wir schauen uns im gesamten Land nach neuen Spielern um. Der Türkische Verband hat auch besondere Maßnahmen eingeleitet, um die Trainerausbildung zu verbessern. Wir haben fast 80 Millionen Einwohner, durch unser neues System geht uns kein Talent mehr so schnell durch die Lappen.

Kann man das vielleicht sogar noch optimieren?
Als ich zwischen 1990 und 1996 als Trainer tätig war, bin ich mit meinen Mitarbeitern überall hingefahren, um Talente zu sichten. Das müssen wir wieder machen. Ende Oktober beginnen wir in Deutschland mit einem großen Scouting, wir wollen uns viele Spiele anschauen und 2000 oder 3000 junge türkische Spieler sichten. Wir sind insgesamt mindestens 20 Trainer und wir werden drei bis vier Tage bleiben. Wir werden uns dann zusammensetzen, die Ergebnisse auswerten und auch in Zukunft kontinuierlich sichten. Wir werden das in ganz Europa machen, es leben so viele Türken außerhalb der Türkei, wir müssen das einfach tun. Nicht nur in Deutschland, Holland, Österreich, überall müssen wir die Botschaft ausgeben: "Wir kümmern uns um Euch!"

Kommen wir zum Ende kurz auf die A-Nationalmannschaft zu sprechen - Sehen Sie noch eine Chance, sich für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Deutschland 2006TM zu qualifizieren?
Während wir am 8. Oktober gegen Deutschland spielen, spielt Dänemark gegen Griechenland. Wenn Dänemark gewinnt oder Remis spielt, haben wir eine große Chance, die Play-off-Spiele zu erreichen. Ich würde sagen, unsere Chancen liegen bei 70 Prozent. Es wäre wichtig für die Türkei, dass wir uns noch qualifizieren. Denn es wäre schon traurig, wenn wir in Deutschland nicht dabei wären, bei den vielen Türken, die in Deutschland leben. Für uns wäre das fast wie eine Heimweltmeisterschaft.

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