FIFA U-17-Weltmeisterschaft Chile 2015

06 - 28 Oktober

FIFA U-17-Weltmeisterschaft 2015

Coquimbo nach schwerem Schlag wieder obenauf

© Getty Images

"Ich bin sehr stolz auf das, was Coquimbo während dieser WM geleistet hat", sagt Fernando Molina lächelnd, der Leiter des Lokalen Organisationskomitees, in dessen Stadt bei der FIFA U-17-Weltmeisterschaft fünf Partien erfolgreich durchgeführt wurden. "Mitte September gab es ein sehr großes Erdbeben, das einen Teil der Stadt zerstört hat. Wir machten uns also Sorgen um den ordnungsgemäßen Ablauf des Wettbewerbs. Doch die Verwaltung und das ganze Team hier haben sehr hart gearbeitet, damit alles bereit ist. Ich freue mich, dass alles gut gegangen ist."

Am Abend des 16. Septembers wurde Chile von einem starken Erdbeben der Stärke 8,3 heimgesucht, das 14 Todesopfer forderte und die Evakuierung von einer Million Menschen zur Folge hatte. Das Epizentrum lag in der Region Coquimbo, und nur wenige Minuten später wurde die Küstenstadt von einem Tsunami getroffen, der auch die benachbarte Regionalhauptstadt La Serena traf. "Dem Stadion in Coquimbo ist nichts passiert, aber der Hafen und ganze Viertel wurden zerstört", fährt Medina fort. "Einige Mitglieder des Teams haben ihr Haus verloren, und wir haben getan, was wir konnten, um ihnen zu helfen. Die Menschen haben viel gelitten, sich aber dennoch mit ganzer Kraft für diese WM eingesetzt. Diese Veranstaltung war ein Antrieb, um die Stadt wieder aufzubauen. Alle haben das ganze Jahr über sehr hart für dieses Ereignis gearbeitet, wir wollten auf keinen Fall so kurz vor dem Ziel scheitern."

Unter Schock
In Chile, das in einer von Geologen als Pazifischer Feuerring bezeichneten Region liegt, kommt es häufiger zu besonders starken seismischen Aktivitäten. Ein Erdbeben dieser Stärke ereignet sich im Durchschnitt alle zehn Jahre und ist ein traumatisches Erlebnis, wie Jessica Morena berichtet, die als Volunteer für das Turnier tätig ist: "Ich war im Supermarkt, als das Erdbeben passierte. Es war furchtbar, alle Menschen schrien und ich dachte, es wäre das Ende der Welt. Das wünsche ich niemandem."

"Ich bin normalerweise ein ruhiger Zeitgenosse, aber während des Erdbebens geriet ich völlig in Panik. Mein Sohn musste mich abholen und mitnehmen, weil ich wie gelähmt war", schildert die zweifache Mutter die Ereignisse. Daraufhin machte sie sich im Auto, noch während es starke Nachbeben gab, sofort auf die Suche nach ihrer Tochter. "Ich musste sie unbedingt finden, damit die ganze Familie zusammen ist" erklärt sie.

"Ich habe ein großes Haus und will mein Schicksal nicht mit denen vergleichen, die alles verloren haben. Doch als wir zurückkamen, war alles zerstört. Das Wasser erreichte unser Viertel nicht, aber das Erdbeben hat viele Dinge zerstört", fährt Jessica fort, eine von 160 Volunteers in Coquimbo. "Untereinander sprechen wir nicht viel darüber. Zumindest spreche ich nicht über meinen persönlichen Fall, weil es Menschen gibt, die alles verloren haben. Meine Geschichte ist nicht so schrecklich."

Gute Vorbereitung
Dennoch wird die heitere Frau von ihren Emotionen überwältigt. "Für diese WM zu arbeiten, hat mir sehr gut getan, denn dadurch konnte ich alles vergessen. So etwas zu erleben ist eine Sache, darüber zu sprechen eine andere", sagt sie lächelnd und wischt sich die Tränen fort.

Auch Cristian Castillo, ebenfalls Volunteer in Coquimbo, wurde von der Katastrophe hart getroffen. "Mein Wohnhaus wurde bis zur Etage darunter überschwemmt, und momentan ist alles völlig heruntergekommen. Das Gebäude wäre beinahe eingestürzt. Es wurde viel über La Serena und Coquimbo gesprochen, aber landeinwärts wurden auch viele Häuser zerstört. Das meiner Großeltern musste komplett abgerissen werden", berichtet der 22-jährige junge Mann.

"Diese WM hat mich die Ereignisse nicht vergessen lassen, aus diesem Grund bin ich hier unter anderem dafür verantwortlich, den Menschen im Falle eines Tsunamis oder Erdbebens zu helfen. Alle hier haben entsprechende Anweisungen erhalten", erklärt er. Die Chilenen mögen zu den Völkern gehören, die am meisten von Erdbeben betroffen sind, doch sie gehören auch zu denjenigen, die am besten dafür gerüstet sind. Das haben sie bei dieser U-17-Weltmeisterschaft eindrucksvoll unter Beweis gestellt.

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