FIFA U-17-Weltmeisterschaft Finnland 2003

FIFA U-17-Weltmeisterschaft Finnland 2003

26. Oktober - 17. November

FIFA U-17-Weltmeisterschaft 2003

Brasilien besiegt das tapfere Spanien, Argentinien wird Dritter

DER TAG IM RÜCKBLICK - Am letzten Tag der FIFA U-17-Weltmeisterschaft in Finnland 2003 holten sich die Brasilianer durch das 1:0 gegen die tapferen Spanier im Tööloö-Stadion von Helsinki erneut den Titel. Damit sind die Auriverde das erste Team in der Geschichte, das den U-17-Titel zum dritten Mal errungen hat. Sie treten in die Fußstapfen der "Erwachsenen", denen dies - der dritte Titeltriumph - bereits 33 Jahre zuvor in Mexiko 1970 gelungen war. Argentinien holte den Sieg im Spiel um den dritten Platz, indem man sich gegen den beeindruckenden Nachbarn Kolumbien nach einem 1:1-Unentschieden nach 90 Minuten mit 5:4 im Elfmeterschießen durchsetzte.
Obwohl das spannende Finale schließlich den Treffer brachte, mit dem endgültig die Rekordmarke für FIFA U-17-Weltmeisterschaften gesetzt wurde (117 - Ägypten 97), konnte das Spiel hinsichtlich der Anzahl der Treffer nicht den in Finnland über drei Wochen gezeigten Standards gerecht werden.
Der einzige Treffer der Begegnung, im Übrigen das erste Aufeinandertreffen Brasiliens und Spaniens in der Geschichte der FIFA U-17-Weltmeisterschaften, fiel nach nur sieben Minuten und stellte bis dahin den Spielverlauf auf den Kopf. Joaos angeschnittener Freistoß ging an den Pfosten. Von dort sprang der Ball genau vor Leonardos Füße, der ihn kompromisslos an Mandaluniz vorbei in die Maschen des spanischen Tores hämmerte.
Die Spanier, stolz und trotzig bis zum Ende, stemmten sich bis zuletzt gegen die Niederlage, um ihre beeindruckende Bilanz der nach Rückstand gedrehten Spiele fortzusetzen. Obwohl sie in der zweiten Halbzeit das klar spielbestimmende Team waren, sollte den Iberern in dem hart geführten Spiel nicht mehr der Ausgleichstreffer gelingen.
Cesc – Spaniens Golden-Goal-Held aus dem Halbfinale – bot sich in den letzten Minuten der Partie noch eine große Ausgleichschance. Doch sein harmloser Schuss aus aussichtsreicher Position stellte Brasiliens Keeper Bruno vor keinerlei Probleme. Die Spanier mussten schließlich ihren Traum vom ersten WM-Titel in der kalten finnischen Nacht begraben. Obwohl Barcelonas Mittelfeldspieler nach dem Spiel mit dem Goldenen Schuh von adidas und dem Goldenen Ball (für den besten Torschützen und den besten Spieler des Turniers) ausgezeichnet wurde, schien er das, was er sich eigentlich erträumt hatte, immer aus den Augenwinkeln wahrzunehmen: die Trophäe des FIFA U-17-Weltmeisters.
Spaniens Trainer Juan Santisteban ist sich des großen Potenzials des 16-Jährigen durchaus bewusst. “Mit Cesc haben wir ein großes Talent für Spanien entdeckt,” sagte er in einer emotionalen Pressekonferenz nach dem Spiel.
Als der Schlusspfiff ertönte, brach großer Jubel auf der brasilianischen Bank aus. Vor Freude wäre man am liebsten in den Himmel gesprungen! Die Spanier dagegen ließen sich enttäuscht auf den Rasen fallen und zeigten wieder einmal, wie nahe in diesem Spiel die Tragödie und die Euphorie beieinander liegen. Freudentränen bei den einen, während die anderen, tief enttäuscht, sich von den finnischen Fans, die einen Monat lang wunderbare Spiele zu sehen bekamen, verabschiedeten.
Nach den nicht enden wollenden Siegesfeiern bildeten die brasilianischen Spieler, Trainer und Funktionäre einen Kreis, reichten sich die Hände und dankten Gott. Die Spanier standen auf dem Rasen, schweigsam und doch stark, trösteten sich gegenseitig und fragten sich, was sie wohl falsch gemacht hatten.
"Das Ergebnis war besser als unsere Leistung heute", erklärte Brasiliens Teamchef Paqueta nach dem Spiel. "In der Südamerika-Qualifikation waren wir das beste Team, wurden jedoch zweite. Heute zählt nur das Ergebnis."
Während die Brasilianer mit der ganzen Energie der Jugend, vom Sieg beseelt, auf der Tribüne tanzten, bat Santisteban seine Spieler, die gerade die Silbermedaillen erhalten hatten, nicht den Kopf hängen zu lassen.
"Wir hätten mehr verdient gehabt. Schließlich haben wir dieses Spiel über weite Strecken dominiert", erklärte Santisteban und schüttelte dabei den Kopf. "Es ist nicht das erste Mal, dass ich ein Finale verliere. Ich möchte keinem diese Erfahrung wünschen. Meine Spieler weinen gerade untröstlich in der Umkleidekabine."
Brasilien zum U-17-Weltmeister gekrönt
Kein bloßes Freundschaftsspiel
Die Mannschaften von Kolumbien und Argentinien läuteten den letzten Tag des Turniers in Finnland 2003 mit dem Spiel um den dritten Platz ein. Vor der Partie umarmten und küssten sich Argentiniens Hugo Tocalli und Kolumbiens Teamchef Eduardo Lara und tauschten noch Nettigkeiten aus. Es war ein angenehmer Kontrast zu der sonst üblichen angespannten Atmosphäre vor einem Endspiel.
Aber alle Gedanken an Freundschaft und Bruderliebe zählten nichts mehr, nachdem die Partie angepfiffen wurde. Beide Seiten lieferten sich einen harten Kampf in einem flüssig geführten Spiel. Aber wie das in schönen Spielen oftmals der Fall ist, wollten sich beide Mannschaften nicht mehr trennen. Durch Diego Lagos' Tor bereits in der vierten Minute waren die Argentinier in Führung gegangen. Aber Kolumbien, das an diesem Tag seinen besten Fussball der Endrunde zeigte, gelang schließlich durch einen Elfmeter von Carlos Hidalgo der Ausgleich. Es war sein fünfter Treffer im Turnier, wodurch er mit Cesc gleichzog.
Die vergebenen Torchancen häuften sich und schließlich musste eine Art russisches Roulett über den Ausgang der Partie entscheiden: es kam zum Elfmeterschießen.
Ezequiel Garay und Lautaro Formica verwandelten ihre Elfmeter souverän. Hidalgo und José Otalvaro taten es ihnen gleich. Der Argentinier Faurlin sandte den Ball dann jedoch in den Himmel Helsinkis. Zwei Paraden von Ustari retteten ihn schließlich und sorgten für das bis dahin beste Abschneiden einer argentinischen Elf bei einer FIFA U-17-Weltmeisterschaft.
Nach dem Spiel war Tocalli traurig und fragte sich, was er mit seiner fantastischen Mannschaft alles hätte erreichen können. "Ich bin sicher, dass aus einigen dieser Spiele noch ganz Große werden", sagte er. "Aber das Team hätte hier in Finnland mehr erreichen können, und das tut mir als Trainer besonders weh."
Trotz der Niederlage war es auch für Kolumbien das beste bisher erzielte Ergebnis bei einer FIFA-Weltmeisterschaft. "Ich bin unglaublich stolz auf mein Team", erklärte Lara. "Ganz Kolumbien ist stolz auf sie."
Während die brasilianischen Trommeln außerhalb des Töölö-Stadions noch lange zu hören waren, konnte ganz Finnland stolz darauf sein, Gastgeber eines so beeindruckenden Fussballspektakels gewesen zu sein.
Argentinien holt den dritten Platz nach Elfmeterschießen

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