FIFA U-17-Weltmeisterschaft Nigeria 2009

FIFA U-17-Weltmeisterschaft Nigeria 2009

26. Oktober - 17. November

Heute vor 11 Jahren

Als die Schweiz in Nigeria Geschichte schrieb...

Players of Switzerland celebrate victory against Japan
© Getty Images
  • Am 15. November 2009 wurde Schweiz U-17-Weltmeister
  • Was passierte mit den Champions von damals?
  • FIFA.com spricht mit dem damaligen Trainer Dany Ryser und Abwehrspieler Charyl Chapuis

"Sie kamen, siegten und und kamen nie wieder."

Diese etwas abgewandelte Version des bekannten Sprichworts trifft auf die Schweiz zu, die bei ihrer historisch ersten Teilnahme an einer FIFA U-17-Weltmeisterschaft auf Anhieb den ersten WM-Titel ihrer Geschichte holte. 2009 sicherten sich die jungen Eidgenossen den Titel in Nigeria - seitdem hat das Team es nie wieder zu einer U-17-WM geschafft.

"Für die Schweiz muss halt immer viel zusammenpassen. Zuerst muss die Qualifikation überhaupt geschafft werden und dann im Turnier gehört noch mehr dazu. Diese Dynamik, die wir in Nigeria hatten, hat es seitdem nicht mehr gegeben", versucht der damalige Trainer Dany Ryser, der inzwischen für die UEFA und FIFA in der Aus- und Weiterbildung von Trainern sowie als technischer Beobachter bei Turnieren tätig ist, gegenüber FIFA.com eine Analyse.

Der Erfolg in Afrika bliebe aber für immer. "Es kommen immer wieder schöne Erinnerungen kommen hoch. Der Erfolg wird immer wieder erwähnt. Es waren unvergessliche Momente mit der Mannschaft, während dieser langen Zeit in einer ganz speziellen Umgebung. Ohne einen solchen großartigen Teamgeist wäre so ein Erfolg nie möglich geworden. Nach dem Sieg in der Gruppenphase gegen Brasilien habe ich gespürt, dass wir Weltmeister werden können."

Auch Abwehrspieler Charyl Chapuis schwärmt im FIFA.com-Interview von dieser Zeit: "Es war wahrscheinlich die schönste Zeit meiner Karriere. Die Gegebenheiten in Nigeria waren sicherlich besonders, aber unser Zusammenhalt und der Teamgeist waren einmalig." Und was hält er von seinem Trainer Dany Ryser? "Ich habe nie mehr einen solchen Trainer erlebt, der so detailverliebt war. Er hat uns in jedem Spiel perfekt auf den Gegner eingestellt."

Head coach Dany Ryser of Switzerland gestures
© Getty Images

Doch was ist aus den Stars von 2009 geworden? Wir nehmen gemeinsam mit Ryser seine Leistungsträger von Nigeria 2009 genauer unter die Lupe.

Benjamin Siegrist (Torhüter, 28 Jahre)

  • Bester Torhüter des Turniers
  • Die TSG bezeichnete ihn als "reaktionsschnellen Torhüter mit gutem Stellungsspiel, stark sowohl auf der Linie als auch bei Flankenbällen"
  • Vereine (u.a.): Aston Villa, FC Vaduz, Dundee United
  • Olympia-Teilnahme 2012

Ryser: "Er war sehr wichtig für uns. In mehreren Spielen hat er uns mit seinen Paraden im Spiel gehalten. Ich habe ihn damals als sehr fokussierten jungen Keeper wahrgenommen. Seine Entwicklung ist dann nicht mehr so verlaufen, wie wir und er sich das vorgestellt haben. Dass ihm später keine richtig große Karriere gelang, lag sicher auch daran, dass er schon früh nach England wechselte, wo der Konkurrenzkampf gerade auf der Torhüterposition riesig ist."

Benjamin Siegrist of Switzerland poses with the Golden Glove Award
© Getty Images

Frédéric Veseli (Kapitän & Abwehr, 27)

  • Vereine (u.a.): Manchester City, Manchester United, FC Lugano, FC Empoli, Le Mans
  • Nationalmannschaft: 29 Länderspiele für Albanien
  • Nahm an der EURO 2016 mit Albanien teil

Ryser: "Er war mein Kapitän, ein absoluter Leader. Bei ihm wusste ich zwar, dass er in jedem Match einen Fehler drin hatte, sonst war er aber unglaublich zuverlässig und sehr loyal. Ich freue mich, dass er schließlich an der EM 2016 gespielt hat – auch wenn es für Albanien war. Als erst 17-Jähriger war er schon sehr reif. Ich erinnere mich noch gut daran, wie er reagierte, als wir vor dem Final gegen Nigeria am Flughafen festsaßen. Er beruhigte mich mit den Worten: 'Ohne uns fangen sie den Final schon nicht an.' Das war beeindruckend."

Charyl Chappuis (Abwehr, 28)

  • Vereine (u.a.): Grasshopper Club Zürich, Buriram United, Suphanburi FC, Muangthong United, Port FC
  • Nationalmannschaft: 20 Länderspiele für Thailand (5 Tore)
  • 2014 Gewinn der Südostasienmeisterschaft
  • Social-Media-Star in Thailand (1,4 Mio Instagram-Follower)
  • Schlug nach der WM ein Angebot von Juventus Turin aus

Ryser: "Er war der, der nicht nur defensiv, sondern auch in der Angriffsauslösung entscheidend war. Ich habe ihm damals zum Wechsel nach Thailand geraten. Aber ich habe es bedauert, denn er hätte auch in Europa eine tolle Karriere machen können, wenn seine Trainer mehr an ihn geglaubt hätten. Leider war es zu jener Zeit so, dass die meisten Super-League-Trainer nicht auf Innenverteidiger unter 1,90 Meter setzten. Was er später erleben sollte, ist fantastisch. In Thailand ist er ein Star."

Charyl Chappuis #4 of Buriram United poses during the AFC Asian Champions League
© Getty Images

Haris Seferović (Sturm, 28)

  • Vereine (u.a.): Grasshopper Club Zürich, AC Florenz, Real Sociedad, Eintracht Frankfurt, Benfica Lissabon
  • Nationalmannschaft: 69 Länderspiele (19 Tore) für die Schweiz
  • Nahm an der EURO 2016 und der WM 2018 teil

Ryser: "Mit Nassim Ben Khalifa und Haris Seferović hatten wir ein hervorragendes Sturmduo. Es war aber nicht nur einfach mit den beiden. Sie spielten beide bei GC, harmonierten aber nicht wirklich. Beide gönnten einander die Tore nicht, Querpässe vor dem Tor waren ihnen fremd, weil sie das Tor lieber selbst schießen wollten. Ich suchte das Gespräch mit beiden, sagte: "Wenn ihr so weitermacht, nehme ich nur einen mit an die WM." In Einzelgesprächen fragte ich sie zudem, was sie glauben, für wen ich mich entscheiden würde. Beide antworteten: für Ben Khalifa. Ja, Nassim war zu diesem Zeitpunkt weiter als Seferović. Aber ich stellte klar: Wenn sich nur Seferović mannschaftsdienlich verhält, würde ich Ben Khalifa zu Hause lassen. Beide haben sich im Turnier voll für die Mannschaft eingesetzt, toll zusammen harmoniert und entscheidende Tore geschossen. "

The Swiss players Nassim Ben Khalifa, Haris Seferovic and Benjamin Siegrist (from left to right) hold the trophy
© FIFA.com

Nassim Ben Khalifa (Mittelfeld/Sturm, 28)

  • Vereine (u.a.): VfL Wolfsburg, 1. FC Nürnberg, BSC Young Boys, Eskişehirspor, Grasshopper Club Zürich
  • Nationalmannschaft: 4 Länderspiele (0 Tore) für die Schweiz
  • Silberner Ball von adidas als zweitbester Spieler der U-17-WM 2009 (4 Tore; 3 Vorlagen)

Ryser: "Ich habe ihn immer mit Mario Götze verglichen. Er hat ein überragendes Turnier bestritten und ist nach dem Turnier nach Wolfsburg gewechselt. Da hat er sich nicht durchsetzen können und sich später leider schwer verletzt. So hat er nie mehr das Niveau erreicht, das ich in ihm gesehen habe."

Switzerland's Nassim Ben Khalifa celebrates after the victory
© Action Images

Granit Xhaka (Flügel/Mittelfeld, 28)

  • Vereine: FC Basel, Borussia Mönchengladbach, FC Arsenal
  • Nationalmannschaft: 83 Länderspiele (12 Tore) für die Schweiz
  • WM-Teilnahmen 2014 und 2018, EM-Teilnahme 2016
  • 2017 Schweizer Fussballer des Jahres

Ryser: "Er war ein Spätentwickler, bei uns war er noch nicht jener Leader von heute in der Schweizer Nationalmannschaft. Er war in der U-16 noch nicht Stammspieler bei uns, weil er körperlich noch nicht so weit war. Für mich war aber immer klar, dass er ein riesiges Talent war. Erst auf die WM hin rückte er in die Startelf. Mir war er mit seinem schmächtigen Körper aber noch nicht robust genug, um im Zentrum international zu bestehen. Darum stellte ich ihn auf dem Flügel auf. Dass er eine solche Karriere machen konnte, überrascht mich nicht und freut mich sehr für ihn."

Switzerland Portraits - Granit Xhaka
© Getty Images

Ricardo Rodriguez (Außenverteidiger, 28)

  • Vereine: FC Zürich, VfL Wolfsburg, AC Mailand, PSV Eindhoven, FC Turin
  • Nationalmannschaft: 77 Länderspiele (8 Tore) für die Schweiz
  • Nahm an der EURO 2016 und der WM 2018 teil

Ryser: "Ricardo kam erst einen Monat vor dem Turnier zu uns, weil es bei der Einbürgerung Verzögerungen gab. Ich habe noch nie einen Spieler gesehen, der so stress- bzw. druckresistent war. Er hat sich durch nichts aus der Ruhe bringen lassen. Er war schon damals ein außergewöhnlicher Spieler."

Alternative View Portraits - Ricardo Rodriguez of Switzerland
© Getty Images

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