FIFA U-17-Weltmeisterschaft Chile 2015

06 - 28 Oktober

FIFA U-17-Weltmeisterschaft 2015

Pancho und eine neue Sicht auf die WM

© Getty Images

"Wenn ich die Burschen hier sehe und erlebe, wie nervös sie vor den Spielen sind, dann werde ich sentimental und viele Erinnerungen kommen hoch." Juan Francisco Viveros, genannt Pancho, lächelt versonnen. Der Torjäger der chilenischen Auswahl, die an der FIFA U-17-Weltmeisterschaft 1997 in Ägypten teilnahm, hätte nie gedacht, dass er achtzehn Jahre später eine U-17-WM aus einer anderen Perspektive erleben würde. "Die Teilnahme an der Organisation einer derartigen Veranstaltung war ganz neu für mich, ist aber eine wunderbare Erfahrung. Das Ganze ist ein sehr intensives Erlebnis! In den letzten Monaten habe ich vier Kilo verloren", gesteht er lachend.

Pancho, Direktor des Spielortes Chillán bei dieser U-17-WM auf chilenischem Boden, empfängt FIFA.com in 'seinem' Stadion, Nelson Oyarzún Arenas. "Diese Weltmeisterschaft als Organisator mitzuerleben, hat mein Leben wirklich verändert. Bei meinem Abschied als aktiver Spieler war ich fest davon überzeugt, dass ich Trainer werden würde. Das denke ich zwar heute auch noch, aber nun hatte ich die Gelegenheit, an der Organisation von Sportveranstaltungen mitzuarbeiten. Das hatte ich eigentlich nie ins Auge gefasst, aber es macht mir nun wirklich Spaß. Ich habe viele Dinge im Verlauf des Turniers gelernt, die mir auch in Zukunft sehr nützlich sein könnten", fährt er breit lächelnd fort.

Die WM als Sprungbrett nach Europa*
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Wie einige Jahre zuvor war es auch dieses Mal eine Weltmeisterschaft, die sein Leben veränderte. "Nach der WM damals erhielt ich Angebote von Vereinen aus aller Welt. Vertreter von Sporting Lissabon fuhren sogar nach Ägypten, um mich zu verpflichten. Als das Turnier zu Ende war, konnte ich nur für eine Woche nach Chile zurückkehren, um meine Sachen zu packen und dann nach Portugal zu reisen. Ich war gerade 17 Jahre alt und wurde der jüngste chilenische Spieler, der nach Europa ging", erzählt er.

Es war eine enorme Veränderung für ihn und die gesamte Familie. "Ich war noch nicht einmal 18 Jahre alt. Ich war zu jung, um bereits allein zu leben. Die Familie hat sich also aufgeteilt. Meine Mutter blieb in Chile mit meinem älteren Bruder, der bereits die Universität besuchte, während mein Vater und mein kleiner Bruder mit mir nach Portugal gingen. Ungefähr alle drei Monate reiste dann mein Vater nach Hause und meine Mutter kam, um mich zu besuchen. Ich werde ihnen immer dafür dankbar sein. Von Anfang an haben sie mich unterstützt und waren stets bei mir."

Es sollten fünf Jahre bei Sporting werden, mit einem Meistertitel, den er dort holte, und Erfahrungen, die er sein Leben lang nicht vergessen wird. All dies wegen einer Weltmeisterschaft, an der er beinahe nicht teilgenommen hätte. "Auch wenn ich viele Tore bei meinem Verein Huachipato erzielte, hat man mich bei der ersten Auswahl nicht berücksichtigt. Ich schoss jedoch weiter Tor um Tor und schließlich hat man mich berufen." Auch im chilenischen U-17-Team blieb er erfolgreich und wurde Torschützenkönig der Südamerika-Meisterschaft. Diesen Titel teilte er sich damals mit einem gewissen Ronaldinho. "Meinen Mitspielern gegenüber merkte ich an, dass ich den Eindruck hatte, dass er auf einem Bein hinkt. Wenn man bedenkt, wozu er es dann gebracht hat..." Pancho muss erneut lachen.

Nach der Südamerika-Meisterschaft kam ein regelrechter Hype um den jungen Spieler auf. "Die Klassenkameraden baten mich um Autogramme, die örtliche Presse verfolgte mich. Ich glaube, dass es ganz gut war, dass ich eigentlich ein ganz schlichter Mensch bin. Mir ist das Ganze weder damals noch später zu Kopfe gestiegen. Das hat auch etwas mit meiner Familie und der Art und Weise zu tun, wie man mich erzogen hat."

Zwei unvergessene Erfahrungen
Er blieb auch dann bescheiden, als er einige Monate später vor 60.000 Menschen spielte. "Bei der Weltmeisterschaft trafen wir auf Gastgeber Ägypten, und das Stadion war voll. Leider sind wir bereits in der Gruppenphase ausgeschieden, denn die damalige Auswahl war für Größeres bestimmt. An einer Weltmeisterschaft teilzunehmen, ist etwas, das man nicht vergisst", bekräftigt er.

1997 in Ägypten schoss er zwei Tore und war übrigens nicht der einzige aus seiner Generation, dem der Sprung zu den Profis gelang. "Nicht weniger als acht Spieler aus unserem damaligen Team wurden Profis und spielten später in Chile, Brasilien, Argentinien oder Europa. Wir haben übrigens alle noch weiterhin Kontakt! Zwei von ihnen nehmen beispielsweise gemeinsam mit mir am Trainerlehrgang teil", erzählt er.

In den letzten Monaten, als er sich der Organisation der Weltmeisterschaft widmete, musste Pancho diese Ausbildung etwas vernachlässigen, hofft nun jedoch, das wieder aufholen zu können. Die Erfahrungen, die er sammeln konnte, waren auf jeden Fall lohnenswert. "Als wir bei der Auslosung gesehen haben, dass wir in Chillán Mexiko, Deutschland, Argentinien und Australien empfangen durften, wussten wir, dass sich die ganze Arbeit gelohnt hatte. Das Stadion war immer sehr gut besucht und dann hat auch noch die Heimmannschaft hier gespielt … Das war eine tolle Belohnung", sagt er und strahlt über das ganze Gesicht.

Und nun, da es keine weiteren Spiele in Chillán gibt? "Wenn eine Erfahrung so intensiv wie diese war, braucht man eine ganze Weile, um das Ganze zu verarbeiten. Das ist so ähnlich wie bei einem Profifussballer. Erst wenn man die Schuhe an den Nagel hängt, wird man sich der eigenen Karriere so recht bewusst. Ich habe zwar noch nicht viel Zeit gehabt nachzudenken, weiß aber, dass ich bald sehr stolz auf das alles sein werde."

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