FIFA U-17-Weltmeisterschaft Korea 2007

FIFA U-17-Weltmeisterschaft Korea 2007

26. Oktober - 17. November

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Nigeria feiert dritten Triumph

Nigeria's players celebrate after winning the final against Spain at the FIFA U-17 World Cup Korea 2007. The final took place in Seoul on Sunday, 9 September.
© Foto-net

"Was zwei Mal klappt, klappt auch noch ein drittes Mal." So oder ähnlich könnte das Motto der FIFA U-17-Weltmeisterschaft Korea 2007 lauten. Eine Maxime, die man auf nigerianischer Seite sicherlich mit einem Lachen nimmt, die beim Endspielgegner aus Spanien aber ebenso sicher allenfalls für ein gequältes Lächeln sorgen dürfte. Aber der Reihe nach: Zunächst einmal war es die dritte FIFA U-17-Weltmeisterschaft auf asiatischem Boden. Und wie schon in China 1985 und in Japan 1993 holte sich Nigeria den Titel. Das gleiche Bild 14 Jahre später: Auch in Korea waren die Afrikaner erfolgreich. Die Zahl der Endspielteilnahmen Spaniens beläuft sich ebenfalls auf drei. Allerdings verloren die Iberer auch alle drei Finals.

Schon im Vorfeld hatten die Nigerianer mit ihrem Trainer Yemi Tella den Titel zum Ziel erklärt, und so spielten sie denn auch von Beginn an. "Wir kommen mit dem WM-Pokal nach Nigeria zurück!", hatte der Trainer des Afrikameisters schon vor der ersten Begegnung prophezeit. Natürlich mussten diesen durchaus markigen Worten dann auch Taten folgen. Nach und nach mussten sich Frankreich, Haiti, Kolumbien, Argentinien und Deutschland dem kraftvollen Spiel der Nigerianer beugen. Dreh- und Angelpunkt der nigerianischen Aktionen war dabei der nimmermüde Kapitän Lukman Haruna im Mittelfeld, der den Edeltechnikern Rabiu Ibrahim und King Osanga gekonnt den Rücken frei hielt, während im Sturm Macauley Chrisantus wirbelte und Tor an Tor reihte.

Pünktlich zum Endspiel gegen Spanien dann zeigten die Nigerianer aber, dass sie mehr zu bieten haben als eine Torfabrik, indem sie die Offensivkräfte der Iberer überraschend deutlich schachmatt setzten. Hatten bis dahin nämlich vor allem die Angreifer brilliert, verdankten die Nigerianer den letzten und entscheidenden Erfolg in erster Linie ihrem Torhüter. Nachdem 120 Minuten lang Defensive Trumpf gewesen war und die Abwehrspieler erfolgreich alle Bemühungen der Stürmer im Keim erstickt hatten, musste die Entscheidung im Elfmeterschießen fallen. Und bei diesem Spiel um Glück und Nerven zeigte sich Oladele Ajiboye voll auf der Höhe. Verfehlte Asier Illaramendi noch das Tor, so scheiterten Fran Merida und Iago ganz eindeutig am afrikanischen Schlussmann. Weil auf der Gegenseite Matthew Edile, Daniel Joshua und Ganiyu Oseni ihre Elfmeter verwandeln konnten, ist Nigeria jetzt zum dritten Mal Weltmeister und hat nach Titeln mit Brasilien gleichgezogen.

Auf spanischer Seite wird man sich derweil fragen, ob das Spiel wohl mit dem gesperrten Bojan Krkic im Angriff einen anderen Ausgang genommen hätte. Denn der katalanische Jungstar hatte bis zur Vorschlussrunde geglänzt, um dann just zum Schlussakt zu fehlen und von der Mannschaft von Trainer Juan Santisteban schmerzlich vermisst zu werden. Tatsächlich fehlte es den Iberern im Endspiel an Quirligkeit. Technik und Erfahrung, um den nigerianischen Abwehrriegel zu knacken - Qualitäten, wie sie Bojan allesamt verkörpert. Aber die Spanier werden auch wissen: Geschichte scheint sich zwar bisweilen zu wiederholen - nur ändern lässt sie sich nicht. Und so kehrt der Europameister nach Italien 1991 und Finnland 2003 zum dritten Mal "nur" mit der Silbermedaille nach Hause zurück.

Deutschland holt Bronze, Kroos holt Gold
Nach acht Jahren Abstinenz waren die Erwartungen für und in Deutschland nicht sonderlich hoch und die Mannschaft reiste entsprechend wenig beachtet in Korea an. Drei Wochen später kann sie singend, stolz und glücklich über den dritten Platz bei der WM wieder abreisen. In der Qualifikation noch mit immensen Schwierigkeiten, dazu ein Trainerwechsel hin zu Heiko Herrlich nur zwei Monate vor Start der Endrunde - die junge deutsche U-17 war eine der unbekannten Größen des Turniers.

Daran änderte auch die Vorrunde nicht notwendigerweise viel, als Deutschland zwischen Euphorie und Unkonzentriertheit schwankte. Immerhin: Den Zuschauern wurde so reichlich Spektakel und Spannung geboten. Ein spektakuläres Unentschieden gegen Kolumbien (3:3), ein leichter Sieg gegen Trinidad und Tobago (5:0) und ein knapper Erfolg gegen Ghana (3:2) reichten letztlich zum ersten Platz in Gruppe F.Angeführt von einem glänzenden Toni Kroos wurden anschließend die USA im Achtelfinale mit 2:0 besiegt und die Engländer im Viertelfinale (4:1) regelrecht deklassiert. In der Vorschlussrunde gegen den späteren Titelträger Nigeria war die junge Mannschaft dann allerdings über die gesamte Spielzeit gesehen chancenlos. So kam es im Spiel um Platz drei zu einem Wiedersehen mit Ghana und erneut zu einem knappen Sieg: Das 2:1 wurde gekrönt mit der Bronzemedaille.

Zufrieden sein dürfte Trainer Herrlich zudem mit der persönlichen Auszeichnung für seinen Kapitän: Toni Kroos wurde zum besten Spieler des Turniers gewählt und dafür mit dem Goldenen Ball der Firma adidas ausgezeichnet. Nicht zuletzt dank der fünf Tore ihres Spielführers konnte die DFB-Auswahl ihren Erfolg feiern. Mit Technik, Übersicht und tollen Standardsituationen setzte sich Kroos letztlich gegen seine Konkurrenten Chrisantus (Nigeria) und Bojan Krkic (Spanien) durch. Der Spielmacher von Bayern München glänzte auch im Spiel um den dritten Platz als Passgeber und Freistoßschütze und beendete das Turnier mit einem weiteren Glanzpunkt.

Chrisantus, der Torschütze vom Dienst bei den Golden Eaglets, hatte derweil gleich mehrfach Grund zur Freude. Bei der Journalistenwahl landete er nämlich nur knapp hinter Kroos und bekam den Silbernen Ball. Neben dem Weltmeistertitel mit der Mannschaft sicherte er sich darüber hinaus mit sieben Treffern den Goldenen Schuh als bester Torjäger des Turniers. Der Spanier Bojan konnte derweil zwar alles in allem die in ihn gesetzten Erwartungen erfüllen und sein Talent bestätigen, musste die zweite Gelbe Karte im Halbfinale gegen Ghana jedoch teuer bezahlen. Erst das Siegtor kurz vor Schluss, dann die unnötige Verwarnung und die Zuschauerrolle im Endspiel, die ihn womöglich den Goldenen Ball gekostet hat. Trotz dieser Enttäuschung dürfte es aber nur noch eine Frage der Zeit sein, bis Trainer Frank Rijkaard das Megatalent in die erste Mannschaft von Barcelona beruft.

Brasilien enttäuscht
Die Zeit der Bilanz ist auch immer die Zeit der Rückschau. Diverse Mannschaften hatten im Vorfeld der FIFA U-17-Weltmeisterschaft durchaus ambitionierte Ziele geäußert - die einen mehr, die anderen weniger und manche offensiver als die anderen. Besonders hoch gehandelt jedoch wurden vor allem drei Teams: Brasilien als dreimaliger Titelträger und ewiger Favorit, Spanien mit Wunderkind Bojan vom FC Barcelona, sowie der zweimalige Weltmeister Nigeria, der eine überaus beeindruckende Qualifikation gespielt hatte. Ins Endspiel jedoch können nur zwei Mannschaften einziehen - und die Südamerikaner waren nicht darunter.

Im Gegenteil, sie scheiterten schon im Achtelfinale gegen eine solide, jedoch gewiss nicht übermächtige Mannschaft aus Ghana. Dabei hatte alles so gut begonnen für den inzwischen ehemaligen Vize-Weltmeister. Gegen Neuseeland und die DVR Korea gab es jeweils Kantersiege mit 7:0 und 6:1. Die Niederlage in letzter Sekunde gegen England hätte vielleicht ein Alarmsignal für die Schützlinge von Lucho Nizzo sein sollen. Doch die Erkenntnis, nicht unbesiegbar zu sein, schien die Brasilianer letztlich sogar derart geschockt zu haben, dass sie gegen Ghana selbst in Überzahl agierten wie gelähmt. In einem Land, in dem im Fussball grundsätzlich nur der erste Platz zählt und bei jedem Turnier der Titelgewinn als selbstverständliches Ziel ausgegeben wird, ist die Enttäuschung nun natürlich riesengroß. Dennoch sollte man nicht vergessen, dass die Leistungen von Talenten wie Alex, Tales, Lulinha und Fabio durchaus vielversprechend waren.

Hoch gehandelt worden waren auch die USA. Aber nach Niederlagen gegen Tadschikistan und Tunesien in den ersten beiden Gruppenspielen reichte es durch einen Sieg gegen Belgien gerade noch zum Weiterkommen. Im Achtelfinale war dann aber gegen die abgebrühteren Deutschen endgültig alles Glück aufgebraucht.

Auch Frankreich und England hatten sich sicherlich mehr ausgerechnet als "nur" das Viertelfinale. Vier Spiele lang hatten die Spieler aus dem Mutterland des modernen Fussballs geglänzt und damit Erwartungen geschürt, ehe es gegen Deutschland ein in dieser Höhe unerwartetes aber verdientes 1:4 gab. Knapper scheiterten da schon die Franzosen gegen Spanien. Nach 0:1-Rückstand rauften sich die Jungs von Trainer François Blaquart noch einmal zusammen und erzwangen folgerichtig eine Verlängerung, in der sie aber auch beste Siegchancen ausließen und schließlich im Elfmeterschießen unterlagen. In der Gruppenphase noch merkwürdig kurzatmig, wusste sich der Weltmeister von 2001 gerade noch rechtzeitig zu steigern, um gegen Japan das Blatt zu wenden und anschließend auch die beherzt agierenden Tunesier im Achtelfinale auszustechen. Dann aber zerschellten die französischen Hoffnungen an den Handschuhen des spanischen Torhüters David De Gea.

Neulinge feiern, Gastgeber trauern
Große Umwälzungen an der Weltspitze brachte die FIFA U-17-Weltmeisterschaft nicht mit sich, aber einige Neulinge gaben dennoch eine gute Visitenkarte ab. So erreichte England das Viertelfinale und Syrien und Tadschikistan, die beiden Überraschungsteilnehmer aus Asien, überstanden bei ihrem Debüt gleich die Vorrunde. Insbesondere die Tadschiken sorgten mit ihrem couragierten Auftritt beim 4:3 zum Auftakt gegen die USA für den ersten Paukenschlag. Syrien trotzte unterdessen Argentinien ein 0:0 ab, unterlag Spanien verdient mit 1:2 und fuhr gegen Honduras den ersten Sieg mit 2:0 ein. Wille und Unterstützung eines ganzen Landes allein reichten dann aber doch nicht zum Erfolg gegen England im Achtelfinale. Honduras, Belgien und Togo überstanden die Vorrunde zwar nicht, konnten aber für künftige internationale Turniere wertvolle Erfahrungen sammeln.

Selbiges gilt für Haiti, das kleinste Land im Turnier, das in der ausgeglichenen Gruppe D drei sehr gute Spiele zeigte und trotz des Ausscheidens für große Freude in der Heimat sorgte. Höhepunkt der WM war aus karibischer Sicht das Unentschieden gegen die ehemalige Kolonialmacht Frankreich. Der triumphale Empfang, den man Trainer Jean-Yves Labaze und seinen Spielern bei ihrer Rückkehr bereitete, spricht Bände.

Nicht in die Geschichte eingehen wird hingegen der Auftritt der Republik Korea. Nach dem 0:1 im ersten Spiel gegen Peru und dem 0:2 gegen Costa Rica gab es nur noch im letzten Gruppenspiel einen knappen 2:1-Erfolg gegen Togo. Drei Punkte und nur ein einziges selbst erzieltes Tor reichten den Taeguk Warriors letztlich bei aller Unterstützung der Zuschauer nicht zum Weiterkommen bei "ihrer" WM. Selbiges gilt für Nachbar Japan, der ebenfalls früh die Segel streichen musste. Zwar wies Stürmer Yoichiro Kakitani nicht zuletzt mit einem der schönsten Tore des Turniers sein Talent nach, aber unter dem Strich gab es eben nur einen Sieg gegen Haiti und zwei Niederlagen gegen Nigeria und Frankreich.

Teilnehmer:
Ghana, Nigeria, Togo, Tunesien, Japan, Korea DVR, Korea Republik, Syrien, Tadschikistan, Deutschland, England, Belgien, Spanien, Frankreich, Costa Rica, USA, Haiti, Honduras, Trinidad und Tobago, Neuseeland, Argentinien, Brasilien, Kolumbien, Peru

Abschlusstabelle:
1. Nigeria
2. Spanien
3. Deutschland
4. Ghana

Austragungsorte und Stadien:
Changwon Main Stadium (Changwon), Chenoan Sports Complex (Cheonan), Goyang Stadium (Goyang), Gwangyang Soccer Only Field (Gwangyang), FIFA-WM-Stadion Jeju (Jeju), FIFA-WM-Stadion Seoul (Seoul), Suwon Sports Complex (Suwon), Ulsan Sports Complex (Ulsan).

Zahl der Tore:
165 (Durchschnitt pro Spiel:3,17)

Beste Torschützen:
7 Tore: Macauley Chrisantus (NGA)
6 Tore: Ransford Osei (GHA)
5 Tore: Toni Kroos (GER), Bojan Krkic (ESP)

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K.-o.-Runde

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FIFA U-17-WELTMEISTERSCHAFT